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Der Dreck ist weniger geworden

Ansonsten hat sich gar nicht so viel verändert, wie es beim Zerspanungsmechaniker auf den ersten Blick scheint.

Die Arbeit an einer Drehmaschine fordert technisches Verständnis.
Die Arbeit an einer Drehmaschine fordert technisches Verständnis. © Foto: Herbrig & Co. GmbH

Die metallverarbeitenden Betriebe in der Region klagen über einen Mangel an Nachwuchs. Dabei bietet die Branche ein modernes Arbeitsumfeld, gute Gehälter und einen sicheren Arbeitsplatz in der Heimat. „Trotzdem haben wir ein Imageproblem“, sagt Christoph Herbrig. Er ist Vorstandsvorsitzender des Interessenverbandes Metall- und Präzisionstechnik Osterzgebirge e.V. und Geschäftsführer der Herbrig & Co. GmbH mit Sitz in Altenberg. Woran genau das liegt, kann der 36-Jährige nur vermuten. „Viele verbinden den Beruf immer noch mit sehr viel Schmutz und ohrenbetäubendem Lärm., Doch beides ist deutlich weniger geworden“, sagt Herbrig.

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CNC-Technik gehört dazu

Früher wurden die Jugendlichen als Dreher, Fräser oder Schleifer ausgebildet, heute werden diese Berufsbilder unter dem Begriff Zerspanungsmechaniker zusammengefasst, mit Spezialisierung für Drehsysteme, Frässysteme oder Schleiftechnik. Die Anforderungen an die Auszubildenden haben sich kaum verändert. Nach wie vor ist eine gute räumliche Vorstellungskraft nötig, und es müssen mathematisch-physikalische Grundlagen beherrscht werden. Für die Arbeit an den CNC-Maschinen sind zudem Computerkenntnisse wichtig. „Diese sind bei den Jugendlichen in der Regel vorhanden“, so Herbrig. CNC steht für „Computerized Numerical Control“ – rechnergestützte numerische Steuerung. Zu DDR-Zeiten wurden Serienteile auf kurvengesteuerten Automaten gefertigt. Erst einige Zeit nach der Wende lösten die CNC-Maschinen die Kurvenautomaten nach und nach ab. Bei der Herbrig & Co. GmbH beispielsweise wurde die erste CNC-Maschine 1995 angeschafft. „Das war damals eine große Umstellung, aber auch spannende Herausforderung für unsere Mitarbeiter“, erinnert sich Christoph Herbrig. Die Werkzeugbewegung, die sonst mithilfe von Kurven- und Nockenscheiben durchgeführt wurde, musste nun über Koordinaten programmiert werden. Mittlerweile dominiert die CNC-Technik den Alltag beim Anfertigen von Serien-Drehteilen.

Abwechslungsreiche Tätigkeit

Die duale Ausbildung zum/zur Zerspanungsmechaniker/in dauert dreieinhalb Jahre. Gearbeitet wird in der Regel in einem Drei-Schicht-System. Neben den theoretischen Grundlagen gehört die Arbeit an den CNC-Maschinen dazu. Wer dabei an eintöniges Knöpfedrücken denkt, liegt falsch. Allein bei der Herbrig & Co. GmbH verlassen jährlich mehr als 100 Millionen komplexe Drehteile das Werk für Projekte in der ganzen Welt. Die Teile haben einen Durchmesser von 0,5 bis 42 Millimeter und nahezu wöchentlich werden die Maschinen auf unterschiedlichste Teile umprogrammiert. „Viele Maschinenhersteller unterstützen mittlerweile den Programmierer durch vorgefertigte Bausteine“, erläutert Herbrig. Die Programmiersoftware übernimmt im Hintergrund die komplexeren Berechnungen: Welche Achse muss mit welchem Befehl wann gesteuert werden, damit Werkzeug und Werkstück zusammenkommen? Technisches Verständnis bleibt dafür aber unerlässlich. Ziel der computergestützten Arbeit ist es, mögliche Programmierfehler durch Simulation der Maschine am PC zu vermeiden „Dadurch können Werkzeugcrashs vermieden und Laufzeiten der Werkstücke optimiert werden. Umso günstiger wird die Produktion.“ Im besten Fall kann die CNC-Maschine sogar so weit mit der EDV gekoppelt werden, dass alle Prozesse in Echtzeit abgefragt werden können. „Die Maschine zeigt dann beispielsweise an, wie viel Stück eines Auftrages schon gefertigt wurden und welches Werkzeug ausgetauscht werden muss“, erläutert Christoph Herbrig. Auch die Qualitätsmessung kann so über den Computer gesteuert werden.

Verantwortung und Zuverlässigkeit

Handwerkliches Fingerspitzengefühl, das beispielsweise früher beim feinmechanischen Endjustieren der Maschine unerlässlich war, tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Dennoch muss der Zerspanungsmechaniker nach wie vor sehr zuverlässig und exakt vorgehen. „Denn wer an solch einer CNC-Maschine arbeitet, hat schnell mal die Verantwortung für 200 000 bis 400 000 Euro“, erläutert Christoph Herbrig. So viel kosten die hochmodernen Apparate.

Zukunft in der Heimat

Gerade für junge Leute, die in der Region bleiben möchten, ist der Beruf des Zerspanungsmechanikers zukunftssicher. „Während sich vor einigen Jahren noch 20 Bewerber um eine Stelle rissen, ist das Verhältnis heute nahezu umgedreht“, berichtet Christoph Herbrig. Dabei können angehende Zerspanungsmechaniker mit einem ordentlichen Lehrlingsgehalt planen. „Die Firmen in der Region zahlen alle nach Tarif oder zumindest nah dran.“ Auch die Übernahme-Chancen stehen sehr gut. Als Zerspanungsmechaniker stehen einem zudem vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten offen. „Wenn jemand motiviert ist und das nötige Interesse mitbringt, lohnt es sich immer, seine Talente bei einem Praktikum oder Ferienjob auszuloten“, rät Christoph Herbrig. Gute Noten seien dabei eher zweitrangig.

Von Silke Rödel