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Der Gestank gehört dazu

Die Landwirte haben begonnen, Gülle auszufahren. Das kommt nicht immer gut an – ist allerdings notwendig.

© Dietmar Thomas

Von Eric Mittmann

Großweitzschen. Es müffelt einmal mehr in der Region. Weil Landwirtschaftsbetriebe damit begonnen haben, Gülle auf den um Zschepplitz liegenden Feldern auszufahren, haben sich Anwohner an den DA gewandt, um ihren Unmut über den Gestank kundzutun. „Wir befinden uns gerade in der Zeit, in der es Sinn macht, den Dünger einzusetzen“, sagte Torsten Krawczyk, Vorsitzender des Sächsischen Landesbauernverbandes dazu. „Im Grunde muss das bis Ende September erledigt sein, ansonsten ist es uns nur begrenzt im Herbst möglich, die Gülle zu versprühen.“ Er könne verstehen, dass der Geruch für Ärger sorgt. Gleichzeitig weißt Krawczyk jedoch darauf hin: „Was die Ökologie angeht, ist es genau das, was jeder möchte. Wir geben den Pflanzen und Tieren das Natürlichste, was es gibt.“

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Das bestätigt auch Martin Schmidt, Schulleiter und Leiter des Förder- und Fachbildungszentrums des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Döbeln. Das Ausfahren von Gülle sei Teil einer sogenannten Kreislaufwirtschaft. „Die Pflanzen produzieren Futter für die Tiere, die wiederum Dünger für die Pflanzen herstellen.“ Dieser müsse eingesetzt werden, wenn die Pflanzen ihn brauchen. Um dies zu garantieren, hätten die Bauern ihre Lagerkapazität bereits auf sechs Monate erhöht.

„Der Dünger darf nicht auf Schnee oder gefrorenen Böden aufgebracht werden, da er dort abgespült wird und den Pflanzen somit nichts nützt“, so Schmidt. Gleichzeitig seien Landwirtschaftsbetriebe auch darauf bedacht, die Gülle auszufahren, damit im Winter neuer Dünger gelagert werden kann. „Wenn die Lagerkapazität in diesem Sinne voll ist, muss die Gülle umgelagert werden, was wiederum Geld kostet.“

Dessen ist sich auch Catherine Pabst, Pflanzenbauleiterin der Mockritzer Agrarland Verwaltungsgesellschaft, bewusst. Das Unternehmen bewirtschaftet die Felder um Zschepplitz. „Wir müssen unsere Fässer leer bekommen, denn es kommt stets Dünger nach. Dazu beauftragen wir eine Firma, die Gülle auszufahren. Wann dies erfolgt, ist ihnen im Rahmen der gestzlichen Verordnungen überlassen.“

Sowohl Pabst, als auch Krawczyk und Schmidt erklärten, dass Dünger in der Regel nach der Ernte ausgefahren wird. Dies sei in diesem Jahr früher der Fall. Schuld daran ist die Trockenheit. „Die Bauern mussten vorzeitig mit der Ernte beginnen. Deswegen bereiten sie nun die Felder für den nächsten Anbau vor und setzen dabei auch Dünger ein“, so Schmidt. Wichtig sei ihm, dass auch der Dialog zwischen Bauern und Anwohnern gesucht wird. „Die Leute sollen die Landwirte einfach mal ansprechen, wenn es wieder zur Ausfahrt kommt. Die Landwirte denken sich schließlich auch etwas dabei, wenn sie den Dünger einsetzen und können das erklären.“

Die Aufbringung von Dünger ist in Deutschland bundeseinheitlich auf Grundlage des Düngegesetzes geregelt. Demnach sind Geruchsbelästigungen bei der Aufbringung nicht zu vermeiden.