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„Der Fall hat uns tief erschüttert“

© dpa

Einen Tag nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen einen Mitarbeiter der Dresdner Parkeisenbahn erklärt jetzt die Verwaltung, weshalb der Fall lange Zeit nicht öffentlich wurde.

Dresden. Die Meldung über einen möglichen Missbrauchsfall bei der Dresdner Parkeisenbahn hat am Dienstagmorgen für große Aufregung in der Stadt gesorgt. Was ist dran an den Vorwürfen gegen einen Mitarbeiter, der sich in mindestens einem Fall an einem Kind vergangen haben soll? Der Weg zur Wahrheit, so viel ist am Anfang der Ermittlungen klar, dürfte sich als schwierig gestalten. Denn der 38-jährige Verdächtige kann sich selbst zu den Vorwürfen nicht mehr äußern. Er hatte sich einen Monat nach der gegen ihn erhobenen Anzeige das Leben genommen.

Der Fall, um den es geht, kam bereits vor acht Monaten ins Rollen. Nach SZ-Informationen sind die Eltern der über 200 Kinder und Jugendlichen bei der Parkeisenbahn aber erst in der vergangenen Woche über den Missbrauchsverdacht informiert worden. Warum verstrich so viel Zeit, bis der Fall öffentlich wurde? Die Staatliche Schlösser- und Gärtenverwaltung, die die Parkeisenbahn betreibt, erklärte dazu auf einer Pressekonferenz am Dienstag, dass durch den Tod des Verdächtigen die Gefahr von erneuten Übergriffen gebannt gewesen sei. Außerdem haben man damals den Mitarbeiter umgehend suspendiert, um eine weitere Gefährung von Kindern auszuschließen.

Der 38-Jährige soll sich nach Angaben der Verwaltung möglicherweise über mehrere Jahre an einem heute 17-jährigen Jungen vergangen haben. Auf privaten Exkursionen sowie in der Dresdner Ausbildungsstätte sei es offenbar zu sexuellen Übergriffen gekommen. Im März sei durch die Eltern des Jungen bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet worden. Der 17-Jährige befindet sich mittlerweile in psychologischer Behandlung.

„Dieser Vorfall hat uns tief erschüttert“, meinte Schlösserland-Geschäftsführer Christian Striefler während der Pressekonferenz. Als Reaktion auf die Missbrauchsvorwürfe will die Parkeisenbahn deshalb jetzt ein Kinderschutzkonzept erarbeiten. Der Schutz der Kinder und Jugendlichen, die für den Betrieb der Bahn im Großen Garten sorgen, sei außerordentlich wichtig, hieß es weiter. Die Erarbeitung des neuen Konzeptes werde etwa zwei Jahre dauern.

Die Parkeisenbahn hieß bis zur Wende Pioniereisenbahn und war am 1. Juni 1950 als Kinderattraktion in Betrieb gegangen. Die fünf Kilometer lange Strecke wird mit historischen Mini-Dampfloks und Elektroloks aus DDR-Zeiten betrieben. (fsc/SZ)