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Der Herr der Posaune

Zum Evangelischen Posaunentag in Dresden werden rund 20 000 Musiker erwartet. Ein Freitaler organisiert das Treffen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Dorit Oehme

Ein kleines Schild am Briefkasten verrät die vielen Arbeitskontakte. Klaus Geiger, der mit seiner Frau Christine etwas versteckt in Freital-Burgk wohnt, ist rund 150 Tage im Jahr für den Bund Christlicher Posaunenchöre Deutschlands unterwegs. Der Zusammenschluss verschiedener freikirchlicher Posaunenchöre hat 1 800 Mitglieder. Sie und andere Musiker sind dabei, wenn der zweite Deutsche Evangelische Posaunentag am 3. Juni auf dem Dresdner Neumarkt vor der Frauenkirche und synchron auch auf dem Altmarkt vor der Kreuzkirche eröffnet wird. Als stellvertretender Bundesvorsitzender steckt Geiger gerade mitten in den Vorbereitungen.

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„Seit einem Dreivierteljahr üben die Posaunenwarte mit den Bläsern schon das Repertoire für das dreitägige Treffen“, sagt Geiger. Auch die Posaunenchöre der Evangelisch-Lutherischen Kirchen aus Freital und Bannewitz und alle anderen Teilnehmer aus ganz Deutschland und von den Partnerwerken im Ausland proben für das große Fest. Insgesamt rund 18 500 Bläser reisen mit Trompete, Posaune, Horn oder Tuba an. Fast 4 500 Posaunenchor-Enthusiasten ohne Instrument begleiten sie.

Der Posaunentag soll das mit Abstand weltweit größte Bläsertreffen werden. Schon der erste Deutsche Evangelische Posaunentag hat es 2008 ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft: „Damals spielten zum Abschlussgottesdienst 18 000 Bläser im Leipziger Stadion.“ Klaus Geiger kümmerte sich als Vorsitzender des Organisationsausschusses um den reibungslosen Ablauf des Leipziger Posaunentages. Bei ihm liefen auch schon bei der vierjährigen Vorbereitung alle Fäden zusammen. Hauptberuflich arbeitete er dabei noch im Evangelisch-Freikirchlichen Martin-Luther-King-Haus in Schmiedeberg. Hier war er auch stellvertretender Bürgermeister, ehe er in den Ruhestand ging und nach Freital gezogen ist.

Der Reiz der Posaune

Seine Erfahrungen sind auch jetzt gefragt. Ganz speziell ist er für die Unterbringung und das Frühstück von mehr als 3 000 Bläsern in den Dresdner Schulen verantwortlich. Zahlreiche Privatquartiere fehlen noch. Für 400 Teilnehmer sei bisher kein Obdach gefunden. „Eine ganze Woche lang packen wir in Dresden jetzt die Unterlagen für die Teilnehmer. Darin steht auch, wo sich jeder zum Morgenblasen einfinden soll.“ An 100 Plätzen der Stadt werde früh für die Dresdner und Gäste musiziert. Wer eins der 19 Abendkonzerte am 3. Juni oder der 27 Konzerte am 4. Juni in den Kirchen der Stadt erleben möchte, sollte sich gut informieren. Etliche sind ausgebucht. Doch auf vielen Bühnen der Stadt erklingt auch Musik im Freien. Ein Höhepunkt wird die abendliche Serenade am Königsufer und der Brühlschen Terrasse am 4. Juni sein. Am 5. Juni wird dann der Abschluss-Festgottesdienst im DDV-Stadion gefeiert.

Wann Geiger auf seiner Posaune spielt, weiß er noch nicht. „Das Organisieren geht vor.“ Mit neun Jahren hat der heute 71-Jährige, der aus Lichtenstein im Erzgebirge stammt, auf der Trompete angefangen. Mit 20 wechselte er zur Posaune. „Der Ton ähnelt dem der Trompete. Er ist aber tiefer. Man kann sie laut und volltönend spielen, aber auch weich und gefühlvoll.“ Im Spiel mit anderen Blechblasinstrumenten mache die Mischung der Musikstile den Reiz aus. Das Besondere bei Posaunenchören sei, dass Alte und Junge, Frauen und Männer zusammen musizieren, betont Geiger.

Das Motto des Posaunentages heißt „Luft nach oben“. „Luft ist der Tonträger unserer Musik. Wir spielen zur Ehre Gottes“, sagt Klaus Geiger. Die Teilnehmer seien sonst oft in kleinen Gruppen aktiv. Zusammen mache es mehr Spaß. Wer einmal dabei war, vergesse das nicht. „Es werden Freundschaften fürs Leben geschlossen. Der Glaube wird gestärkt. Deswegen ist mir diese Arbeit wichtig.“ Der Posaunentag leitet die Feierlichkeiten zum 500. Jubiläum des Beginns der Reformation ein.

Die Theologin Margot Käßmann hat als Botschafterin der Evangelischen Kirche für das Reformationsjubiläum 2017 auch die Schirmherrschaft über den Posaunentag übernommen. Startrompeter Ludwig Güttler ist der Sonderbotschafter des Großereignisses.

„Wenn alles fertig ist, wird man so beschenkt. Das wiegt alles auf“, sagt Klaus Geiger, der sich seit 1977 für Posaunenchor-Treffen engagiert. Für die gesamtdeutsche Arbeit aller Posaunenwerke habe er sich nach der Wende mit eingesetzt. „In Westdeutschland gab es das nicht. Aber die Mühe hat sich gelohnt, sonst gäbe es auch keine gemeinsamen Posaunentage.“

Informationen zum Evangelischen Posaunentag in Dresden gibt es hier.