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Der Feuerwehr gehen die Männer aus

Hohnstein will die Einsatzbereitschaft in allen Ortsteilen sichern. Übernehmen Frauen jetzt die Aufgabe?

© Marko Förster

Von Anja Weber

Hohnstein. Im neuen Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Goßdorf bei Hohnstein steht ein nagelneues Auto. Doch das kann nicht genutzt werden, weil tagsüber zu wenig Kameraden vor Ort sind.

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Ein Szenario, das sich Hohnsteins Wehrleiter Holger Gerschel nicht vorstellen möchte, das aber eintreten dürfte. Denn nur die Feuerwehren von Hohnstein, Ehrenberg und Ulbersdorf haben genügend Leute vor Ort, um in Mannschaftsstärke mit neun Mann ausrücken zu können. Dazu kommt, dass es zu wenig Kameraden gibt, die befähigt sind, mit Atemschutzgeräten zu arbeiten. Derzeit sind es 23 von ehemals 40 Atemschutzgeräteträgern.

Ziel sei es, dass wenigstens 35 Kameraden diese Ausbildung haben. Außerdem sind Hohnsteins Feuerwehren zum Teil überaltert. Manche der Älteren dürfen aus ärztlicher Sicht nicht mehr unter Atemschutz zum Einsatz. Hohnsteins Feuerwehr braucht deshalb vor allem mehr junge Leute, in der Regel sind das meist junge Männer. Doch die haben in Hohnstein offenbar ganz andere Interessen. Und ihre Zuneigung zur Feuerwehr hält sich in Grenzen.

„Jeder Kamerad, der die Tageseinsatzbereitschaft absichern kann, muss multifunktional einsetzbar sein“, sagt Holger Gerschel. Das heißt, dass sich letztlich jeder auch in der Technik auskennen muss, auch in der ganz speziellen, wenn es zum Beispiel um Hochwasserschutz geht und Ähnliches. Deshalb sucht man in Hohnstein nun nach Auswegen und hat das Ganze auch im Stadtrat thematisiert.

Ziel ist es, mehr junge Leute zu gewinnen, die von den älter werdenden Kameraden noch etwas lernen, bevor die in die Altersabteilung wechseln und dann nicht mehr mit ausrücken. Doch wie kann die Tageseinsatzbereitschaft von bislang nur drei Feuerwehren auf alle erhöht werden? Eine Frage, auf die sowohl der Gemeindewehrleiter als auch die Stadträte eine Antwort suchen. „Wir haben keine Industrie hier, demzufolge auch kaum noch Beschäftigte vor Ort“, sagt der Gemeindewehrleiter. Im Notfall könne man Leute auch zur Feuerwehrarbeit verpflichten. Allerdings sind die dann nicht ausgebildet. Stadtrat Steffen Fischer (UWV) sieht das Altersproblem in der Feuerwehr. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die Jugendfeuerwehr stärken und unterstützen können“, sagt er. Michaela Neuenhaus-Eckardt (CDU) sieht Reserven bei den Mitarbeitern im Rathaus. Und wenn schon die jungen Männer kein Interesse haben, sollte man mehr an die jungen Frauen denken. „Vielleicht sind ja die Frauen unsere neue Zielgruppe“, sagt sie. Hohnsteins Bürgermeister Daniel Brade (SPD) warf eine weitere Idee in den Ring. Eine Möglichkeit wäre, die 13 Minuten Ausrückezeit abzuschaffen und die Bürger aufzufordern, mehr für den Eigenschutz zu tun, wie zum Beispiel Rauchmelder oder Sprinkleranlagen. „Außerdem könnte man die Stützpunktfeuerwehren mit Hauptamtlichen besetzen, ähnlich dem tschechischen Modell“, sagt er. Zur Finanzierung sollte dann wieder die Feuerwehrabgabe eingefordert werden. Auf eine endgültige Strategie wollte sich der Stadtrat noch nicht einlassen. Vorerst sollen alle Vorschläge gesammelt werden.