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Der Bayern-Schreck aus Bayern

Die Münchner können noch verlieren. Dass es sich der Meister selbst zuzuschreiben hat, gefällt aber nicht allen.

© dpa

Von Dietmar Kramer

Das Ende der Erfolgsserie von Bayern München hat in der Fußball-Bundesliga Diskussionen über eine Wettbewerbsverzerrung ausgelöst. Sportvorstand Horst Heldt von Schalke 04 und Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh kritisierten Star-coach Pep Guardiola, weil er bei der 0:1-Niederlage beim FC Augsburg auf viele Stars verzichtet hatte. So wurde Torschütze Sascha Mölders zum Bayern-Schreck und provozierte eine grundsätzliche Debatte.

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Pep Guardiola Trainer des FC Bayern München
Pep Guardiola Trainer des FC Bayern München © dpa

„Natürlich hat man das mitgekriegt, dass Spieler auf dem Platz gestanden haben, die selten bis noch gar nicht gespielt haben, und man hat auch vernommen, dass der Trainer der Bayern gesagt hat, die Bundesliga ist gelaufen. Ob das Wettbewerbsverzerrung ist, müssen andere entscheiden“, schimpfte Heldt.

Aus seinem Standpunkt zu den sieben Änderungen in Münchens Startelf im Vergleich zum Champions-League-Viertelfinale vier Tage zuvor bei Manchester United machte er keinen Hehl: „Die Bayern schicken ja auch immer ein paar schlaue Sprüche, die alle anderen aufzunehmen haben. Das ist kein guter Stil, wenn man so agiert, dass es für andere Probleme geben könnte. Das hat auch mit Charakter zu tun.“

Der Ex-Profi, der mit seiner Kritik wohl Druck auf München für das Duell am Wochenende mit Schalkes Champions-League-Konkurrent Dortmund beabsichtigte, stand mit seiner Sichtweise nicht allein. Veh zeigte nur bedingt Verständnis für die Bayern-Rotation. „Für die Liga ist das nicht okay“, klagte der Eintracht-Trainer.

Dabei hat sein Bayern-Kollege Guardiola in Augsburg lediglich auf die gleiche Weise Prioritäten gesetzt wie erst kürzlich noch Veh selbst: Bei Frankfurts Gastspiel in München hatte der Coach wegen der Chancenlosigkeit gegen den Triple-Gewinner ausdrücklich einige Stammkräfte für wichtigere Spiele im Abstiegskampf geschont.

Bremens Trainer Robin Dutt kritisierte nicht nur die Aufstellung, sondern auch die Einstellung der Bayern. Der Werder-Coach ärgerte sich über „Bilder von der Ersatzbank“, die Münchner Spieler in sozialen Netzwerken veröffentlichten, „als ob man in der Bundesliga noch ein bisschen Freizeitvergnügen machen will“. Die Kicker hatten auf den Motiven viel Spaß.

Guardiola ließ alle Kritik an seiner misslungenen Rotation lässig abtropfen. Drei U-20-Spieler standen in seiner Startelf, Stars wie Franck Ribéry, Arjen Robben oder Philipp Lahm waren erst gar nicht nach Augsburg gekommen. Guardiolas Begründung: „Das Spiel gegen Manchester ist ein Finale, da geht es um Tod oder Leben.“

Den gesunkenen Stellenwert von Bundesliga-Spielen für seine Planungen nach der schon früh erfolgreich verteidigten Meisterschaft bestätigte der Spanier mit ebenso viel Nachdruck: „Wenn es wichtig gewesen wäre, wären Philipp, Franck und Arjen dabei gewesen. Aber die Bundesliga ist vorbei, das ist im Museum von Bayern München und bleibt für immer da.“

Wie sehr die Münchner die Liga grundsätzlich – ob als Dauer-Sieger oder als Überraschungs-Verlierer – polarisieren, verdeutlichte Manager Christian Heidel vom Augsburger Europa-League-Rivalen Mainz: „Den Bayern war klar, dass es Diskussionen gibt, wenn es schiefgeht.“ Ganz anders klang Augsburgs Manager Stefan Reuter: „Ich habe keinen anderen Spieler als Bayern-Spieler in der Formation gesehen. Die haben häufig schon rotiert diese Saison.“

Die Bayern haben zwar einen Luxuskader, der dünnt jetzt aber aus. Die Ausfälle summieren sich vor dem Champions-League-Rückspiel gegen Manchester. Der Titelverteidiger muss in der entscheidenden Partie um den Halbfinaleinzug auch noch den Ausfall des Schweizer Nationalspielers Xherdan Shaqiri verkraften.

Der 22-Jährige erlitt in Augsburg einen „großen Muskelfaserriss“ im rechten Oberschenkel. Shaqiri muss mehrere Wochen pausieren und kann wohl erst in der Endphase der Saison wieder in den Spielbetrieb eingreifen. Es ist in der laufenden WM-Saison bereits die dritte muskuläre Verletzung des Schweizers – betroffen war jeweils der rechte Oberschenkel. „Die Verletzung von Shaq ist bitter für uns“, kommentierte Nationaltorhüter Manuel Neuer.

Pep Guardiola muss gegen Manchester neben Shaqiri auch auf die gesperrten Leistungsträger Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez sowie den verletzten Thiago (Innenbandteilriss im Knie) verzichten. Verletzt sind zudem die Reservisten Diego Contento (Sprunggelenk) und Tom Starke. Der Stellvertreter von Neuer musste am Sonnabend wegen eines Bänderrisses am Ellbogen operiert werden. Diesen hatte der Ersatztorhüter am Freitag beim nicht-öffentlichen Abschlusstraining für die Partie in Augsburg erlitten.

Als Ersatz für den Ex-Dresdner Starke rückte gegen Augsburg Leopold Zingerle (19) aus der Regionalliga-Mannschaft des FC Bayern in das Aufgebot. Denn auch die etatmäßige Nummer drei unter den Münchner Torhütern, Lukas Raeder, ist verletzt. Der 20-Jährige hatte im Training der zweiten Mannschaft am Freitag eine Sprunggelenksverletzung erlitten. Raeder muss wohl nun für zwei Wochen aussetzen. (sid mit dpa) Kommentar