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Der Dopingfall Poté

Nach Dynamos Niederlage in Aue ist der Stürmer positiv getestet worden. Der Verband ermittelt, eine Sperre droht.

© Robert Michael

Von Tino Meyer, Fügen

Er hat sein Titelbild geändert. Seit Montag grüßt Mickael Poté grinsend von seiner Facebook-Seite – und 263 Fans gefällt das. Die Nachricht, dass der bisherige Stürmer von Dynamo Dresden nun in Zypern beim Erstligisten Omonia Nikosia unter Vertrag steht, hat sogar fast 400 sogenannte Likes. Er sei sehr glücklich, dass die Sache endlich offiziell ist, richtet Poté noch aus. Ob er dort aber überhaupt spielen darf, wird dagegen nicht öffentlich verhandelt. Bekannt geworden ist die wenig erfreuliche Meldung eines positiven Tests.

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Weil Poté in der abgelaufenen Saison des Dopings überführt worden ist, ermittelt derzeit der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegen den 29-Jährigen. Das bestätigte der Verband gestern auf SZ-Nachfrage.

Nach Informationen dieser Zeitung ist Poté im Anschluss an das Ostduell bei Erzgebirge Aue am 17. April, das Dynamo mit 0:2 verloren hatte, positiv getestet worden. Er soll ein Asthmaspray verwendet und dieses auch vorschriftsmäßig angezeigt haben. Doch dann hielt sich der Angreifer offenbar nicht an die ihm von Dynamo-Arzt Tino Lorenz vorgegebene Dosierung, was zum deutlichen Überschreiten des Cortison-Grenzwertes geführt hat. Auch die B-Probe ist inzwischen geöffnet worden – mit demselben Ergebnis.

Zu Konsequenzen hat der Dopingfall Poté bislang jedoch nicht geführt, weder für den Spieler noch für Dynamo Dresden. „Ich glaube auch nicht, dass es für uns eine Strafe gibt. Wir sind unseren Pflichten nachgekommen, sowohl was die medizinische Aufklärung betrifft als auch danach“, sagte Dynamos Sportvorstand Ralf Minge gestern im Trainingslager in Fügen. Zu weiteren Details werde sich der Verein deshalb auch nicht äußern.

Poté ist für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen, auch nicht für die Ermittler des Verbandes. „Der Spieler befand sich zum Zeitpunkt der Übermittlung des Ergebnisses nicht mehr in Deutschland und konnte aus diesem Grund bisher vom DFB-Kontrollausschuss nicht angehört werden“, heißt es in einer Verbandsmitteilung. In Kürze soll sich der Franzose mit afrikanischer Herkunft nun zu dem Vorfall äußern, „um die Frage zu klären, ob nach einem positiven Dopingbefund überhaupt ein Dopingverstoß aufgrund des Analyseergebnisses vorliegt“.

Die Deutungshoheit liegt dabei ganz allein beim DFB – und nicht etwa bei der nationalen Anti-Doping-Agentur Nada. „Im Fußball ist es so, dass wir alle Trainingskontrollen, also alle Kontrollen außerhalb eines Wettkampfes übernehmen. Das heißt zu Hause oder im Training“, erklärt Nada-Sprecherin Eva Bunthoff. Für Tests während und nach Spielen, sogenannte Wettkampfkontrollen, ist jedoch der DFB zuständig, genauso wie für den Umgang mit positiven Ergebnissen und daraus resultierenden Sanktionen.

Das Strafmaß reicht von einer Verwarnung über eine Geldstrafe bis zu einer einjährigen Sperre – in vermeintlich leichten Fällen. Bei vorsätzlichem Doping beträgt die Maximalstrafe zwei Jahre. Ein Anhaltspunkt im Fall Poté könnte die Sperre für den Saarbrücker Spieler Francois Marque sein. Der war am 20. Februar dieses Jahres für sechs Drittliga-Partien ausgeschlossen worden, nachdem er am 30. November 2013 positiv getestet worden ist. Marque hatte ein Medikament eingenommen, das nicht zu den klassischen Wirkstoffen für die Steigerung von Kraft- und Ausdauerleistung gehört.

Laut DFB sind im deutschen Fußball seit 1988 über 20.000 Dopingkontrollen durchgeführt worden, davon 2.300 in der vergangenen Saison. Als positive Proben, und dazu zählen nach den Dopingbestimmungen auch vermeintliche Unaufmerksamkeiten im Umgang mit Medikamenten und deren Nebenwirkungen, sind 22 registriert. Poté geht demnach als Nummer 23 in die Verbandsstatistik ein.

Fraglich bleibt, was jetzt passieren würde, wenn Dynamo den Klassenerhalt geschafft hätte. Nach der Partie in Aue kam Poté schließlich bei den folgenden Niederlagen gegen Karlsruhe und Kaiserslautern zum Einsatz. Am letzten Spieltag erzielte er dann gegen Bielefeld das 1:2 und bereitete das 2:2 vor, was zur Teilnahme an der Relegation gereicht hätte. Doch wenig später traf Bielefeld zum 3:2, besiegelte Dynamos Abstieg in die 3. Liga und damit auch das Ende von Potés Zeit in Dresden – die überaus erfolgreich begann, sich aber schnell ins Gegenteil kehrte.

Wie auch immer der Kontrollausschuss und daran anschließend das DFB-Sportgericht entscheiden, das Dopingvergehen ist für Poté der vorerst traurig-tragische Höhepunkt einer tiefen Krise. Nach langer Verletzungspause hat er in der vergangenen Saison die sportlichen Erwartungen selten erfüllen können. Dazu kommen private Sorgen. Erst wird ihm sein Luxus-Auto vor der Haustür gestohlen, dann zieht er aus finanziellen Gründen in eine kleinere Wohnung und seine Familie wieder zurück nach Frankreich. Es heißt, seine Frau sei nicht heimisch geworden in Dresden.

Der Wechsel nach Zypern soll ein Neuanfang sein. Wann der nun richtig beginnen kann, teilt der DFB mit – und Poté sicher irgendwann auf Facebook.

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