Teilen:

„Der GSG-9-Einsatz war überzogen“

© dpa

Die Freien Wähler Freital äußern sich zum Terrorprozess gegen die Gruppe Freital – und greifen eine Stadtratskollegin scharf an.

Freital. Die Freien Wähler Freital stehen hinter den Aussagen von Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) anlässlich des Prozesses um die mutmaßliche Terrorgruppe Freital. Der OB hatte zu Beginn des Prozesses eine lückenlose Aufklärung der Taten gefordert und vor Pauschalisierungen der Freitaler gewarnt. Die Freien Wähler schließen sich den Aussagen an, gehen in einem offenen Brief aber noch weiter.

Dass die Spezialeinheit GSG 9 die Täter verhaftete und nun in einem für fünf Millionen Euro erbauten Gerichtssaal verhandelt wird, „erscheint den meisten Freitaler Einwohnern sowie auch den Freien Wählern als überzogen“, sagt Frank Gliemann, Fraktionschef der Freien Wähler im Stadtrat. Außerdem sprechen sich die Freien Wähler für ein Vorgehen gegen alle gewaltbereiten Menschen aus, so auch gegen Autonome. Wer Geschäftsleute bedrohe und beschimpfe, durch Freital „Deutschland verrecke!“ skandiere, den müsse die Härte des Gesetzes ebenso treffen.

Die Freien Wähler distanzieren sich zudem von einem Artikel im Magazin Stern. Darin kommen die Grünen-Stadträtin Ines Kummer und Steffi Brachtel von der Organisation für Weltoffenheit und Toleranz zu Wort. Die Festnahmen durch die GSG 9 seien Rettung im letzten Moment gewesen. Vielen hätten gewusst, dass sich an der Aral-Tankstelle die „Hobby-Hitler“ treffen, wird Ines Kummer zitiert. Mit ihren Äußerungen würde sie der Stadt schaden, heißt es von den Freien Wählern. Als Stadträtin habe sie geschworen, sich zum Wohle der Stadt einzusetzen. „Für ein solches Verhalten darf Frau Kummer durchaus mit Rücktrittsforderungen rechnen“, so Gliemann.

Die Grünen zeigten sich am Donnerstag empört über die Stellungnahme der Freien Wähler. Stephan Trutschler, Vorsitzender des Grünen-Regionalverbandes, wirft ihnen Verdrängungskultur vor. Dass die Freien Wähler darauf verweisen, dass der mutmaßliche Rädelsführer ein Hamburger war, sei billig. Zudem würden die Freien Wähler mit keinem Satz auf die Verwicklungen ihres Banknachbarn im Stadtrat, Dirk Abraham von der NPD, eingehen. Stattdessen „wegschauen, ignorieren, totschweigen! Schuld sind natürlich ausnahmslos diejenigen, die auf die Missstände hinweisen und eben ganz konsequent nicht wegschauen“, sagt Trutschler. (SZ/cb)