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Der Fürstenzug zieht durch Rochlitz

Der Mittelsächsische Kultursommer startet in die 25. Saison. Schwierig ist immer wieder die Finanzierung.

© Mario Hoesel

Von Sylvia Jentzsch

Mittelsachsen. Pferde vor dem Rochlitzer Rathaus sind schon etwas Besonderes. Und wenn dann auch noch einige Fürsten und edle Damen aus dem Rathaus schreiten, dann ist das sehr ungewöhnlich und sorgt für Aufsehen.

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Das sollte es auch – denn die Stadt Rochlitz, die Gemeinde Seelitz und der Mittelsächsische Kultursommer (Miskus) warben für den dritten Fürstentag zu Rochlitz und Seelitz vom 15. bis 17. Juni. Höhepunkt dieser dreitägigen Veranstaltung ist der „Lebendige Fürstenzug zu Dresden“ am Sonntag, 17. Juni. Der Zug wird ab 13 Uhr vom Stern-Gewerbepark in Richtung Rochlitzer Stadtzentrum ziehen und dort den Marktplatz zweimal umrunden. Die Route führt dann nach Seelitz. Das ist der große Auftritt der Mitglieder des Vereins Fürstenzug zu Dresden mit ihren 47 Reitern und 47 Mann Fußvolk. Und damit sie sich neue Accessoires für ihre Garderobe leisten können, übergab Professor Hans-Ferdinand Schramm, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Mittelsachsen, einen Scheck von 5 000 Euro an Regina Herberger, Vorsitzende des Vereins. „An manchen Kostümen, die es bereits seit dem Jahr 2006 gibt, nagt der Zahn der Zeit“, sagte Regina Herberger. Am Juniwochenende wird in Rochlitz noch mehr geboten.

Historisches Schauspiel

Eigens für die Fürstentage wird das Schauspiel „Eine Epoche sächsischer Geschichte“ unter Regie des Miskus vorbereitet, das sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag zur Aufführung auf der großen Marktbühne kommt. Getreu dem Vereinsanspruch „Geschichte erlebbar zu machen“ werden vorrangig Bürger der Region als Akteure bei den historischen Rollenspielen zum Einsatz kommen. Herausgesucht wurde die Zeitspanne zwischen 1500 und 1700. Bisher wurden im Auftrag des Miskus 192 Drehbücher für mehr als 800 Mitwirkende geschrieben. „Neben dem historischen Festspiel wird es einen großen Mittelaltermarkt, Musik, Gaudi und Tanz geben“, so Oberbürgermeister Frank Dehne. Er warb für die etwa 100 000 Euro teure Veranstaltung, die es in diesem Jahr zum dritten Mal gibt und alle vier Jahre organisiert wird.

Aus dem Programm

Märchenhaftes Döbeln am 16. Juni im Rahmen des Döbelner Stadtfestes, Kinder- und Familienfest der Stadtwerke

Sounds of Hollywood am 6. Juli um 20 Uhr auf dem Festplatz am Kreuzfelsen in Waldheim

Burg der Märchen am 8. Juli auf der Burg Kriebstein

Miskus 25 – das Konzert am 20. Juli um 20 Uhr im Kloster Buch

Gugge ma – Schalmei, Pipe & Co am 21. und 22. Juli im Kloster Buch

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Vereinsvorsitzender Heribert Kosfeld, der zur Pressekonferenz als Johann Friedrich der Gutmütige erschien, und seit 21 Jahren dem Verein vorsteht, erinnerte noch einmal an die Anfänge des Miskus, der in diesem Jahr seine 25. Veranstaltungssaison feiert. Der Miskus habe ihn 1997 eingefangen und nicht wieder losgelassen, so der ehemalige Sparkassenvorstand. Er habe gelernt, dass es möglich ist, Klassik und Moderne zu verbinden. Aber ansonsten hätte sich nicht viel geändert. „Wir haben Skandale vermieden“, so Kosfeld. Dass diese aber auch ein Zuschauermagnet werden können, hatte er bei einer Veranstaltung vor vielen Jahren auf der Rochsburg erlebt. Eine leicht bekleidete Dame sollte auftreten. Das habe bewirkt, obwohl es viel Aufregung darüber gab, dass die Veranstaltung sehr gut besucht war.

25 Jahre Miskus seien kein Zufall, sondern harte Arbeit und auch Glück. Denn man sei bei den vielen Open-Air-Veranstaltungen vom Wetter abhängig. „Mit Stolz kann ich sagen, dem Miskus geht es gut, wenn das Geld nicht wäre, ginge es ihm sogar hervorragend“, sagte Kosfeld. Immerhin sei ein Haushalt von 663 000 Euro für einen Verein und ein Mitarbeiterteam von acht Leuten gewaltig. Knapp 43 Prozent des Haushaltsgeldes des Miskus stammt aus öffentlichen Mitteln wie dem Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen, dem Landkreis und von Städten sowie der Bundesagentur für Arbeit.

Auf Spenden angewiesen

„57 Prozent des Budgets, das sind 380 000 Euro, muss der Miskus selbst erwirtschaften. Dieser Betrag setzt sich aus Einnahmen von Veranstaltungen und Spenden zusammen“, sagte Holger Nerlich, zuständig für die Finanzen im Verein. Deshalb ist er froh, dass der Musikus langjährige Sponsoring-Partner hat. Dazu gehören die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Stiftung der Sparkasse Mittelsachsen für den Miskus und die Kreissparkassen Mittelsachsen sowie Döbeln. Heide-Säfte, einer der Festivalsponsoren, hat anlässlich des Jubiläums eine Sonderedition von 10 000 Flaschen Süßmost mit einem besonderem Etikett hergestellt, der bei den Veranstaltungen verkauft wird. Die Einnahmen kommen ebenfalls dem Verein zugute. „Außerdem gibt es viele Sponsoren, die konkrete Projekte fördern“,so Nerlich.

„Es gibt gute Gründe für unser Engagement für den Miskus. Er bietet nicht nur ein facettenreiches Programm, sondern verbindet Wirtschaft, Kultur, Talentförderung und vieles mehr“, sagte Hans-Ferdinand Schramm. Er überreichte dem Geschäftsführer des Miskus 25 Gerberas in „sparkassenrot“ zum 25. Veranstaltungsjahr. Auch Uwe Krahl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Döbeln begründete, warum das Kreditinstitut den Miskus finanziell unterstützt: „Wir waren von Anfang an dabei. Zuerst haben wir einzelne Projekte wie Philharmonic Rock gefördert. Jetzt gibt es neue wertvolle Veranstaltungen, die wichtig für die Kulturlandschaft in der Region sind“, sagte Uwe Krahl. Die Sparkasse Döbeln wolle weiterhin ein verlässlicher Partner für den Miskus sein.

Bisher hat der Miskus 11 000 Veranstaltungen an 180 Orten im Landkreis Mittelsachsen organisiert. „Vor 25 Jahren war noch nicht einmal an den Landkreis zu denken. Aber die Kreise Döbeln, Mittweida und Freiberg hatten mit dem Miskus einen Verein gefunden, der die Regionen durch Kultur verband“, sagte Landrat Matthias Damm (CDU), der auch Schirmherr der Veranstaltungen ist. Der Miskus biete den Bürger die Möglichkeit, Geschichte und Kultur zu erleben. Außerdem werde der künstlerische Nachwuchs gefördert. „Der Miskus ist für den Landkreis unentbehrlich und ein entscheidendes Marketinginstrument. Außerdem vermittelt er den Bürgern ein gutes Lebensgefühl und ist auch ein guter Partner für uns“, so Damm. So wird das zehnjährige Bestehen des Landkreises beim Altstadtfest in Mittweida am 18. und 19. August gefeiert.