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Der Brückenbauer steht vor seiner größten Aufgabe

Drei Tage lang besucht Konrad Zdarsa aus Görlitz seine neue Bischofsstadt Augsburg.

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Von Gabriel Wandt

Ein ergebener Kirchenmann folgt dem Ruf seines Herrn und nimmt seine neue Arbeitsstätte in Augenschein. Erschrocken sei er gewesen über den Ruf nach Augsburg, hatte Konrad Zdarsa zugegeben. Der Schreck dieses 8. Juli 2010 wird sich gelegt haben, und Zdarsa hat in den zurückliegenden Wochen wohl vor allem eines getan: Er hat Fragen gestellt, sehr genau hingehört und sich einen Eindruck verschafft von dem, was ihn erwartet. Vom kleinen Görlitzer Bistum mit weniger als 30000Katholiken nach Augsburg mit 1,3Millionen Gläubigen – die Umstellung wird gewaltig sein für den 66-Jährigen.

Auch die Christen im Augsburger Bistum werden sich umstellen müssen. Zdarsa wird Walter Mixa nicht in seiner lauten, polarisierenden Art nachfolgen. Nichts liegt ihm ferner. Zdarsa ist ein Mann der leisen Töne. Beobachtend, abwartend, auf der Suche nach dem Wesentlichen. Er schaue sich den Lauf der Dinge gern erst einmal an, bevor er eingreife, sagt er.

Überhaupt ist Eingreifen seine Sache nicht. Er möchte bewahren, festhalten. Das haben die Katholiken in Görlitz erfahren, die engagierten Laien, die auf mehr Offenheit in der Kirche hofften, die etwas voranbringen wollten. Mehr als 1000Gläubige waren 2007 in die Kathedrale zu seiner Weihe gekommen. Bei der diesjährigen Fronleichnamsprozession in Görlitz zeigte sich, dass Zdarsas Bemühen um die deutsch-polnische Verständigung Früchte trägt. In den Gemeinden zwischen Görlitz und Cottbus spürte man indes wenig von neuen Impulsen.

Auf dem Augsburger Domplatz hat Konrad Zdarsa viele Hände geschüttelt, von vielen Menschen, die ihn kennenlernen wollten – wie einst in Görlitz. Sammeln und trösten wollte er damals. Das wird auch in Augsburg nötig sein, nach all den Diskussionen um Walter Mixa.

Dass Zdarsa sich in seinem neuen Amt treu bleiben wird, dafür sprechen die Worte, die er am Montag in Augsburg an die Menschen gerichtet hat: Es komme darauf an, einander zu dienen, sagte er, und: Jeder solle prüfen, ob er nicht nur sich selbst herausstellen wolle. Es passt also ins Bild, dass der Bischof keine klaren Antworten gibt, wenn es darum geht, was er in Augsburg ändern will. Solche Fragen seien zu konkret, sagt er dann.

Dass Zdarsa Brücken bauen kann, hat er in Görlitz mit seinem Blick nach Polen gezeigt. Gestern sagte er in Augsburg, er wolle die Ökumene vorantreiben. Eine weitere Brücke wird er im als zerstritten geltenden Bistum Augsburg selbst bauen müssen. Das wird Zdarsas größte Herausforderung.