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Der Fahrradtüftler

© Arvid Müller

Pünktlich zum Start der Radsaison hat die Selbsthilfewerkstatt in Radebeul am Sonnabend wieder geöffnet. Und sie brauchen Unterstützung.

Von Beate Erler

Radebeul. Noch ist niemand da, der ein Fahrrad für nur zehn Euro kaufen oder seines reparieren lassen will. Doch es ist gerade einmal der erste Tag nach der Winterpause, an dem die „Radstatt“ des Bündnis Buntes Radebeul e. V. wieder offen steht. Clemens Oehmichen kniet einem Fahrrad zu Füßen, das auf seinem Sattel steht und keine Räder mehr hat. Das kleine Hinterhaus neben dem ehemaligen Rathaus auf dem Rosa-Luxemburg-Platz dient seit letztem Jahr als Selbsthilfewerkstatt. Die Räume sind in keinem guten Zustand: „Die Heizung geht nicht und es gibt kein Wasser“, sagt Werner Trojok, „es ist nur ein Behelf.“

Der ältere Mann ist neben Clemens Oehmichen ein weiterer der insgesamt fünf Helfer am Rosa-Luxemburg-Platz. Sie suchen dringend Verstärkung, damit montags und samstags jeweils zwei Stunden jemand vor Ort ist.

Außerdem soll Anfang Mai eine weitere Werkstatt eröffnen. Dort, wo sie ursprünglich einmal war: im Flüchtlingsheim an der Kötitzer Straße. „Dafür brauchen wir aber mehr Helfer“, sagt Werner Trojok. Sonst müsse die am jetzigen Standort wieder schließen. Noch letzte Woche haben sie hier Ordnung reingebracht. In den drei Räumen ist alles sortiert: Fahrradsattel und Lenker liegen in Kisten, Reifen und Speichen sind an den Wänden aufgereiht. Die gespendeten Fahrräder stehen in einem eigenen Raum. „Insgesamt haben wir derzeit etwa 20 Räder hier“, sagt Clemens. Wobei die guten besonders schnell wieder weg wären.

Alles nehmen sie nicht an. Die Helfer prüfen zuerst, ob sich der Aufwand für eine Reparatur noch lohnt und ob die notwendigen Ersatzteile vorhanden sind. Falls nicht, haben die Räder dennoch nicht ausgedient. Sie werden ausgeschlachtet und Ersatzteile gesammelt. Besonders beliebt sind Fahrradlichter, denn die Räder müssen beim Verkauf verkehrstüchtig sein.

Kurze Zeit später kommt ein junger Mann mit seinem Rad vorbei. „Zwei Jahre hat es funktioniert und jetzt geht gar nichts mehr“, sagt er. Er habe es geschenkt bekommen und schon viele Teile ersetzt. Clemens schaut es sich an: „Schaltung und Bremse sind defekt“, sagt er. Er fährt selber viel Fahrrad, hat ein Rennrad und ein Stadtfahrrad und hat sich das Reparieren dadurch selbst angeeignet. „Wenn ich mal etwas nicht weiß, frage ich meine Kollegen“, sagt er.

Seit einem Jahr ist der Tischlerlehrling hier freiwilliger Helfer. Er und sein Kumpel wollten etwas Sinnvolles machen und sind bei ihrer Suche auf die Fahrradwerkstatt gestoßen. Seitdem ist Clemens immer am Samstag von elf bis 13 Uhr hier. Der neue Standort wird gut angenommen, sagt er. Das findet auch Werner Trojok, der gerade mit einem gespendeten Damenrad zurück-kommt. Ein Radebeuler hat es abgegeben und es ist noch voll funktionstüchtig.

Viele Flüchtlinge leben auch dezentral in Serkowitz und Radebeul Mitte. Sie kommen eher in die Werkstatt als die Flüchtlinge aus dem Asylbewerberheim, weil das ein Stück weg ist und viele die kleine Werkstatt nicht finden würden, sagt Werner Trojok.

Dennoch sitzt er manchmal mit 15 Leuten zusammen und schraubt mit ihnen an Rädern herum. Am Montag kommen noch die Kinder aus der Musikschule dazu, die im ehemaligen Rathaus ihren Sitz hat. „Wenn mit ihren Rädern etwas nicht in Ordnung ist, dann bringen sie die vorbei“, sagt er. Wer ein neues Rad kauft, bekommt es für zehn Euro und dazu noch einen Fahrradpass. In dem Papier stehen die Bezeichnung, besondere Merkmale und das Kaufdatum. „Wir wollen ja nicht, dass die Besitzer Ärger mit der Polizei kriegen, weil sie denken, es sei geklaut“, sagt Werner Trojok.

Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt, Rosa-Luxemburg-Platz 1, 01445 Radebeul, geöffnet montags 16.30-19 Uhr und sonnabends 11-13 Uhr.