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Der Fiesta bleibt ein echter Kölner

Die Produktion des kleinen Flitzers von Ford geht nicht nach Rumänien. Doch die Belegschaft muss Zugeständnisse machen – dafür erhält sie eine Jobgarantie.

© dpa

Köln. Lauter Jubel brandet auf im Kölner Ford-Werk. Ford wird seinen Verkaufsschlager Fiesta für Europa weiter exklusiv in Köln bauen, betriebsbedingte Kündigungen sind dort und in Saarlouis statt bis 2016 nun bis 2021 ausgeschlossen. Damit bleibt den Kölnern das Schicksal ihrer Kollegen im Bochumer Opel-Werk erspart. Bernhard Mattes, Geschäftsführer der Ford-Werke GmbH, verkündete gestern hörbar erleichtert: „Der Ford Fiesta ist ein echter Kölner.“

Damit ist Schlimmeres ausgeblieben: Es hatte Gerüchte gegeben, die kommende Generation des Kleinwagens könne von 2017 an in Rumänien statt im teureren Deutschland vom Band rollen. Nun kommt es anders.

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Das ist eine gute Nachricht für die 4 000 Mitarbeiter in Köln-Niehl, die seit 1979 schon mehr als 6,5 Millionen Fiesta montiert haben – und die ihren Gesamtbetriebsratschef Martin Hennig gestern feierten. Hennig selbst misst der Entscheidung eine enorme Bedeutung zu: „Der Verlust der Fiesta-Produktion hätte für den Standort Köln das Sterben auf Raten bedeutet.“

Ungeschoren kommen die insgesamt mehr als 24 000 Ford-Beschäftigtenan an den Standorten Köln und Saarlouis trotzdem nicht davon: Sie müssen auf Sonderzahlungen und Sonderurlaub verzichten, das Werk in Köln wird von drei auf zwei Schichten umgestellt. Das dürfte mittelfristig etliche Jobs kosten – wenn auch nur über Altersteilzeit und die „natürliche Fluktuation“.

Der Beschluss von Management und Arbeitnehmern zeigt aber: Auch wenn Ford in Europa noch nicht über den Berg ist – allmählich ist wieder Licht am Ende des Tunnels. Denn in der Absatzkrise war Ford Europe ebenso wie der Rivale Opel und andere Volumenhersteller in ein tiefes Tal gefallen. Anders als Volkswagen, BMW oder Mercedes konnten die Europa-Töchter der US-Giganten Ford und General Motors (GM) den Einbruch in Europa nicht in Boom-Märkten wie China kompensieren.

Werksschließung bei Opel

Stattdessen mussten sie im Kampf gegen teure Überkapazitäten den Rotstift ansetzen. Während bei Opel das Werk Antwerpen längst dicht ist und die Autofertigung in Bochum zum Jahresende ausläuft, schließt Ford sogar drei Fabriken in Großbritannien und Belgien. Das kostet insgesamt 6 200 Jobs. Doch die Erholung braucht Zeit – und die Werksschließungen kosten erstmal Geld. Ford kalkuliert nach früheren Angaben für das laufende Jahr mit 295 Mio Euro für den Umbau. Bei Opel fallen dem Vernehmen nach Kosten von über einer halben Milliarde Euro an.

Im ersten Quartal 2014 halbierte Ford seinen Vorsteuerverlust dank eines Sparprogramms und anziehender Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr auf 143 Millionen Euro. Und GM musste auf dem alten Kontinent zum Jahresauftakt zwar ein operatives Minus von 284 Millionen Dollar verdauen nach 152 Millionen Dollar im Vorjahr. Aber mehr als zwei Drittel davon waren auf Restrukturierungskosten vor allem für das Aus der Autofertigung zum Jahresende in Bochum zurückzuführen. Mit anderen Worten: Operativ läuft das Geschäft deutlich besser als in den Vorjahren. (dpa)