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Der geteilte Gründerstab

Die Brüder Jakschik wurden mit Vaters Firma groß. Heute sind sie Chefs von ULT in Löbau – und Unternehmerpreis-Kandidaten. Am Donnerstag ist Einsendeschluss.

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© Matthias Rietschel

Von Susanne Sodan

Die Japaner legen Wert auf ihren Stil. „Es gibt dort Geschäfte, in denen man sich Brillen anfertigen lassen kann, die farblich zum Abendkleid passen“, erzählt Christian Jakschik. „Die Gestelle werden bedruckt, das geht ganz schnell.“ In solchen Filialen in Japan stehen Maschinen der Löbauer Firma ULT. Die Geräte sorgen dafür, dass die Farbe so schnell trocknet. Über 20 Jahre hat Christian Jakschik das Unternehmen ULT aufgebaut. Im vergangenen Jahr gab er es an seine Söhne Stefan und Alexander Jakschik ab. „Ich kann mich erinnern, wie es manchmal bei uns daheim gerochen hat“, erzählt Alexander Jakschik. „Irgendwie chemisch.“ Denn angefangen hat Vater Christian in der Garage seines Löbauer Hauses. „Ich hatte mit Filtertechnik für die Elektronikindustrie experimentiert“, erzählt er. Anfang der 90er-Jahre war das. „Dann hat es eben mal gerochen.“

Filtertechnik, die macht ULT noch immer. Nach den Garagenexperimenten quartierte sich ULT 1994 in Reichenbach ein und zog später nach Löbau. „Wir sind überall dort, wo besondere Luft gebraucht wird“, sagt Alexander Jakschik. In China, um die berühmten Terrakotta-Krieger von Staub zu befreien. Bei Instrumentenbauern, um Lötrauch abzusaugen. In der Sterne-Manufaktur in Herrnhut, um Klebstoffdämpfe aus der Luft zu entfernen. Kaffee etwa muss bei weniger als 25 Prozent Luftfeuchtigkeit verpackt werden. Auch dafür sorgen ULT-Maschinen. „Ich war so viel unterwegs – die Leute denken immer, ich hätte die ganze Welt gesehen“, sagt Christian Jakschik. „Aber in erster Linie habe ich in all den Ländern die Industriegebiete gesehen.“ Das überlässt er jetzt seinen Söhnen.

Stefan (40) und Alexander Jakschik (33) sind mit dem Unternehmen groß geworden. „Mit 18 war ich manchmal mit meinem Vater unterwegs“, erinnert sich Stefan Jakschik. „Ich musste dann immer lange im Auto oder in Restaurants sitzen.“ Und früher habe immer eine Regel gegolten: Sitzt Vater am Schreibtisch, herrscht Ruhe! „Ganz so stimmt das nicht“, hält Christian Jakschik entgegen und schmunzelt. „Meine Tochter durfte in meinem Arbeitszimmer sogar Klavier spielen.“ Sie ist heute Kirchenmusikerin. Auch die beiden Söhne haben erst mal etwas anderes gemacht. Beide studierten an der TU Dresden, Stefan Elektrotechnik, sein jüngerer Bruder Alexander Wirtschaft. Nach dem Studium arbeiteten beide in Dresdner Firmen „Ich wollte erst einmal woanders Erfahrungen sammeln“, sagt Stefan Jakschik. „Innerlich war mir klar, dass ich irgendwann zu ULT zurückgehen würde.“ 2011 war es so weit. Alexander Jakschik folgte 2014 in die Firma.

Ein großes Herz für Flüchtlinge

In Löbau sind die Brüder ein gutes Team: Alexander hat den Blick fürs Wirtschaftliche, Stefan den technischen Sachverstand. Zehn Patente hat ULT bisher angemeldet. Viele gehen auf das Konto von Stefan Jakschik. Streit? Gibt es nicht, sagen die beiden. „Wir diskutieren, klar. Aber bei uns knallen keine Türen“, sagt Stefan Jakschik. Deshalb zerteilte der Vater 2015 den Gründungsstab – und gab jedem seiner Söhne eine Hälfte. „Wenn mein Rat gefragt ist, gebe ich gerne welchen“, sagt Christian Jakschik. Er hat sich in den Aufsichtsrat zurückgezogen. „Ich habe endlich Zeit für die Enkel.“ Er kann jetzt verreisen – und wirklich etwas von den Ländern sehen. Außerdem hält er nichts davon, den Kindern nach Übergabe des Staffelstabes ins Handwerk zu pfuschen. Mittlerweile arbeiten über 70 Mitarbeiter in der Firma, die er einst aufbaute. Sie kommt jährlich auf ein Umsatzplus im zweistelligen Prozentbereich. Der neueste Mitarbeiter: Mohammed Ata Shik Ibrahem. Er kommt aus Syrien, aus Idlib. Eine Stadt nahe der türkischen Grenze, die stark zerstört ist. Dort hatte er Jura studiert, später auch an der Uni unterrichtet. Hier kann er damit nicht weitermachen. Die Gesetze, die gesamte Rechtslage, erzählt er, sei in Deutschland eine völlig andere. Er muss neu beginnen – mit einem Mechatronik-Studium. „Das interessiert mich, und es ist international“, sagt Mohammed. Erste praktische Erfahrungen sammelt er jetzt bei ULT. Seine neue Arbeit hat aber noch einen anderen Grund: „Ich brauche den Kontakt zu anderen Menschen. Und auf diese Weise lerne ich auch schneller Deutsch.“ Sein erstes deutsches Wort: kaputt. Gelernt hat er das allerdings nicht bei ULT.

Das Unternehmen engagiert sich schon seit Jahren für Flüchtlingskinder in Bautzen. Dort wohnen die beiden Brüder. „Außerdem scheint uns Bautzen ein geteiltes politisches Pflaster zu sein. Da wollen wir ein Zeichen setzen“, sagt Alexander Jakschik. Am Anfang hat ULT Füller für die Kinder gesponsert, mittlerweile auch andere Lehrmaterialien, Schulranzen zum Beispiel. Die Familie will darüber keinen Staub aufwirbeln. „Was normal ist, sollte normal bleiben“, sagt Alexander Jakschik.

Außerdem wurden unter anderem vorgeschlagen:

- Jeffrey Seeck von der Seecon Ingenieure GmbH, Leipzig
- Gunter Bindemann von der VSM Maschinen- und Anlagenbau GmbH, Großrückerswalde
- Uwe Bauch vom Softwarehersteller Community4you AG, Chemnitz
- Michael Glinka von der Tischlerei MPG GmbH, Leubsdorf
- Christopher Jöhren vom IT-Dienstleister Datom GmbH, Dresden
- Basel Fardi vom Softwareentwickler Intenta GmbH, Chemnitz
- David Hagemeister vom IT-Dienstleister Itacom GmbH, Oschatz
- Michael Klink vom Werkzeug- und Formenbauer µ-Tec GmbH, Chemnitz
- Margrit Weißig von der Reha-Klinik Rehasaulus GmbH, Großpostwitz
- Andreas Arzt vom Anbieter von Sporternährung Fitnesshotline GmbH, Auerbach
- Catrin Liebol vom Weiterbildungszentrum DPFA Akademiegruppe, Zwickau.

›› Bewerbungen um den Preis unter sz-unternehmerpreis.de

Der Preis „Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Gemeinschaftsinitiative von Sächsischer Zeitung und Freier Presse sowie von Volkswagen Sachsen, Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft PwC, Sachsen Bank und der Sparkassen-Versicherung Sachsen.