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Der Großenhainer Lufthansa-Pilot

Robert Mittmann ist schon vor 12 Jahren bei Kilian Air Rundflüge mit Gästen geflogen. Nun hat er hier einen guten Ruf.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Hallo, Herr Lufthansa-Pilot!“ So wird der 33-jährige Robert Mittmann nun öfter in Großenhain angesprochen. Seit er das Haus in der Schlossstraße 8 saniert, und seit bekannt ist, dass er bei Lufthansa Cargo arbeitet, grüße man ihn freundlich, sagt Robert Mittmann schmunzelnd. Wenn ihm das hilfreich ist, lässt es sich der sympathische Dresdner gern gefallen. Für die Haussanierung können Helfer und Unterstützung ja nicht schaden.

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Sechs Wochen lang wurde in der Schlossstraße erst einmal nur abgerissen. „Jetzt sehen wir langsam Licht“, meint der Bauherr. Der Trockenbau beginnt, die geforderten neuen Holzfester für die Straßenseite werden angeliefert, der Abwasseranschluss ist gelegt. „Im August will ich mit dem Vorderhaus fertig sein“, sagt der Dresdner. Zwei Wohnungen mit neuen Balkons wird er vermieten, dafür klingelte bei ihm schon mancher Interessent. Das Dachgeschoss ist für ihn selbst reserviert. Das war schließlich auch der Grund, warum der junge Mann, der ein Haus in Nickern bewohnt, das Gebäude in Großenhain kaufte. Robert Mittmann ist auch Fluglehrer auf dem hiesigen Flugplatz bei der Fly academy. „Ich mache Sie vom Fußgänger zum Privatpiloten“, scherzt der 33-Jährige. Für diesen Job ist eine Bleibe in der Stadt von Vorteil.

Täglich mit der Cessna unterwegs

Schon 2006 war Robert Mittmann im Besitz einer Pilotenlizenz. Täglich ist er damals für den einstigen Flugplatzbetreiber Kilian Air Rundflüge mit Gästen in einer kleinmotorigen Cessna geflogen. „Nach dem Abitur bin ich zur Bundeswehr, weil ich unbedingt eine Flugausbildung machen wollte“, erzählt der Pilot. Seine Mutter ist mit ihm als Kind bei einem Flugplatzfest in Kamenz gewesen, das hat ihn so fasziniert, dass der Berufswunsch entstand. Später baute er Flugzeugmodelle zusammen und lernte den Segelflug in Pirna.

Allerdings war ihm auch klar, dass sein Berufsziel hohe Anforderungen stellt. „Die Durchfallerquote bei der Aufnahme liegt bei 95 Prozent“, sagt Robert Mittmann. Er hat es geschafft und ging auf die Lufthansa-Berufsflugschule Bremen. Seine Ausbildung brachte ihn sogar nach Arizona in die Vereinigten Staaten. Dann kam vor zwölf Jahren die Kilian-Zeit, dann ein Jahr Dienst bei der Lufthansa-Tochter City Line in Hamburg. Schließlich landete Robert Mittmann bei der Lufthansa Cargo in Frankfurt/Main. Doch dort leben, das wollte er nicht. Das sei nicht seine Welt, sagt er.

Im Monat absolviert Robert Mittmann drei bis vier Interkontinental-Einsätze. „Das geht von Tagestouren bis zu einer Woche am Stück“, erzählt der Pilot im Rang eines Senior First Officers. Wo es hingeht, das kann er sich meist aussuchen. Doch was er dann im Flugzeug hat, das weiß der Pilot oft nicht. „Es sei denn, es sind Pferde, dann riecht man es“, witzelt Mittmann.

Der Dienstplan lässt ihm allerdings viel Zeit zum Bauen. Gerade ist er die ganze Woche in Großenhain, um mit Freunden auf seiner Baustelle zu werkeln. Vieles machen die Handwerker selbst. Auch Bernd Fiedler von der Flugplatzleitung hilft. „In einer Kleinstadt geht das prima, in Dresden müsste ich mich immer hinten anstellen“, weiß der Bauherr.

Trotzdem zieht es ihn bald wieder in die Lüfte. Er könnte es sich nicht vorstellen, in einem Büro zu arbeiten. Reizvoll sei es natürlich, im Winter in den warmen Süden zu fliegen. Russland sei allerdings seine Lieblingsdestination, so Robert Mittmann, Er macht demnächst sogar noch mal eine Russisch-Weiterbildung. Überhaupt seien Transportpiloten wie er „die Traktoren unter den Fliegern“. Wohl deshalb kann der Dresdner ordentlich zupacken und ist sich auch für den Hausbau selbst nicht zu schade.