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Der Bewahrer

Der Schwepnitzer Museumsgründer Uwe Jähnig startet mit vielen Plänen ins neue Jahr.

© Matthias Schumann

Annett Kschieschan

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Ein Besuch in diesem Haus ist wie das Blättern in einem alten Fotoalbum. Mit einer vagen Vorstellung klappt man die erste Seite auf, um spätestens auf der dritten in der Erinnerung anzukommen. Ja, so war das damals. Diese Frisur war angesagt, und wer auf dem Laufenden sein wollte, trug natürlich genau diese Hemden. Und diese Eierbecher standen auch bei Oma immer auf dem Frühstückstisch, neben genau dieser Kaffeekanne ... Uwe Jähnig hat in Schwepnitz tatsächlich so etwas wie ein begehbares Familienalbum geschaffen. Zugegeben, es ist ein Album, mit dem vor allem die etwas anfangen können, die die ehemalige DDR noch einigermaßen bewusst miterlebt haben – im Wesentlichen also die Generation 40 plus. Zu ihr gehört auch der Gründer des Schwepnitzer DDR-Design-Museums. Uwe Jähnig ist ein Sammler. Ein Bewahrer. Und er ist zunehmend auch ein Netzwerker. Wer in seiner Freizeit mal eben ein Museum gründet, muss das sein. Vor allem, wenn man seinen Lebenstraum in keiner der großen Städte, sondern am Rande eines Heidedorfes an der sächsisch-brandenburgischen Grenze verwirklichen möchte. Seit drei Jahren wächst die Sammlung in dem ehemaligen Glaswerks-Gebäude an der Ortrander Straße kontinuierlich. Uwe Jähnig liegt so ziemlich alles aus der DDR irgendwie am Herzen. Das große Thema seines Museums ist aber die Designgeschichte Ostdeutschlands. Und weil auch die ein erstaunlich weites Feld ist, gestaltet der Sammler jeden Raum auf den zwei Etagen nach einem eigenen Konzept. Am bekanntesten dürfte inzwischen das sogenannte orangenfarbige Zimmer sein. Eimer, Einkaufstaschen, Wäschekörbe – alles in Orange und alles original so, wie es einst in der DDR hergestellt wurde. Ein Farb-Kick, der jüngst auch die Kamenzer Fotografin Anne Hasselbach begeistert hat. Sie zog mit ihren Models für ein Shooting ins DDR-Museum am Heiderand und drapierte die Damen inmitten der quietschbunten, längst vergangenen Alltagslandschaft.

Flohmärkte locken Besucher an

Uwe Jähnig freut sich über solche Initiativen. Und er freut sich natürlich über Unterstützer. Weil der Museumsmacher auch noch einen regulären Job hat, kann er unmöglich alles, was er über Jahrzehnte zusammengetragen hat, selbst aufarbeiten. Dutzende Staubsauger etwa, oder eine ganze Horde Drahtesel aus DDR-Produktion. Nach kurzen Aufrufen fanden sich in der Vergangenheit immer wieder einmal agile Rentner, die bereit waren, ein bisschen mitzubasteln am Schwepnitzer Museumstraum. Interaktion, die allen Beteiligten nützt. Das gilt auch für die Flohmärkte, die im vergangenen Jahr teilweise über 300 Besucher anlockten.

Das neue Jahr soll ein gutes werden für das DDR-Design-Museum. Längst hat der Gründer Pläne geschmiedet, etwa für die Ostmugge – also Musik, die die DDR-Jugend in den 70er und 80er Jahren begeistert hat. Schwepnitz galt einst als Hochburg für Auftritte von DDR-Bands und -Musikern. „Ich will die Erinnerung daran wieder aufleben lassen“, sagt Uwe Jähnig. Seine extra zu diesem Zweck gegründete Facebook-Gruppe wächst kontinuierlich. Mehr als 700 Mitglieder hat sie bereits. Klar, dass auch ein Ostmugge-Zimmer im Museum entstehen wird. Und beim Treffen ehemaliger Musiker und Fans könnte Schwepnitz nach dem Willen von Uwe Jähnig ja vielleicht tatsächlich noch einmal zum Mekka der Ostmusik-Anhänger werden.

Ostrad-Treff geplant

Außerdem will der Schwepnitzer zum ersten Mal überhaupt zu einem Ostrad-Treff einladen. Am 3. Mai kann jeder, der selbst noch einen Drahtesel aus DDR--Produktion besitzt, mit eben diesem an der Ortrander Straße in Schwepnitz vorfahren. Natürlich freut man sich genauso über Schaulustige.

Trotz der neuen Ideen – Das DDR-Design-Museum bleibt Uwe Jähnigs Herzensangelegenheit. Stück für Stück sollen weitere Räume eingerichtet werden. Material dafür hat der Sammler reichlich. Ein paar mehr Seiten wird es also noch bekommen, das begehbare Fotoalbum am Heiderand. Und ein paar mehr Menschen, die gern darin blättern, wohl auch.

www.ostdeutsches-design.de

www.facebook.com/groups/ostmugge

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