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Der Garten im Warenkorb

Die Landschaftsarchitekten Claudia und Peter-Paul Petzold schaffen per Ferndiagnose grüne Oasen.

© Sven Ellger

Von Nadja Laske

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Es müssen nicht immer Schuhe sein. Auch keine Handtaschen. Bücher, Wasserkocher, Antifaltencreme – alles gibt's im Online-Shop. Aber wie wär’s mit einem Garten? Wer hat schon mal seinen ganz privaten Platz im Grünen per Mausklick in den Warenkorb geladen? Immerhin so viele Menschen, dass Claudia und Peter-Paul Petzold sechs Jahre nach Gründung ihrer Firma vier feste Mitarbeiter beschäftigen und planen, zwei weitere einzustellen.

Gestartet sind die Landschaftsarchitekten als Duo mit ungewöhnlicher Idee. „Schon während des Studiums hatten wir zusammen mit Freunden diese Überlegung“, sagt Claudia Petzold. Wirklich umgesetzt haben es dann doch nur die beiden: den Online-Handel für Gartenplanung mit Warenkorb und virtuellem Gang zur Kasse.

Im Besprechungsraum der jungen Unternehmer hängt eine große Landkarte. Darauf drängen sich hier und da die Köpfe der Stecknadeln dicht aneinander. Andernorts stecken sie allein auf weiter Flur. Bis in die Schweiz und nach Österreich haben Claudia und Peter-Paul Petzold sie schon gepinnt, als Zeichen dafür, wo überall es nach ihren Empfehlungen grünt und blüht. Bis es auf den Grundstücken ihrer Kunden so weit war, sind etliche Formularseiten auf Reisen gegangen, Skizzen versandt, Pläne gedruckt und Telefonate geführt worden.

Angefangen aber hat der Gartenbau auf Distanz mit der Wahl eines von vier Modulen auf der Internetseite. Wie viel möchte ich mir beim Anlegen meiner Oase von Profis helfen lassen? Diese Frage will zuerst beantwortet sein. Später geht es um Grundstücksgrößen, Beschreibungen, Fotos, Grundrisse, Lage- und Bebauungspläne. „Wir befragen unsere Kunden sehr genau nach den Gegebenheiten vor Ort und danach, was sie sich wünschen“, sagt Peter-Paul Petzold. Werden Kinder im Garten spielen, wenn ja, wie viele und wie alt sind sie? Wenn nicht, ist Nachwuchs geplant? Steht Chillen oder aktive Erholung mit Gartenarbeit im Fokus? Soll es Pool, Trampolin, Terrasse und Grillplatz geben? In welchen Farben könnte der Garten blühen – spärlich oder üppig, darüber müssen sich die künftigen Nutzer Gedanken machen, genauso, wie über die Varianten modern, klassisch, asiatisch.

In Petzolds Online-Firma Gardomat sitzen Planer mit Kopfhörern an ihren Schreibtischen. Hier geht Gartenbau nahezu geräuschlos vor sich. „So können sich alle gut konzentrieren, und wer will, hört seine eigene Musik“, sagt Claudia. Die Gartenprofis zeichnen zunächst von Hand ihre Ideen filigran mit Buntstiften auf Papier. Zwei Vorschläge schicken sie den Kunden zu. Wer will und kann, beginnt mit dieser Grundlage, seinen Fleck Erde zu gestalten. Nächster Schritt wäre ein komplettes Konzept, am Computer erstellt. Mehr als 700 Gärten haben sie schon geplant. Claudia und Peter-Paul Petzold leiten Kunden an, die Ideen und Konzepte lieber den Experten überlassen, aber doch stolz darauf sind, hier und da selbst angepackt zu haben. Menschen, die erst am späten Abend dazu kommen, sich über Gräser und Rosen Gedanken zu machen. Einen Einblick in ihre Arbeit geben die Gartenprofis von Donnerstag bis Sonntag auf der Messe „Haus“.

Auf einen eigenen Garten aber müssen sie noch warten. Das dritte Kind ist unterwegs, und Unternehmer zu sein, heißt selbst und ständig. In ihrem Kopf jedoch sprießt es schon in eigener Sache. „Ich würde auf jeden Fall Obstbäume haben wollen“, sagt Peter-Paul. Claudia liebt Magnolien. Zaubernuss und Schneeball, auch die müssen irgendwann sein. Doch wie im Garten hat im Leben alles seine Zeit.

www.gardomat.de