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Der Boom geht weiter

Seit Jahren gilt Wilsdruff als Vorbild, was die Wirtschaftsentwicklung betrifft. Was das bringt, was als Nächstes kommt.

© Andreas Weihs

Von Annett Heyse

Wilsdruff. Im Frühjahr dieses Jahres verpasste sich Wilsdruff einen neuen Slogan. Der besteht aus drei Worten und soll zusammenfassen, was man über Wilsdruff so wissen muss. „Wirtschaft-Wohnen-Wohlfühlen“ lautet das Motto. Dass der Begriff „Wirtschaft“ ganz vorn steht, war damals kein Zufall. Denn seit Jahren gilt die Stadt im Landkreis als ein Leuchtturm. Und immer, wenn einige dachten, das Ende der Fahnenstange sei erreicht, ging es trotzdem noch weiter. So auch jetzt: Wilsdruffs Wirtschaft wächst.

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Die Entwicklung: Immer mehr Firmen zieht es nach Wilsdruff

Ungewöhnlich viele Bauanträge sind in den vergangenen Wochen beim Landratsamt für das Gewerbegebiet Kesselsdorf eingegangen. So beabsichtigt der Paketdienst GLS den Neubau eines Verteilzentrums am Zschoner Ring. Das Depot mit Büroräumen und Sozialtrakt soll 2 200 Quadratmeter groß werden. 21 Beschäftigte werden hier arbeiten. Ein weiterer Bauantrag kommt vom Fachhändler Fahrrad XXL Emporon, der bundesweit 15 große Märkte betreibt. Die Dresdner wollen am Zschoner Ring eine Lager- und Montagehalle errichten. Sie soll 5 000 Quadratmeter groß werden.

Der Energieversorger Enso möchte sein Betriebsgelände am Zschoner Ring erweitern. Geplant ist eine neue 1 000 Quadratmeter große Halle für die Lagerung von Stückgut und den Betrieb einer Kabeltrommelanlage. Zudem soll die Freilagerfläche um 7 000 Quadratmeter vergrößert werden. Ein weiterer Antrag kommt von der HM3T GmbH. Diese plant am Wüsteberg ein Autohaus. Es soll zwei Ausstellungsbereiche, Tiefgarage, Werkstatt und Waschanlage haben. Und damit nicht genug: Im Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe wird gerade eine neue Produktionsstätte der B. Braun Melsungen AG hochgezogen. Der Konzern mit Stammsitz in Hessen stellt Blutwäschefilter her. Demnächst wird Richtfest für den ersten Bauabschnitt gefeiert. Auch im Mohorner Gewerbegebiet tut sich etwas. Dort will sich auf 6 500 Quadratmetern eine Kaffeerösterei ansiedeln.

Die Gründe: Gute Verkehrsanbindung und schnelle Verwaltung

Dass es Handwerk, Handel, Industrie so sehr nach Wilsdruff zieht, hat Gründe. Vor allem ist es die Lage der Stadt. So gibt es mit den Autobahnen A 4 und A 17 gleich zwei Anbindungen an den internationalen Fernverkehr. Und mit der Bundesstraße B 173, die bis nach Kesselsdorf vierspurig ausgebaut ist, existiert ein guter Zubringer in die Landeshauptstadt. Für einige Unternehmen ist zudem die Anbindung an den Flugplatz wichtig – über die A 4 in 15 Minuten zu erreichen. Zudem gilt Wilsdruff als wirtschaftsfreundliche Stadt. Immer wieder haben Unternehmer bei Spatenstichen, Richtfesten und Betriebseröffnungen betont, wie schnell und flexibel die Stadtverwaltung auf Wünsche und Anliegen reagiere. Sie lobten die kurzen Bearbeitungszeiten und die schnellen Entscheidungen.

Die Effekte: Viele Arbeitsplätze und wachsende Steuereinnahmen

Jedes neuangesiedelte Unternehmen generiert weitere Arbeit in die Region. So werden viele Firmen mit Serviceleistungen gebunden – vom alteingesessenen Handwerksbetrieb übers Reinigungspersonal bis hin zum Wachschutz. Seit 2005 ist so die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs in Wilsdruff um 1 300 gestiegen und liegt jetzt bei mehr als 6 200 Arbeitsplätzen insgesamt. Das wirkt sich positiv auf die Steuereinnahmen aus. Allein die Gewerbesteuereinnahmen betrugen im vergangenen Jahr 7,2 Millionen Euro. 2005 lagen diese bei 2,5 Millionen Euro. Und es sind nicht irgendwelche Jobs, die hier entstanden sind, sondern gut bezahlte Arbeitsplätze. Das zeigt die Entwicklung der Kaufkraft. Sie liegt laut einer Studie der Industrie- und Handelskammer bei 5 881 Euro pro Einwohner im Jahr. Das sind 200 Euro mehr als im sächsischen Durchschnitt.

Die Entwicklung: Zuzug junger Familien und viel Wohnungsbau

Die Familien folgen den Arbeitsplätzen, die Einwohnerzahl wächst. 2005 wohnten in Wilsdruff 13 760 Männer, Frauen und Kinder. Ende 2014 waren es 14 150 Einwohner – für eine Kleinstadt eine beachtliche Steigerung. Noch vor dem Zuzug kommt der Wohnungsbau. So sind bereits die ersten Häuser in einem Wohnbaugebiet in Grumbach bezogen – insgesamt passen hier 31 Einfamilienhäuser hin. In Kesselsdorf werden derzeit gleich zwei Baulücken mit Eigenheimen geschlossen, an der Poststraße und am Kappelsberg. Ebenfalls in Kesselsdorf soll zudem die Wiese zwischen der Oscar-Fichtner-Straße und der Straße Zum Sportplatz bebaut werden. Es geht um 25 Grundstücke für Einfamilien- und Doppelhäuser sowie Mehrfamilienhäuser. Neben Privatleuten, die Eigenheime errichten, investieren auch Baugesellschaften in größere Wohnanlagen. So ist ein Neubauprojekt in Herzogswalde mit 32 Wohneinheiten geplant. Am Gezinge in Wilsdruff wurde gerade ein Mehrfamilienhaus mit 15 Mieteinheiten gebaut. 2010 gab es in Wilsdruff und Ortsteilen 2 929 Wohngebäude, Ende 2015 waren es schon 3 388.

Die Zukunft: Potenzial an geplanter Umgehungsstraße

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