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Der etwas andere Dorfplatz

Die Friedrichstadt verändert sich, Brachen verschwinden, Freiflächen auch. Damit sich die Anwohner dennoch treffen, gibt es einen neuen Laden.

© René Meinig

Von Annechristin Bonß

Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

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Diesen Spruch kann Gero Hoffmann irgendwie nicht mehr hören. „Willst du dein Leben genießen, zieh nach Striesen. Hast Du dein Leben satt, zieh in die Friedrichstadt“, sagt der Sozialarbeiter. Das haben die Menschen früher oft gesagt. Und manchmal sagen sie es heute noch. Denn in kaum einem anderen Viertel der Stadt sind die Gegensätze auf solch kleinem Gebiet so groß.

Arm und Reich, Alt und Jung wohnen Tür an Tür. Viele kleine Händler haben aufgegeben. Die Konkurrenz der großen Einkaufstempel in der Innenstadt war zu groß. Eine Drogerie fehlt, genau wie ein Fleischer. Nur wenige Bäckerläden gibt es. Die Stadtteilkultur hat es schwer im Schatten der Hochkultur im nahen Kraftwerk Mitte.

Doch langsam verändert sich die Friedrichstadt. Der Spruch von damals scheint zu verblassen. Die großen Brachen verschwinden langsam. Neue Häuser werden gebaut und Straßenzüge schön gestaltet. Mit einem Sanierungsprogramm investiert die Stadt in die öffentlichen Flächen. Künstler haben sich angesiedelt. Die Mieten steigen. „Doch nun fehlen Spiel- und Freiflächen“, sagt Gero Hoffmann. Seit 24 Jahren gehört er zur Mobilen Arbeit in dem Stadtteil. Er kennt die Menschen, weiß, was die Jugendlichen beschäftigt, kennt die Probleme, die den Stadtteil belasten. „Es fehlt ein Ort, wo Anwohner zusammenkommen“, sagt er. Einen alten Dorfplatz gab es in der Friedrichstadt nie. Ein zentraler Platz ist kaum auszumachen. Deshalb gibt es jetzt den Stadtteiltreff „Eckladen“.

Im Gebäude auf der Wachsbleichstraße 65 hat der Träger Outlaw Räume angemietet. Das Geld dafür kommt von der Europäischen Union, vom Land und der Stadt. Hier sollen nun Chorproben, Ausstellungen oder Lesungen stattfinden. Auch Vereine können sich hier treffen. Gesprächsrunden und Musikabende wären ebenfalls denkbar. Die Friedrichstädter sollen entscheiden. „Wir freuen uns über viele Ideen“, sagt er. Der Treff soll ein Ort zum Kennenlernen, Austauschen und für Engagement sein. Dabei wollen auch die beiden Sozialarbeiter vom Projekt „Demokratietraining“ helfen, die im Treff ihr Büro haben. Sie planen von hier aus ihre Einsätze, die sie auch in die Friedrichstadt führen.

Feste Öffnungszeiten für den Treff gibt es noch nicht. Zwei Mal pro Woche wollen die Sozialarbeiter vor Ort sein. Interessenten können sich auch per Mail melden.

Kontakt unter [email protected]