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„Danke Angela“

Die Bundeskanzlerin kann sich auch in der Flüchtlingspolitik auf ihren glühendsten Anhänger verlassen. Serbiens Regierungschef verteidigt sie ohne wenn und aber gegen alle Kritiker.

© dpa

Von Thomas Brey

Belgrad. Jahrzehntelang war Deutschland im Balkanland Serbien ein rotes Tuch. Während der Kriegszeiten in den 90er Jahren wurde es gar verdächtigt, sich mit Hilfe „des Vatikans und Österreichs“ bis zur Adria ausdehnen zu wollen. Doch die Zeiten haben sich gewaltig geändert. Kein böses Wort mehr. Ganz im Gegenteil. Offene Bewunderung. Und weil das besonders für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gilt, werden ihre Kritiker in der Flüchtlingspolitik barsch in die Schranken gewiesen.

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Schauen, beraten lassen, mit dem Bauherren sprechen. Am 25. Oktober findet eine Baustellenbesichtigung in Döbeln statt.

Es sei „heute in Mode“, Merkel zu kritisieren, sagte Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic gerade auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. „Aber auch wenn ich der einzige hier gewesen bin, der positiv über Merkel geredet hat, ich werde daran nicht teilnehmen“, steht der zu Hause alles beherrschende Spitzenpolitiker felsenfest an Kanzlerins Seite. Schließlich sei sie es gewesen, die auf dem Balkan während des Flüchtlingsansturms dafür gesorgt hat, dass die zerstrittenen Nachbarn nicht wieder aufeinander losgingen.

Wahrscheinlich kann Flüchtlingskoordinator Peter Altmaier es nicht besser ausdrücken: „Ich habe in letzter Zeit viel Kritik an Merkel gehört“, sagte Vucic jetzt Zeit Online: „Ja, es gab sogar Beschimpfungen. Das ist ungerecht. Das ist falsch. Merkel hält die europäischen Werte hoch. (...) Es gibt keine Alternative zu ihrer Politik.“ Kurz zuvor ganz ähnlich im Handelsblatt: „Ich bewundere Deutschland und die skandinavischen Länder“ und „Merkel ist die wirklich führende Persönlichkeit in Europa“.

Als Vucic vor fast zwei Jahren seine Regierung vorstellte, sollte die funktionieren „wie Bayern München“. Später wollte er den „serbischen Mercedes“ in Belgrad produzieren lassen. Gern zitiert der 45-Jährige den deutschen Soziologen Max Weber und preist die protestantische Arbeitsmoral als Vorbild für seine Landsleute. Im Gegenzug bekommt er nach eigener Darstellung aber auch Zuwendung retour. „Danke, Angela Merkel, dass sie die Wirtschaftsreformen in Serbien schätzt“, sagte er nach dem letzten Besuch der Kanzlerin im Juli in Belgrad.

Selbst zur Festigung seiner Position in der Heimat taugt die besondere Beziehung zur Kanzlerin: „Das ist eine Ehre für Serbien und eine Genugtuung für mich persönlich“, sagte er im Sommer, denn: „Das ist der Beweis, dass ich gut und zielgerichtet gearbeitet habe, während man sich in Serbien darüber lächerlich macht.“ Auf der anderen Seite findet er es „schlimm“, dass viele EU-Mitglieder gern Geld aus Brüssel angenommen haben, jetzt aber keine Lasten übernehmen wollen.

„Serbien ist ein verlässlicher Verbündeter Deutschlands“, schaut Vucic in die Zukunft. Schließlich „hätten wir es nicht geschafft“, ohne Deutschland im letzten Dezember die ersten zwei Kapitel der EU-Beitrittsverhandlungen zu öffnen, bedankt er sich, denn „Merkel hat ihr Wort gehalten“. (dpa)