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Der Besessene auf dem Motorrad

Vor drei Wochen verletzte sich Valentino Rossi bei einem Unfall schwer. Doch beim Rennen am Sonntag will er wieder starten.

© Thomas Kretschel

Von Uli Schember

Einsam und allein drehte Valentino Rossi seine Runden. Durch einen Maschendrahtzaun schoss ein Paparazzo den Superstar aus Italien ab und lieferte damit den Beweis, dass der 38-Jährige tatsächlich nur 18 Tage nach einem Schien- und Wadenbeinbruch auf der Rennstrecke in Misano mit dem Motorrad unterwegs war. Am Wochenende will das Gesicht der MotoGP-Szene schon wieder um Punkte fahren.

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Rossi tut alles für ein schnelles Comeback, denn er träumt weiter von seinem zehnten Weltmeistertitel. Die Brüche im rechten Unterschenkel, bei einer nächtlichen Operation wenige Stunden nach einem folgenschweren Motocross-Unfall mit einem Nagel fixiert, sollen ihn nicht abhalten. „Jetzt will ich so schnell wie möglich zurück aufs Bike“, sagte er am Morgen nach dem Eingriff. Rossi hat keine Zeit, viele Chancen für den großen Wurf kommen in seinem Alter nicht mehr.

„Valentino Rossi hat nach seiner Beinverletzung vom 31. August die ersten Runden auf dem Misano World Circuit Marco Simoncelli absolviert“, teilte das Yamaha-Werksteam am späten Montagabend mit. Wegen Regens wurden es laut Medienberichten nur vier Umläufe, eine Beurteilung seiner Fitness war deshalb nicht möglich. Erst am Mittwoch will Rossi entscheiden, ob er beim 14. von 18 Saisonläufen am Sonntag in Aragonien/Spanien antritt. Die Ärzte werden ein Wörtchen mitreden. Rossi ist alles zuzutrauen. Dass es bei ihm nicht nur auf dem Asphalt schnell geht, hat er schon bewiesen. Vor sieben Jahren zog sich der Yamaha-Pilot einen offenen Schienbeinbruch zu, sechs Wochen später war er zurück. Auf Krücken humpelte Rossi damals am Sachsenring vor jedem Einsatz zu seiner Maschine, biss sich durch die Sessions und wurde im Rennen Fünfter.

In dieser Saison war Rossi bislang nur einmal Zuschauer. Den Großen Preis von San Marino verfolgte er am vorletzten Wochenende zusammen mit seiner Katze Rossano auf der Couch. Erst mit Verspätung fuhr auch der italienische Nationalheld auf der Strecke in Misano, gut 15 Kilometer von seinem Wohnort Tavullia entfernt.

Seine M1, den MotoGP-Prototyp, durfte Rossi beim Härtetest wegen der strikten Testvorschriften nicht fahren. Darum musste er auf eine Yamaha R1M zurückgreifen. Der Niederländer Michael van der Mark (24) fährt in der Superbike-WM eine solche Maschine und hätte diese am Wochenende als Rossi-Ersatz gegen die M1 tauschen sollen – vielleicht wird nichts daraus.

Wenn es irgendwie geht, wird Rossi sein Glück versuchen. Im Zweifel gegen jede Vernunft, Schmerztabletten dürften unerlässlich sein. Mit 157 Punkten ist er WM-Vierter, der spanische Titelverteidiger Marc Márquez (Honda) und sein italienischer Landsmann Andrea Dovizioso (Ducati) liegen mit je 199 Zählern vorn.

Noch ist das WM-Rennen in der Königsklasse für Rossi nicht gelaufen, es stehen fünf Rennen aus, im besten Fall sind 125 Punkte drin. Rossi hat in diesem Jahr zwar erst einen Sieg geholt (Assen/Niederlande), doch er war konstant schnell. Schon Ende Mai war Rossi beim Motocross schwer gestürzt. Verletzungen im Brustbereich sowie an Leber und Niere waren die Folge, nach einem Tag im Krankenhaus ging es weiter. Rossi ist ein Besessener. (sid)