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Der Boom bleibt vor den Geräten hängen

Sat 1 darf sich zum 50. Superbowl auf eine Rekordquote freuen. Doch was hat der deutsche Football von der neuen TV-Qualität?

© dpa

Von Alexander Hiller

Einen Gewinner gibt es bereits vor dem großen Showdown: Die Sendergruppe ProSieben/Sat 1 – die sich in dieser Saison die Senderechte für 50 Spiele der National Football League (NFL) gesichert hat. Für das sportliche Heiligtum jedes aufrechten Amerikaners. Das Halbfinale zwischen den New England Patriots und den Denver Broncos verfolgten vor anderthalb Wochen 1,19 Millionen deutsche Zuschauer. Diese Marke wird Sonntagnacht beim 50. Superbowl zwischen Denver und den Carolina Panthers sicher geknackt. Da liegt die Frage nahe, ob der offensichtliche Fernseh-Boom auch der deutschen Bundesliga (GFL) etwas bringt? Ob kurz- oder langfristig.

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Das Lächeln von Robert Huber am Telefon ist beinahe hörbar. „Man sollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen“, mahnt der Chef des American Football-Verbandes (AFVD). „Und das würde man tun, wenn man sich davon eine Wechselwirkung verspricht. GFL und NFL sind zwei völlig unterschiedliche Welten. Ja, zwei völlig unterschiedliche Sportarten“, sagt der Vielfach-Funktionär, der auch den europäischen Footballverband (Efaf) anführt.

Das mag nach Understatement klingen, doch Huber schätzt die Bedeutung seiner Sportart hierzulande realistisch ein. Selbst die Dresden Monarchs, einer der am professionellsten geführten und stabilsten deutschen Spitzenvereine, werden nicht müde zu betonen, dass man hochklassigen Freizeitsport anbiete. Unter den Spielern sind viele Studenten, normale Berufstätige, mal ein richtiger Doktor und nur ganz wenige Profis – meist aus Übersee.

Dort ist Football Religion. Riesige Show, Drama, Sport. Manchmal mehr Show. Die Stars sind Multimillionäre, dauerpräsent in den Medien. Produzieren regelmäßig Skandale, Skandälchen – protzen mit Nobelkarren und Schickimicki-Begleitung. Wer hat, der zeigt – und wird gezeigt. Der Superbowl ist das meistgesehene Einzel-Sport-event der Welt. Beim German Bowl – dem deutschen Mini-Pendant – guckten 12 000 Menschen live im Stadion und im Schnitt 120 000 auf Eurosport. Geradezu niedlich.

„Die NFL investiert derzeit in ihre Marktentwicklung außerhalb von Amerika. Auch deshalb hat die deutsche Sendergruppe die Übertragungsrechte zu sehr vorteilhaften Konditionen bekommen“, sagt Huber. Eine TV-Berichterstattung der GFL würde pro Spiel mindestens Produktionskosten von 25 000 Euro verschlingen. „Da sind wir im Jahr bei einer Million. Das können wir nicht stemmen“, sagt Huber. Zum Vergleich, der Jahresetat der Monarchs lag im Vorjahr bei 350 000 Euro.

Weil kein TV-Sender sich freiwillig darum kümmert, sind derzeit alle GFL-Klubs verpflichtet, selbst produzierte Bilder – meist für das eigene Internetportal – in einen TV-Pool einzuspeisen, aus dem ein wöchentliches Highlight-Magazin gebastelt wird. „Es gibt in Deutschland nur vier Vereine, die Fernsehbilder so produzieren können, dass man nachher darauf stolz ist“, sagt Monarchs-Boss Sören Glöckner. „Und es gibt auch Klubs, da möchte man gar keine Fernsehbilder sehen“, betont er.

Also bringt der ganze Football-Hype vorm TV am Ende doch nichts? „Der Nutzen ist, dass sich mehr Jugendliche für Football interessieren und dann bei unseren Vereinen anfragen. Ich bekomme solches Feedback. Ob diese Entwicklung eine nachhaltige ist, muss man abwarten“, sagt Robert Huber. In Dresden lässt sich das noch nicht ergründen. „Aber wir sind im Nachwuchs ohnehin so gut aufgestellt, dass wir eher Trainer als neue Talente suchen“, betont Glöckner.

TV-Tipp: Sat 1 überträgt den Superbowl in der Nacht zum Montag ab 23.15 Uhr.