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Der Erfinder des Berlin-Marathons wird 80 Jahre

Horst Milde hat Laufen zum Volkssport gemacht mit immer wieder neuen Ideen und Aktivitäten. Eine Würdigung.

© Gesine Milde

Von Wilfried Raatz *

Es war eine eindrucksvolle Zeremonie am Abschlusstag der Leichtathletik-EM auf dem Berliner Breitscheidplatz – und eine große Ehre für Horst Milde. Der Erfinder des Berlin-Marathons durfte die Medaillen für die Erstplatzierten des Laufklassikers überreichen. Dabei hat er für sein Lebenswerk selbst eine Auszeichnung verdient.

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An diesem Mittwoch feiert Milde seinen 80. Geburtstag. Wie kein anderer steht der gebürtige Berliner für die Entwicklung der Laufbewegung in seiner Heimatstadt, aber auch in Deutschland. Als Student hob er 1964 den Berliner Cross-Country-Lauf aus der Taufe – und lud dazu erstmals auch Vereinslose ein. Zehn Jahre später organisierte er die Premiere des Berlin-Marathons mit insgesamt 286 Teilnehmern. 244 kamen ins Ziel in einem Wald nahe der Avus. „Uns fehlte natürlich die Erfahrung, aber unsere Helfer waren euphorisch. Es gab zwei Wasserstellen mit Salztabletten und im Ziel heiße Brühe“, erinnert sich Milde. Er betont: „Und es stand in der Ausschreibung: Ohne Training kein Marathon!“ Früher wie heute ist das ein wichtiges Credo für den einstigen Mittelstreckler und späteren Organisator.

Trotz der eigenen sportlichen Ambitionen (800-m-Bestzeit 1:49,8 Minuten) und der Tätigkeit in der Familienbäckerei, die seit 1903 in Tempelhof besteht, entwickelte sich der gelernte Konditormeister und diplomierte Kaufmann zu einem exzellenten ehrenamtlichen Organisator.

Milde wurde bekannt als „Der Mann, der Berlin das Laufen beibrachte“. Er führte als Erster in Europa die Chip-Zeitmessung beim Berlin-Marathon ein, die sogenannte „Blaue Linie“ – also die Ideallinie auf der 42,195-km-Strecke – erlebte 1990 ihre Premiere, Rollstuhlfahrer konnten 1981 zum ersten Mal an einem Marathon teilnehmen, 1997 dann Inline-Skater. Milde sprüht stets vor Ideen, und er schuf Elemente für ein Rahmenprogramm, die längst Standard moderner Laufveranstaltungen sind: Überkonfessionelle Gottesdienste, Marathonmesse, Frühstückslauf, Kinder-Malwettbewerbe, Mini-Marathon der Schulen, Bambiniläufe für Kinder, Massage und Duschen am Ziel, Notfallrettungssysteme mit Defibrillatoren an der Strecke und Ärzte-Symposien sind nur einige Beispiele.

Als besonderen Wesenszug bezeichnen Weggefährten seine Fähigkeit, Weitsicht und Visionen zu haben und so viele Entwicklungen gefördert und vorangetrieben zu haben. Hinzu kam die Fähigkeit, zuerst die Familie, dann Freunde, Bekannte und Läufer in seinem Verein so lange „zu bequatschen“, bis sie bei geplanten Veranstaltungen als Helfer mitgemacht haben. Legendär wie überzeugend ist seine Art, bei Bürgermeistern, Polizei, Genehmigungsbehörden und vor 1990 bei den damaligen Alliierten in Berlin „anzuklopfen“ und dabei jeweils als Partner im Interesse des Sports anerkannt zu werden – nicht als Gegner.

Der Aufstieg des Berlin-Marathons gelang 1981 mit dem Umzug in die Innenstadt mit Start am Reichstag und letztlich 2004 an das Brandenburger Tor. „An diese Entwicklung habe ich nie im Traum gedacht. Wir haben alles im Gegensatz zu heute ehrenamtlich gemacht und immer mit großen Augen nach New York City geschaut“, sagt Milde. Inzwischen ist Berlin mit über 40 000 Teilnehmern und elf erzielten Weltrekorden so etwas wie der Marktführer der Marathon-Rennen.

Unter Mildes Regie wurden 340 Veranstaltungen mit mehr als 1,3 Millionen Läufern durchgeführt. „Wir haben es in der Tat geschafft, mit diesen Lauf-Ideen die Bevölkerung aufzurütteln, damit diese vor allem an ihre eigene Gesundheit denkt. Es ist uns gelungen, Jugendliche und Behinderte, Wettbewerbe für Rollstuhlfahrer und Handbiker und Walkingwettbewerbe zu integrieren“, sagt Milde, der verheiratet ist, drei Kinder und fünf Enkel hat. Sein Sohn Mark setzt als Race Director des Berlin-Marathons die Familientradition fort.

Es ist unnütz zu sagen, dass sich Milde fit hält durch regelmäßige Läufe am Morgen. Schließlich muss man auch im Alter läuferisches Vorbild sein.

* Wilfried Raatz ist Vorstandsmitglied bei German Road Races, der Vereinigung deutscher Laufveranstalter.