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Der Big Boss und die Big Points

Dietrich Mateschitz ist zum ersten Mal bei seinem Verein RB Leipzig im Stadion und sieht einen Sieg im Aufstiegskrimi.

© photoarena

Von Ullrich Kroemer

Nach dem Abpfiff schlug Dietrich Mateschitz erst ungläubig die Hände vorm gut gebräunten Gesicht zusammen, strahlte dann seine Lebensgefährtin Marion Feichtner an und nickte stolz und anerkennend ins Leipziger Rund. Der Red-Bull-Gründer hätte sich keinen besseren Zeitpunkt für den Premieren-Besuch im Leipziger WM-Stadion aussuchen können als das Spitzenspiel zwischen RB Leipzig und Darmstadt 98.

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Die Rekordkulisse von 39 146 Zuschauern – nur Fortuna Düsseldorf begrüßte schon einmal mehr Fans in der 3. Liga – war spektakulär, das Spiel intensiv und in der zweiten Hälfte packend, weil Darmstadt mehr wagte. Um seine Spieler noch einmal extra zu motivieren, war Big Boss Mateschitz direkt vor der Partie überraschend in die Kabine seines Teams gegangen und hatte den Spielern die Hand geschüttelt.

Der Besuch des milliardenschweren und sonst so öffentlichkeitsscheuen Österreichers hat offensichtlich Glück gebracht. Als der 1:0-Sieg nach der umkämpften und hektischen Schlussphase feststand, jubelten die Leipziger Spieler auf dem Rasen so emotional, als hätten sie den Aufstieg in die 2. Liga bereits perfekt gemacht. Yussuf Poulsen, Dominik Kaiser, Timo Röttger & Co. gingen in die Knie und fielen sich um den Hals. Ein Beleg dafür, welch großer Druck im vielleicht wichtigsten Spiel der jungen RB-Vereinsgeschichte auf dem Team gelastet hatte.

Mit nun vier Punkten Vorsprung auf die drittplatzierten Darmstädter kann Sportdirektor Ralf Rangnick die (Personal-)Planungen für die 2. Liga vorantreiben. Angesprochen auf das Interesse an Dynamo-Talent Marvin Stefaniak sagte Rangnick nur: „Ich kenne den Spieler nicht persönlich, deswegen kann ich nicht beantworten, ob er in allen Kriterien zu uns passt. Mit anderen Worten: Ich habe ihm noch nicht tief in die Augen geschaut.“ Generell führe Rangnick erst dann persönliche Verhandlungen, wenn feststehe, in welcher Klasse RB in der kommenden Saison antrete.

Dass es nun für den mit Red-Bull-Millionen alimentierten Emporkömmling wohl direkt zum Aufstieg reicht, darüber müssen auch die Dresdner nicht traurig sein. Mögliche Relegationsduelle gegen die SGD waren für alle Beteiligten ein Horrorszenario – vor allem für die Sicherheitskräfte. Falls Dynamo am Saisonende auf dem 16. Platz landet, geht es wohl gegen Dirk Schusters Darmstädter. Der gebürtige Karl-Marx-Städter war trotz der Niederlage „stolz, das Spiel bis zur letzten Sekunde spannend gehalten zu haben“. Zwar will Schuster mit seine Elf zur Stelle sein, sollte RB noch patzen, wertet aber schon den Relegationsplatz als „Riesenerfolg“.

Im Gegensatz zu RB hat Darmstadt bereits „das eine oder andere Spiel der möglichen Relegations-Gegner beobachten lassen“, wie Schuster verriet. Konkret zu Dynamo mochte sich der Trainer der Überraschungsmannschaft aus Hessen jedoch genauso wenig äußern wie Rangnick. „Wir sind der Überzeugung, dass wir den Aufstieg direkt schaffen können. Sollte tatsächlich der Fall eintreten, dass wir Play-offs spielen müssen, sind wir nicht unvorbereitet“, sagte der RB-Sportdirektor.

Darmstadt ist ein kompakter Kontrahent, der den Gegner mit aggressivem Pressing bearbeitet und zumindest in der Schlussphase in Leipzig auch offensiv Druck machte. Auffällig ist, wie sich 1,97-Meter-Hüne Dominik Stroh-Engel im Mittelfeld selbst die Bälle im Luftkampf erobert, sie auf die Flügel verteilt und dann in die Spitze startet. Immer wieder setzte der Ex-Dresdner Marcel Heller den 26-Tore-Mann mit gefährlichen Flanken in Szene.

Das Hinspiel in der Relegation würde wohl in der Mainzer Arena stattfinden, da das Darmstädter Stadion am Böllenfalltor nicht den DFL-Kriterien entspricht.