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Der einfache Weg zum Job

Firmen und Behörden geben bei der Jobbörse im Großenhainer Rathaus ihre Angebote preis. Davon gibt es so viele wie lange nicht.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Thomas Riemer

Großenhain. Samstagvormittag, die Sonne lacht, knapp 20 Grad, und da gehen die Großenhainer – zur Jobbörse ins Rathaus? „Wir freuen uns, dass dieses Angebot so gut angenommen wird“, sagt Berit Kasten. Sie ist Sprecherin der Riesaer Arbeitsagentur, die wie auch das Jobcenter, die Stadt Großenhain oder der Landkreis an diesem Tag keine Mühe gescheut haben, um potenziellen Arbeitssuchenden im weitläufigsten Sinne Angebote zu unterbreiten. Davon gibt es in Großenhain und Umgebung zurzeit so viele wie lange nicht. Denn: „Der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt“, sagt Berit Kasten. Der Mangel an Fachkräften macht den Unternehmen zu schaffen. Viele ältere Arbeitnehmer gegen in den Ruhestand, viele Jüngere dagegen hat es in der Vergangenheit aus unterschiedlichen Gründen in die Ferne gezogen. Sie mit einem lukrativen „Gesamtpaket“ zur Rückkehr zu animieren – das ist ein Anspruch dieser Jobbörse.

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Spitzenforschung und Lehre auf hohem Niveau gibt es auch außerhalb von Großstädten und Ballungszentrum: nämlich an der Hochschule Zittau/Görlitz.

Jana Focke und Stefan Lesch, hier mit Sohn Teo, schauen sich die Jobangebote an.
Jana Focke und Stefan Lesch, hier mit Sohn Teo, schauen sich die Jobangebote an. © Klaus-Dieter Brühl

Die Chance für Pendler

Jana Focke und Stefan Lesch sind zuversichtlich, in der großen Offerte freier Stellen der Arbeitsagentur fündig zu werden. Die junge Mutter ist zurzeit als Rechtsanwaltsgehilfin in Dresden beschäftigt, pendelt täglich zwischen Großenhain und der Landeshauptstadt. Stefan Lesch wiederum ist als Selbstständiger permanent auf Achse. „Unser Sohn Teo ist früh der Erste und nachmittags der Letzte in der Kita“, beschreibt Jana Focke das Dilemma. Da sei die Jobbörse vielleicht die Chance, einen 30-Stunden-Bürojob in Großenhain zu finden, hofft sie. Aufmerksam studiert das junge Paar die Angebote, zupfen die kleinen Zettelchen von der Pinnwand, während der 15 Monate alte Teo noch etwas kritisch auf dem Arm der Mama sitzt.

Auch am Stand von Bianca Strang vom Zeitarbeitsvermittler Randstad schaut die Familie vorbei. „Zeitarbeit ist ein Weg, wieder ins Arbeitsleben zurückzukehren“, sagt Bianca Strang. Auch sie ist mit vielen Angeboten in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen, freut sich über das große Interesse und die Tatsache, dass viele der Besucher mit recht konkreten Vorstellungen bei ihr nachfragen. Ihr Eindruck: „Es gibt zunehmend Rückkehrer, die sich ,zu Hause‘ einen Neuanfang suchen.“

Mit übertriebenen Erwartungen sind die Arbeitgeber freilich nicht zur Jobbörse gekommen. Gerade in Pflegeberufen ist es „ein sehr mühsames Geschäft“, bestätigt die Geschäftsführerin vom Deutschen Roten Kreuz in Großenhain, Mandy Reuschel. Immerhin drei sehr konkrete Nachfragen hat sie in der ersten Börsenstunde registriert. Wenn davon nur eine in ein Arbeitsverhältnis münden würde, wäre man beim DRK schon sehr froh. Denn: Man könnte im Pflegebereich sofort vier Fach- sowie vier Hilfskräfte und vor allem Auszubildende gebrauchen. Doch Nachwuchs sei nicht nur aus demografischen Gründen schwer zu finden. Denn: „Pflege ist eine Berufung“, sagt Mandy Reuschel.

Auch Annekathrin Aurich von der Berufsberatung im Jobcenter des Landkreises freut sich über die vielen Besucher. Die bewusste Terminauswahl zahle sich aus. Die aktuelle Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt der Region lasse viele Möglichkeiten für Arbeitnehmer offen. Und durch die Osterferien könne man mit der Jobbörse Personengruppen ansprechen, die gerade Urlaub in der alten Heimat machen und sich möglicherweise mit Rückkehrgedanken tragen. Zusätzlich habe das Jobcenter im Vorfeld der Veranstaltung rund 200 Klienten gezielt eingeladen, um ihnen die Offerten, die vor allem Großenhain und das Umfeld betreffen, vorzustellen.

Weg von Hartz IV

Viele von ihnen sind auch gekommen – zum Beispiel Jörg B., der nicht mit vollem Namen in der Zeitung erwähnt werden möchte. Er will den Weg vom Hartz-IV-Empfänger zur Vollbeschäftigung finden und sich als Hilfskraft in der Baubranche versuchen. Aber wie geht das? Bei Frank Becher vom Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit ist er da genau richtig. Er bietet einen Bewerbungsmappen-Check an und vermittelt Tipps, wie man sich darin in einem Unternehmen bestmöglich präsentiert. Jährlich werden die Richtlinien für eine richtige Bewerbung überarbeitet – und Frank Becher kennt sich bestens aus. Zum Beispiel, dass es mittlerweile kein Extra-Deckblatt mehr gibt, dass ein Lebenslauf nicht jede klitzekleine Begebenheit beinhalten muss, dass eine Bewerbung auch online als PDF-Datei verschickt werden kann. Und dass ein Bewerbungsfoto zwar kein Muss ist, er aber allen Bewerbern zu einem aussagekräftigen Konterfei rät. „Denn ein Bild ist immer der erste Eindruck, den der Mensch vermittelt“, so Frank Becher.