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Der Fall Mlapa

Dynamos Stürmer steckt in einer Krise, die Fans kritisieren ihn scharf. Die Situation erinnert an einen Vorgänger.

© Robert Michael

Von Daniel Klein

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Um die Situation von Peniel Mlapa zu beschreiben, genügt eine Szene. In der bündelt sich die ganze Tragik des Stürmers, den das Glück verlassen hat. Es läuft die hektische Nachspielzeit in Sandhausen, als Marcel Franke mit einem harten Schuss aus zehn Metern den Ausgleich erzielt hätte – doch den verhindert Mlapa, der im Weg steht. Abpfiff, Niederlage. Der Sündenbock ist schnell gefunden, zumindest für viele Fans.

Die sehen den Angreifer schon länger kritisch und artikulieren dies auch – im Stadion und in Internetforen. Der Ton ist in beiden Fällen oft nicht der feinste. Mlapa wird das spüren, nach dem Spiel in Sandhausen schlich er mit gesenktem Kopf durch die Stadionkatakomben. „An mir wird es die nächsten Tage noch knabbern. Man macht sich viele Gedanken, fragt sich, was hätte besser laufen können“, sagt er unmittelbar nach dem 0:1.

Danach sagt er nichts mehr. Ein Interview möchte er momentan nicht geben, eine Anfrage der SZ lehnt er ab. Dabei wäre es spannend zu erfahren, wie er mit der Kritik umgeht, ob er sich selbst Vorwürfe macht und wie er die neue Konkurrenz im Sturm sieht. Dynamo hatte am Dienstag Moussa Koné verpflichtet – auch als Reaktion auf Mlapas Leistungen.

Spricht man Uwe Neuhaus auf die Sorgenpersonalie an, erinnert der Trainer ebenfalls an die Szene in Sandhausen. „Da kann man ihm keinen Vorwurf machen“, sagt er. Sonst aber offenbar schon. Mlapa sei lange genug Profi und es deshalb nicht das erste Mal, dass „er nicht die allerbesten Leistungen zeigt“, findet der Trainer. Dabei fing alles so gut an für den letzten Sommer-Transfer. Vier Tore in drei Partien erzielte der Stürmer aus Togo im Oktober, seitdem traf er nicht mehr.

Die Ladehemmung ist jedoch nicht das größte Problem. Vorgeworfen wird ihm, dass er falsch und vor allem zu wenig läuft, sich versteckt, anstatt sich anzubieten. Das ist bereits kurz nach seiner Verpflichtung ein Thema. „Ich habe gehört, dass meine Körpersprache so rüberkommt, als sei es mir egal. Aber das täuscht sehr. Ich mache mir selbst riesigen Druck und bin sehr ehrgeizig“, sagte er damals. Nur wirkt es auf dem Platz eben anders.

Sein Fall erinnert stark an Marco Vorbeck, der von 2005 an zwei Jahre für Dynamo stürmte und dabei regelmäßig traf. Sein Laufstil war jedoch ein eher schlürfender, was bei den Fans gar nicht gut ankam. Im letzten halben Jahr in Dresden gehörte er nur noch selten zum Kader. Droht Mlapa nun ein ähnliches Schicksal?

Sein Vertrag bei den Schwarz-Gelben läuft noch bis 2020 – wie der von Lucas Röser. Koné unterschrieb gerade bis 2022. Pascal Testroet arbeitet nach seinem Kreuzbandriss derzeit an seinem Comeback und seiner Vertragsverlängerung. Vier Angreifer für ein Ein-Stürmer-System sind auf Dauer ein bisschen viel. Neuhaus fordert von Mlapa: „Er ist aufgefordert zu kämpfen, um aus seiner persönlichen Situation rauszukommen.“

Das Heimspiel am Sonntag gegen seinen Ex-Verein Bochum wäre eine gute Gelegenheit, doch es wird wohl Röser auflaufen. Jedenfalls betonte der Trainer, dass Duelle gegen den ehemaligen Arbeitgeber nicht immer einfach seien. Da schieße man schon mal übers Ziel hinaus und überdrehe. Ob die Gefahr im Fall Mlapa wirklich so groß ist, sei dahingestellt. Vielleicht tut eine Pause auch einfach nur dem schwarz-gelben Binnenklima gut.

Neuhaus hat zudem mit Koné ab sofort eine Alternative. Und einen 1,2-Millionen-Einkauf lässt man auch spielen – gegen Bochum aber sicher noch nicht von Beginn an. Am Samstag sollte der 21-Jährige endlich seine erste Trainingseinheit in Dresden bestreiten. Seine Ankunft hatte sich durch Probleme mit seinem Visum verzögert. „Ich werde ihn dort einsetzen, wo die Not am größten ist“, kündigte Neuhaus an. Das könnte auch auf den Außenpositionen sein, Haris Duljevic fehlt dort nach seiner Schiedsrichterbeleidigung für die nächsten drei Spiele. Mlapa ist derzeit also nicht das einzige Sorgenkind bei Dynamo.