merken

Der Gipfel der starken Männer

Trump und Putin treten in Helsinki auf, als würden sie sich bestens verstehen. Konkrete Beschlüsse gibt es aber nicht.

© dpa

Von Maren Hennemuth, Theresa Münch und Friedemann Kohler, Helsinki

Die wohl mächtigsten Männer der Welt stehen vor ihren rot-blau-weißen Flaggen und verkünden die Stunde Null der amerikanisch-russischen Beziehungen. Das Verhältnis der weltgrößten Atommächte sei nie schlechter gewesen – bis vor ein paar Stunden, bis zu diesem denkwürdigen Treffen mit Wladimir Putin, sagt Donald Trump. Er nutzt die größtmögliche Bühne, um gegen die Russland-Ermittlungen in den USA zu wettern. Sie seien eine Katastrophe, wirkten sich negativ auf die Beziehungen der beiden Länder aus. Das sagt er, nachdem sein eigenes Justizministerium vor vier Tagen Anklage gegen zwölf russische Geheimdienstmitarbeiter erhoben hat.

Teppich Schmidt
Sieben Wohnwelten – ein Geschäft
Sieben Wohnwelten – ein Geschäft

Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Vor den Augen der Welt will Trump ein Thema abräumen, das seit seinem Amtsantritt wie ein Damoklesschwert über seiner Präsidentschaft hängt: Der Verdacht, Putins Geheimdienst könne bei Trumps Wahl seine Finger im Spiel gehabt haben. Und Trump nutzt die Vorlage: „Wir haben eine brillanten Wahlkampf geführt, und deshalb bin ich Präsident.“

Was die beiden nach ihrem ersten Gipfel auf großer Bühne sagen, wirkt wie eine Verbrüderung. Einmal rutscht Putin sogar ein „Donald“ raus. Die Inszenierung an diesem für Helsinki heißesten Tag seit Jahren erinnert zwar ein wenig an den Kalten Krieg: Die Staatschefs der großen Atommächte Russland und USA treffen sich auf neutralem Boden. Doch die beiden Präsidenten scheinen eine seltsame Verbundenheit, einen angesichts der Spannungen zwischen ihren Ländern ungewöhnlichen Respekt voreinander zu haben. Entschlossen scheinen sie zeigen zu wollen: Wir sind starke Männer – und wir verstehen uns. „Der Kalte Krieg ist vorbei“, betont Putin.

Trump scheint Putin jedes Mal großzügig das erste Wort zu lassen. Putin lächelt. Der Ex-KGB-Agent hat den US-Präsidenten bei der Ankunft erst mal warten lassen. Danach wartete Putin im Präsidentenpalast auf Trump. Zeit ist ein Teil des Machtspiels. Beim Hinsetzen spreizt Putin die Beine und bleibt selbstbewusst wortkarg. Trump dagegen kommt ins Reden. Wie angespannt er ist, sieht man, als er sich kurzzeitig mit beiden Händen am Jackett festkrallt.

Trump behandelt seinen russischen Kollegen betont auf Augenhöhe. Etwas, das er bei Angela Merkel und Theresa May zuletzt nicht tat. Die deutsche Kanzlerin und die britische Premierministerin degradierte und demütigte er, die anderen Nato-Partner trieb er in Brüssel vor sich her. Mit Putin geht er anders um – und steht dabei im Widerspruch zu seiner eigenen Regierung. Die verhängt Sanktionen, weist Diplomaten aus, liefert Waffen an die Ukraine, warnt und kritisiert Moskau, so wie es eigentlich Tradition ist unter Republikanern.

In vielem scheinen Trump und Putin aus gleichem Holz. Beiden haben einen starken Hang zur Autokratie und zu populistischen Reflexen. „Erzfreunde oder beste Feinde“, schreibt eine russische Zeitung.

Inhaltlich steht bei diesem Gipfel am Ende wenig. Die großen Probleme bleiben, eine konkrete Annäherung in zentralen Punkten ist nicht erkennbar: An der russischen Rolle im blutigen Bürgerkrieg in Syrien wird sich genauso wenig ändern wie an der Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine. Washingtons Sanktionen bleiben in Kraft, das russische Konsulat in Seattle geschlossen, das amerikanische in St. Petersburg ebenso.

Aber Putin kann das Treffen trotzdem als Erfolg zu verkaufen. Schon die Tatsache, dass es überhaupt zu einer Pressekonferenz kam, die Flaggen beider Länder nebeneinander standen als ebenbürtige Partner, ist ein Punktsieg.

Trump hingegen erntet selbst aus den Reihen der Republikaner Kritik. Der konservative Senator Lindsey Graham spricht von einer „verpassten Chance“, Russland zur Rechenschaft zu ziehen. Republikaner Jeff Flake erklärt, er habe es nie für möglich gehalten, dass eines Tages ein amerikanischer Präsident zusammen mit seinem russischen Amtskollegen auf einer Bühne stehe und die USA für russische Aggressionen verantwortlich mache. Den Schlusspunkt setzt Trump dann so, wie er das auch stets auf Twitter tut. Er schleudert ein „Hexenjagd“ in den Raum. Und geht lächelnd ab. Neben seinem neuen Freund. (dpa)