merken

Der Dauer-Dorfbibliothekar

Erich Wolf betreut seit mehr als 55 Jahren den Wülknitzer Bücherfundus. Mit diesem hat er eine Odyssee erlebt.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Das perfekte Fahrgefühl: der City-SUV

Nicht nur das kompakte Design ist beeindruckend, sondern auch die Ausstattung: Am besten gleich eine Probefahrt mit dem neuen T-Cross von Volkswagen buchen.

Wülknitz. Reichlich 60 Jahre ist das Kinderbuch „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler alt. Und fast annähernd so lange betreut Erich Wolf inzwischen die Wülknitzer Bibliothek. Mit seinen Romanen, Sach- und Fachbüchern musste der Wülknitzer kürzlich umziehen. Was für sich genommen wenig außergewöhnlich klingt. Wäre es nicht der siebte Umzug, seit Erich Wolf die Dorfbibliothek leitet.

Eigentlich hatte sich der Rentner schon beim sechsten Umzug vor sechs Jahren geschworen, dass es das letzte Mal sein würde. Aber es kam anders, weil die Gemeinde ein neues Sportlerheim baut und dafür das Gebäude weichen musste, in dem sich die Bibliothek zuletzt befunden hatte.

Ein Aus der Bibo habe zur Debatte gestanden, sagt Erich Wolf. „Aber dann gibt es ja im Dorf gar nichts mehr.“ Und das wollte der einstige Chef des Wülknitzer Dorfclubs auch nicht. Schließlich kennt der ehemalige Gröditzer Stahlwerker noch ganz andere Zeiten. Als Kulturverantwortlicher hatte er zu DDR-Zeiten Tanzveranstaltungen und Dorffeste organisiert, erzählt Erich Wolf. „Da war viel los.“

Die Dorfbibo hat der gelernte Bauschloser schon damals betreut. Weil die vorherige Verantwortliche keine Lust mehr hatte, übernahm der frisch Zugezogene Anfang der 1960er den seinerzeit gerade mal zwei Regale großen Bücherfundus. Der befand sich damals in der Sparkasse, der heutigen Wülknitzer Feuerwehr. Immer wieder mussten die Bücher im Laufe der Jahre umsiedeln. Nicht jeder Standort war dabei so komfortabel wie das jetzige Zimmer im Rathaus, für das die Gemeinde extra neue Ikea-Regale beschafft hat. Im Raum an der Viehannahmestelle ging es primitiv zu. „Ohne Heizung und alles.“ Sogar unterirdisch wurde es, als die Bibo einige Jahre in einen Keller kam. Als ihn die Gemeinde dann in die erste Etage der damals noch existierenden Schule umsiedeln wollte, bestand Erich Wolf auf ein Erdgeschoss-Zimmer. Damit es die Rentner leichter haben.

Gerade die Älteren sind es, die zum Bücher ausleihen kommen. Um die 35, 40 regelmäßige Nutzer zählt die Bibo. Der Jüngste sei um die Vierzig, sagt Erich Wolf. Die Leute wohnen in den Wülknitzer Ortsteilen, aber auch aus Neudorf sei jemand dabei: Die Frau eines Bekannten hat Erich Wolf als Stammnutzerin gewinnen können. Und es gebe auch eine Handvoll Kinder, die hin und wieder vorbeikommen und zum Beispiel Was-ist-Was-Sachbücher brauchen. Bei den Erwachsenen kommen derweil Romane gut an – von Bestseller-Autor wie Danielle Steel bis Iny Lorentz. Thriller und Krimis hingegen mögen seine Nutzer gar nicht, sagt Erich Wolf.

Beratung mit Haustür-Service

Die Leservorlieben kennt er gut – vor allem aus Gesprächen. Denn Bibliothek, das sei mehr als Bücher zu verleihen. Leser beraten, ihnen Empfehlungen geben. Aber natürlich auch einen Schwatz über Dinge abseits der Literatur machen. Das wird geschätzt, ist sich Erich Wolf sicher. Genauso wie sein persönlicher Service. Denn wenn gewünscht, bringt er seinen Lesern auch mal ein Buch daheim vorbei. Den Leihstatus vermerkt Wolf liebevoll altmodisch auf Karteikarten. Ob kleine Dorfbibliotheken wie in Wülknitz in Zeiten neuer Angebote wie E-Books, Hörbüchern oder Fernleihen eine Zukunft haben können? Erich Wolf glaubt daran. Das Erlebnis einer Bibliothek mit gefüllten Bücherregalen sei kaum zu ersetzen.

Dass er inzwischen mehr als 55 Jahre zur Stange hält und immer dienstags von 14 und 17 Uhr in der Bibliothek anzutreffen ist, dafür hat die Gemeinde ihren Bibliothekar kürzlich ausgezeichnet. Erich Wolf freut das. Er gibt das Lob zurück, dankt der Gemeinde für die Unterstützung. Eine Motivation, weiterzumachen, hat Wolf allerdings nicht gebraucht. „Ich freue mich jede Woche auf meinen Dienst.“

Auch wenn Erich Wolf gern noch das 60-Jährige als Bibliotheksleiter mit seinen Lesern feiern will: Ausschau nach einem Nachfolger hat der Rentner schon mal gehalten. „Ich gehe ja auf die 80.“ Es gebe auch jemanden, der es machen könnte. Vorerst will Erich Wolf seine Bibliothek aber noch selbst betreuen. Nur eins schließt er kategorisch aus: einen achten Umzug.