merken

Der Frühling fiel in diesem Jahr aus

Nach dem kühlen März kam der „Aprilsommer“. Warum, erklärt Hobbymeteorologe Dietmar Pscheidt aus Goldbach für die SZ.

© dpa

Goldbach. Größer können Wetterunterschiede kaum sein: Bis zu 138 Liter Regen pro Quadratmeter fielen am Mittwochabend in Bautzen. Im rund 20 Kilometer entfernten Goldbach waren es am selben Abend nur acht Liter, registrierte Hobby-Meteorologe Dietmar Pscheidt. Für die Stadt Bischofswerda liegen keine Messdaten vor. Es könnte doppelt so viel wie in Goldbach geregnet haben, vermutet Dietmar Pscheidt. Für Schiebock und sein näheres Umland war der Regen ein Tropfen auf einen sehr heißen Stein, der durch einen hochsommerlichen Abschluss des meteorologischen Frühlings mächtig ausgetrocknet ist. Die Quartalsbilanz des Goldbacher Hobby-Meteoroliegen im Einzelnen.

Der meteorologische Frühling vom 1. März bis zum 31. Mai war in der Summe viel zu warm. Dabei begann er mit extrem niedrigen Temperaturen (-14°C) und zwei Dauerfrosttagen, an denen das Maximum unter null Grad blieb. Überhaupt bot der März noch 17 Frosttage, darunter sechs Eistage. Zum Glück gab es nicht viel Schnee; Eisglätte und gefrorene Böden waren jedoch immer ein Thema. Bis zum 1. April, in diesem Jahr der Ostersonntag, hielt sich die wenig frühlingshafte Witterung.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Der Mai war viel zu trocken

Doch dann kam der Aprilsommer mit einem Schlag, der gern schon als neue Jahreszeit gepriesen wird. Zumindest seit 2007 trat er fünfmal in Erscheinung. „Ein Aprilsommer ist gekennzeichnet durch überdurchschnittlich hohe Temperaturen für diese Jahreszeit. Entscheidend ist die jeweilige Wetterlage mit südwestlicher und südlicher Anströmung der Luftmassen“, erläutert Dietmar Pscheidt. Auffällig in diesem Jahr, vor allem im Mai, war, dass sich häufig ein Hoch über Mitteleuropa bildete. Es zog sich meist nach Nordosten zurück und führte noch einige Zeit sehr trockene Luft heran. Mit Ausnahme gewittriger Niederschläge war der Mai viel zu trocken. Eine typische Wetterlage für die Eisheiligen gab es in diesem Jahr nicht. Die Monatsmittel vom April (12,6°C) und Mai (16,1°C) waren die höchsten seit Beginn seiner Aufzeichnungen 1996, berichtet Dietmar Pscheidt. Durch den kalten März (1,1 Grad als Mittelwert) ergab sich für den Frühling jedoch kein neuer Rekordwert.

Regen im Mai blieb zum Leidwesen der Landwirte und vieler Gartenfreunde größtenteils aus. Wo es regnete, war das zum Teil mit Starkregen und Unwettern verbunden, wie zum Beispiel im Vogtland oder in Bautzen. Noch ist die Gefahr nicht gebannt. Meteorologen warnen immer wieder, dass sich Luftströmungen in heftigen Gewittern entladen können. Während beispielsweise in Bad Elster in nur zwölf Stunden 150 Liter Regen pro Quadtatmeter fielen, kamen in Goldbach im ganzen Mai nur 33 Liter zusammen. Der meteorologische Frühling endete hochsommerlich. Und es bleibt in den nächsten Tagen mit Temperaturen über 25 Grad sommerlich. (SZ)