merken

Der Euro bekommt Nachwuchs

Neue Münzen: Litauen führt die Gemeinschaftswährung ein. Es ist der zweite Anlauf.

Vilnius. Die Wirtschaft läuft, die Schulden sind niedrig und die Inflation im Zaum. In dieser Lage wird Litauen aller Voraussicht nach im nächsten Jahr den Litas gegen den Euro eintauschen – und sieht sich bestens gerüstet für die Eurozone. Die Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite sagt: „Wir sind absolut bereit, dem Klub beizutreten, der die wirtschaftlichen Entscheidungen in Europa trifft.“ Dass die Währungshüter in Brüssel und Frankfurt dies auch so sehen, erfüllt die Regierung in Vilnius mit Stolz:

Die Anstrengungen seien anerkannt worden, sagte Ministerpräsident Algirdas Butkevicius gestern. Er spricht von einem „strategischen Schritt“ zur wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Sicherheit. Zwar müssen die EU-Staaten im Sommer über den Euro-Beitritt noch entscheiden – doch das dürfte nach dem Reifezeugnis von EU-Kommission und Europäischer Zentralbank als Formsache gelten.

Anzeige
Berufe mit Hochspannungs-Garantie
Berufe mit Hochspannungs-Garantie

Der erste digitale DREWAG-Ausbildungstag setzt frische Energien für die Berufswahl frei.

Für Litauen ist es der zweite Anlauf für eine Mitgliedschaft. Ursprünglich wollte die Ostseerepublik bereits 2007 den Euro einführen, scheiterte aber wegen einer leicht überhöhten Inflation. Die EU-Kommission lehnte den Antrag damals ab.

Nur wenig später wurde das Land mit fast drei Millionen Einwohnern massiv von der globalen Finanzkrise getroffen. Litauen hatte mit einer der tiefsten Rezessionen in der EU zu kämpfen. Die damalige Regierung reagierte schnell und drastisch: Gehälter und Sozialausgaben wurden gekürzt, Stellen gestrichen und Steuern angehoben. Damit kam die Wirtschaft ohne Rettungsschirm wieder auf Kurs, wurde wettbewerbsfähig und konnte fleißig exportieren. Wächst Litauens Wirtschaft in diesem Jahr wie von der EU-Kommission im Frühjahr prognostiziert um 3,3 Prozent, wird die Wirtschaftskraft real erstmals wieder den Vorkrisenstand von 2008 übertreffen. Für weiteren Aufschwung soll die Gemeinschaftswährung sorgen. „Der Euro wird unserer Wirtschaft sicherlich einen starken Impuls geben“, sagt Grybauskaite.

Finanzminister Sadzius fürchtet, ohne Euro würde Litauen im baltischen Standortwettbewerb ins Hintertreffen gegenüber den Euro-Staaten Estland und Lettland geraten. Die meisten Litauer dagegen sind laut Umfrage gegen den Euro. (dpa)