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Der etwas andere Sommernachtstraum

Schüler der Oberschule Malschwitz spielen am Dienstag in Bautzen Theater. Bei den Proben haben nicht nur sie viel Spaß.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Bautzen / Malschwitz. Wenn Puck sein großes Zauberbuch vor sich herschiebt oder auch sich dahinter versteckt, dann übt der „Koboldanfänger unterer Stufe“ gerade wieder einen Zauberspruch. Dass das nicht immer gut ausgeht, erfahren die Besucher am Dienstag im großen Saal des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters. Da führen nämlich Schüler der Oberschule Malschwitz den „Sommernachtstraum“ nach William Shakespeare auf.

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Gelangweilt hinter der Queen und dem König schreiten sollen Demetrius und Helena. Doch das fällt Paula Kittel und Franz Kluge nicht so leicht. Auch die anderen müssen sich das Lachen verkneifen. © Uwe Soeder

Zwei Waldgeister schleichen hinter Puck her. Vom Bühnenrand des großen Saals fordert Theaterpädagogin Heide-Simone Barth die in Säcken versteckten Schüler auf, große Schritte zu machen und unheimlich zu wirken. Puck erschrickt sich, als er sie sieht. Die Szene ist zu Ende. Doch als Heide-Simone Barth noch einmal etwas korrigieren will, sind die Waldgeister verschwunden. „Warum hauen die Säcke eigentlich immer ab“, ruft sie gespielt verzweifelt. Die Oberschule Malschwitz arbeitet schon seit vielen Jahren mit dem Theater zusammen. Zunächst nur im kleinen Rahmen, sind die Schüler der „Jungen Bühne Malschwitz“, wie sich die Schauspieler, Sänger und Tänzer des Ganztagsangebots nennen, seit drei Jahren auch auf der großen Bühne zu erleben. Das Stück, das gespielt wird, suchen sie sich gemeinsam mit der Theaterpädagogin und der Lehrerin Petra Richter aus. Meist schon im Mai des Vorjahres. Doch die szenischen Proben begannen diesmal erst nach den Oktoberferien.

Mädchen wirbeln mit bunten Tüchern

Szenenwechsel: Die Königin der Waldgeister steht im prunkvollen Kostüm auf schwarzen Würfeln. Links und rechts neben ihr stehen Feen. „Wenn meine Oma Wäsche aufhängt, steht die eleganter da als ihr“, ruft die Theaterpädagogin den Mädchen zu. Die Musik wird erneut eingespielt und die Mädchen wirbeln ein bisschen besser mit den bunten Tüchern.

Wenn im Theater auf der großen Bühne geprobt wird, ist es nicht mehr weit bis zur Aufführung. Dann wurde in der Schule geprobt, im Probenlager im Waldschulheim Halbendorf an den Rollen gefeilt und die Kostüme im Fundus ausgesucht. „Wir sind sehr froh und dankbar, dass uns das Theater so toll unterstützt“, sagt Petra Richter. Schließlich mussten die Kostüme auch angepasst werden.

Puck trifft auf den Waldkönig. Der ärgert sich gerade über die Waldkönigin, weil die ihn einen Langweiler genannt hat. Und dann bekommt der „Koboldanfänger unterer Stufe“ eine Aufgabe. Silvio Strehler spielt den Puck. Er geht in die achte Klasse und spielt für sein Leben gern Theater. Auch in den anderen Stücken der Malschwitzer hat er schon Hauptrollen gespielt. „Es liegt ihm einfach“, sagt Petra Richter. Und Silvio, in der viel zu großen gelben Hose mit rosa Hühnchenfedern am Pürzel, sieht selbst seine Zukunft in der Schauspielerei. „Ich habe schon in der Grundschule in Baruth Theater gespielt“, sagt der Achtklässler. Vor den Sommerferien möchte er ein Praktikum am Theater machen. Den doch sehr umfangreichen Text lernt er zum einen, wenn er sich einfach alles durchliest und einprägt. „Aber das meiste präge ich mir dann bei den Proben ein“, sagt Silvio. Seine Eltern finden es auch toll, dass er Theater spielt, sagt er.

Wie läuft man denn gelangweilt?

Die Proben gehen weiter. Die Queen und der König der Menschenwelt betreten die Bühne. Rhythmische Musik, begleitet vom Takt des Krückstocks. „Ihr müsst mehr gelangweilt laufen“, sagt Heide-Simone Barth. „Wie läuft man denn gelangweilt? So“, fragt Franz Kluge, der den Demetrios spielt und albert rum. Seine Partnerin ist Helena, gespielt von Paula Kittel. Die beiden Neuntklässler können sich kaum vor Lachen halten. Und der Spaß geht über auf die anderen Darsteller. Auch vor der Bühne wird gelacht. Die Freude am Spiel überträgt sich auf alle. Auch wenn nach mehreren Stunden Probe zu merken ist, wie die Konzentration nachlässt.

Ob Puck noch einen vernünftigen Zauberspruch hinbekommt und wie das Verwirrspiel um die richtige Partnerwahl, die Begegnung der Menschen jenseits des Waldes mit den zauberhaften Wesen aus dem Reich des Waldkönigs ausgeht, das erfahren die Theaterbesucher am Dienstag. Da wird das Stück im fast schon ausgebuchten Haus erstmals aufgeführt. Auch in diesem Jahr hoffen die 32 Mitwirkenden aus der fünften bis neunten Klasse auf Beifall und gefüllte Spendenbüchsen.

„Ein Sommernachtstraum“ am Dienstag, dem 20.3., 18 Uhr; und am Schüler-Welt-Theatertag am Montag, 26. 3.