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Der Gartensalon ist wieder schön

Im denkmalgeschützten Meinholdschen Weinberghaus ist der wichtigste Raum wie einst wieder hergestellt. Von ihm sollen viele etwas haben.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeul. Karl Friedrich Aust hat seine gute Tuchhose angezogen. Die weite Jacke drüber – keine Arbeitskleidung vom Weinberg. Kein Wochentag wie sonst. Der Gartensalon wird eingeweiht. Landeskonservatorin Rosemarie Pohlack hat sich angekündigt an der Weinbergstraße. Im Meinholdschen Weingut gibt es etwas zu feiern.

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Restauratorin Gisa Weidendorfer hat die neue alte Wandbemalung im Gartensalon mit ihren Kolleginnen wieder hergestellt.
Restauratorin Gisa Weidendorfer hat die neue alte Wandbemalung im Gartensalon mit ihren Kolleginnen wieder hergestellt. © privat

Der schönste Raum im Haupthaus, dem Gebäude rechts vom großen blauen Tor, ist wieder so hergerichtet, wie ihn einst Christian Immanuel Meinhold 1853 bauen und ausmalen ließ. Der Sohn des gleichnamigen Hofbuchdruckers liebte seinen Sommersitz abseits der Dresdner Hektik. Schwiegersohn Carl Eduard Johne, welcher unter Semper mit am Zwinger baute, hat das Gebäudeensemble am Fuße des Weinbergs eingerichtet.

Winzer Friedrich Aust und seine Mannschaft bewirtschaften seit Jahren das Gut rechts unterhalb der Spitzhaustreppe. Jetzt im Winter, wenn wegen des tiefen Frostes den Reben ihre Ruhe gegönnt wird, steht der gelernte Steinmetz mit einem Korb voller dicker Kaminholzscheite im Raum, dem Gartensalon, und genießt ihn einfach.

Bestückt mit unglasiertem Ofen

Sechs Anstriche haben die vier Restauratorinnen um Andrea Rabich von den Wänden geholt, um auf die Originalfarbe vorzudringen. Die zuletzt obenauf sichtbare Schicht war ein dunkles Grün. Seit 1953 ist hier immer wieder drüber gestrichen worden. Jetzt hat der etwa acht mal fünf Meter große Raum an den Wänden rundum einen freundlich ockerfarbenen Ton, die Decke hat eierschalenfarbene, graue und sogar violette Farben. „Wir beginnen gerade, den Gartensalon einzuräumen“, sagt Aust. Einige Bilder sollen noch das Porträt von Immanuel Meinhold ergänzen, welches schon über der Tür hängt.

Gleich daneben hat ein ungewöhnlicher Ofen seinen Platz gefunden. Die Teile dafür lagen auf dem Boden des Hauses, bisher ungenutzt. Ungewöhnlich ist dieser Ofen, weil er einer der wenigen noch existierenden unglasierten Öfen ist. Drin knistert jetzt das Kaminholz und verbreitet wohlige Wärme.

Ein halbes Jahr lang war es hier kalt. Der Putz musste abgehackt werden. Salpeter hatte sich vom Sockel her breit gemacht. Die Fußbodendielung war von Würmern zerfressen. „Ich bin froh, dass wir uns für neue, dem Original ähnliche Eichendielen entschieden haben“, sagt der Winzer, der hier letzten Herbst beinahe mehr zugange war als im Weinberg.

Neue Elektrik ist verlegt, der Kristallleuchter aus Einzelteilen zusammengesetzt. Heimische Handwerker wie Ofenbaumeister Harald Herrmann und Steinmetz Ole Götzsche für die Außenarbeiten haben beim Sanierungswerk geholfen.

In Weinbergsidylle Ideen gesponnen

Denkmale herrichten kostet richtig Geld. Eine mittelgroße fünfstellige Summe hat der wichtigste Raum im Haupthaus des Weingutes verlangt, um wieder schön auszusehen und gut nutzbar zu sein. Fast die Hälfte gab es als Zuschuss aus dem Denkmaltopf. Alleine hätten wir das nicht geschafft, sagt Aust.

Gartensalon heißt der Raum nicht nur, weil sich die große Tür zum Garten hin öffnet. Er war und soll auch wieder ein Salon im guten hergebrachten Sinne sein. Hier trafen sich früher die Bürger der Gegend, auch um in der Weinbergsidylle Ideen zu spinnen. Um zu feiern, freilich auch.

Das möchte Friedrich Aust gern wieder so haben. „Nebenan in der Hoflößnitz die größeren Veranstaltungen, bei uns Konfirmationen, Feiern zur Taufe, vielleicht Gespräche zu Radebeuler Problemen, die in der hiesigen Atmosphäre leichter gelöst werden könnten. Offen sein für die Bürger, für vieles“, sagt der Hofbesitzer und schiebt neue Holzscheite in den Ofen.