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„Der Berg schenkt uns das Größte“

Der Bezwinger aller Achttausender, Reinhold Messner, macht im Februar mit einem Vortrag Station in Löbau. Auf den Mount Everest will er nie wieder.

Von Markus van Appeldorn

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Er ist der berühmteste Bergsteiger der Welt: Reinhold Messner. Als er im Mai 1978 gemeinsam mit seinem Bergkameraden Peter Habeler als erster Mensch der Welt den Gipfel des Mount Everest ohne Sauerstoffflaschen erreichte und auch wieder lebendig hinunterkam, machte ihn das unsterblich. Ebenso war er der erste Mensch, der alle 14 Achttausender der Erde erklomm. Selbst den Löbauer Berg hat er schon bewältigt. Im Juni 2015 trug er sich bei einem Besuch der Stadt ins Gipfelbuch auf dem Gusseisernen Turm ein. Jetzt kommt Reinhold Messner wieder nach Löbau. Am 3. Februar 2019 macht er mit seinem Vortrag „Weltberge – die 4. Dimension“ in der Messehalle Station. Die SZ sprach mit ihm über seine Vorstellungen vom Alpinismus und der Magie der Berge – auch die der Oberlausitz.

Herr Messner, Ihr Name ist der wahrscheinlich prominenteste im Gipfelbuch des Löbauer Berges. Haben Sie auch schon andere Berge in der Oberlausitz bestiegen?

„Also in meinem persönlichen Gipfelbuch ist der Löbauer Berg nicht eingetragen und ich habe auch keine anderen Gipfel erstiegen, abgesehen vom Brocken, den ich natürlich aus Neugierde bestiegen habe – aber das ist nicht mehr das gleiche Gebiet. Ich bin sehr viel wandern gegangen in der Oberlausitz. Es ist ein wanderiges Gebiet. Aber ich habe nicht konkret die Berge gesucht und erklettert.“

Wobei das Zittauer Gebirge ja durchaus alpine Ansprüche zu bieten hat. Da sind ja immer sehr viele Kletterer unterwegs.

„Ja, das ist ja auch ein Trainingsgebiet, wo die Leute sich Klettererfahrung holen können und nicht weit wegfahren müssen.

Also die Kelchsteine bei Oybin im Zittauer Gebirge haben Sie noch nicht bestiegen?

„Nein.“

Wenn Sie jetzt nach Löbau kommen, haben Sie dann auch etwas Sportliches vor?

„Da werde ich nicht zu kommen. Ich bin ja auf einer Vortragsreise und reise von Hotel zu Hotel und schreibe an einem Buch. Und ich bin relativ früh im Vortragssaal, weil ich ja auch Autogramme gebe im Vorfeld.

Auf dem höchsten Berg unserer Region, der Lausche, wird gerade ein Aussichtsturm gebaut. Was halten Sie von so einer Nutzung der Berge?

„Ich finde das nicht notwendig. Wenn ich auf dem Gipfel stehe, der ja schon der höchste ist, muss ich nicht noch was draufbauen. In den Alpen ist es ja das Gleiche. Allerorten entstehen Aussichtsplattformen. Ein richtiger Wahn. Der Berg erzählt uns viel über uns und sich. Berge sind am stärksten, wenn man ihnen keine Infrastruktur aufzwingt. Weil sie uns mit ihrer Größe, mit der Anstrengung, wenn man hinaufsteigt und mit der Aussicht das Größtmögliche schenken.“

Sie kritisieren ja immer wieder den Massentourismus auf dem Mount Everest. Andere sagen, Sie selbst seien ja Mit-Auslöser dieses Phänomens.

„Das ist leider zum Teil so. Diese Anwürfe werden auch mit Hinterhältigkeit gebracht. Ich bin ja derjenige, der mit immer weniger Mitteln da hinaufgestiegen ist. Ich bin der Erfinder des Verzichtsalpinismus. Mit immer weniger Mitteln. Am Ende habe ich den Everest alleine bestiegen und bin mehr oder weniger ohne Müll zu hinterlassen wieder runtergekommen. Ich habe mich mein Leben lang dafür eingesetzt, diese Berge nicht zu missbrauchen. Heute bieten einige Dutzend Veranstalter den Berg im Reisekatalog an und lassen den Berg präparieren. Da bauen Einheimische eine regelrechte Laufpiste bis zum Gipfel.“

Aber ist es nicht irgendwie nachvollziehbar, dass diese Menschen das Messner-Gefühl erleben wollen?

„Das ist mir im Grunde gleichgültig. Aber nicht, wie die Veranstalter ihre Sachen verkaufen. Die versprechen den Menschen: Wenn Ihr da oben seid, habt Ihr das Gleiche erlebt wie der Messner. Die missbrauchen meinen Namen und ich kann mich nicht dagegen wehren. Die verkaufen genau das Gegenteil von dem, was ich erlebt habe. Bei mir ging es ums Wie. Wie bin ich da raufgekommen? Damals hat es keiner für möglich gehalten, dass man ohne Sauerstoff hinaufkommt. Heute geht man auf einer ausgetretenen Piste den Everest hinauf.

Sie würden heute nicht mehr auf den Mount Everest steigen?

Über eine schwierige Route, wo keine Pisten sind, grundsätzlich schon. Aber die schwierigen Routen würde ich heute nicht mehr schaffen. Aber auf dem Normalweg? Nicht im Traum würde ich da hochgehen. Nicht mit zehn Pferden bringen die mich dahin.