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Der Herr der Ringe

PTFE kennen die meisten nur als Teflon. Doch mit Bratpfannen und Kochtöpfen hat das Geschäft der PTFE in Großenhain wirklich nichts zu tun.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Birgit Ulbricht

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Großenhain. Andreas Madaus hat sie in allen Größen. Winzig klein und leicht, dass sie fast von der Hand hüpfen und riesige auf Gabelstaplern liegend: Kunststoff-Ringe. Freilich fertigt die PTFE Competence Center GmbH am Großenhainer Flugplatz auch andere Teile als Dichtungsringe, aber Dichtungsteile in allen Variationen machen eben einen großen Teil des Warensegments aus.

Die großen Messpyramiden sind konisch. So können die Teile bis aufs jeweilige Maß herunterrutschen. An einer Skala ist das Maß ablesbar.
Die großen Messpyramiden sind konisch. So können die Teile bis aufs jeweilige Maß herunterrutschen. An einer Skala ist das Maß ablesbar. © Klaus-Dieter Brühl
Der geschäftsführende Gesellschafter der PTFE Competence Center GmbH Andreas Madaus erklärt in der Produktionshalle des Unternehmens an einem Stück PTFE-Halbzeug-Rohr die Verarbeitung des Kunststoffs.
Der geschäftsführende Gesellschafter der PTFE Competence Center GmbH Andreas Madaus erklärt in der Produktionshalle des Unternehmens an einem Stück PTFE-Halbzeug-Rohr die Verarbeitung des Kunststoffs. © Klaus-Dieter Brühl

Das Verrückte daran, der Laie würde wahrscheinlich auf Anhieb gar nicht wissen, woraus die unzähligen Teilchen und Teile bestehen – aus Teflon. Da denkt jeder zwangsläufig an Bratpfanne und Kochtopf. Doch damit hat das neue Werk, das seit Dezember mit 30 Mitarbeitern seine Arbeit aufgenommen hat, nichts zu tun. Denn Polytetrafluorethylen (PTFE) wird zwar umgangssprachlich oft Teflon genannt, doch das ist genau genommen der geschützte Handelsname der Firma DuPont.

Viele Mitarbeiter sind mitgegangen

Mit dem Kunststoff PTFE arbeiten dagegen viele. Unter anderem das neue Competence Center in Großenhain. Die Firma hat ihren Sitz von Seerhausen komplett hierher gelegt und neu gebaut. Doppelt so groß sind die Firmenräume und Hallen jetzt wie am alten Standort, und bei einer Gesamtfläche von zwei Hektar hat die Firma jederzeit die Option, zu erweitern. Selbst ein Aufstocken des Firmengebäudes ist möglich. Die meisten Mitarbeiter sind von Seer- hausen mit nach Großenhain gegangen. Einige kommen jetzt aber auch aus Großenhain oder Süd-Brandenburg. Die klassische Palette von CNC-Fräsern, Feinmechanikern und anderen Berufen findet sich hier. Quereinsteiger sind fast alle, kaum einer hat ursprünglich eine Ausbildung mit Kunststoff.

Lexikon

PTFE wurde 1938 von dem Chemiker Roy Plunkett entdeckt. Er suchte eigentlich nach Kältemitteln für Kühlschränke mit Tetrafluorethylen (TFE) und entdeckte die kleinen weißen Krümel – den Kunststoff PTFE.

Später beschichtete der französische Chemiker Marc Grégoire seine Angelschnur mit PTFE, um sie leichter entwirren zu können. Seine Ehefrau Colette kam auf die Idee, Töpfe und Pfannen damit zu beschichten, wofür sie 1954 zusammen mit Georgette Wamant ein Patent erhielt.

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Dabei ist es schon ein Problem, die Rohlinge voreinander zu unterscheiden. Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff, und anders als Metall verhält sich das Material beim Bearbeiten allemal. Die Firma steckt daher einige Mühe in die Qualifizierung der Mitarbeiter. Das lässt schon allein ahnen, in welchem Umfang solche Kunststoffteile gefragt sind. Das Werk fertigt nicht nur ausschließlich auf Kundenwunsch Teile für den Maschinenbau, Medizintechnik, Chemieanlagen oder Armaturenbau. Die Experten mixen auch selbst eigene Rezepturen, um die Eigenschaften des Werkstoffs zu erreichen, die der Kunde jeweils möchte. Denn PTFE wird nicht nur flächendeckend, sondern vor allem in hochsensiblen Bereichen eingesetzt. Wo immer Säuren oder Salze transportiert oder weiterverarbeitet werden, ist garantiert irgendwo PTFE eingesetzt, weil es ungewöhnlich beständig ist. Das, was der Volksmund Teflon eben nachsagt. Doch wo ein Stoff so resistent gegen Einflüsse aller Art ist, da macht er genauso Probleme, wiederverwertet zu werden. Derzeit gibt es international gerade ein Pilotprojekt, Recycling von PTFE zu erforschen. Grundsätzlich ist die Herstellung von PTFE aber immer noch eine Einbahnstraße. Altteile werden lediglich zur Energiegewinnung in die Hochtemperaturverbrennung weitergegeben. Eine echte Rückgewinnung des Materials gibt es noch nicht. Daran wird international getüftelt.

Doch da PTFE nur eine kleine Kunststoffsparte im Markt ist, wird in dieses spezielle Thema wenig Geld investiert. „Das ist wie in der Pharmaindustrie. Die forscht zu seltenen Krankheiten auch weniger als zu weit verbreiteten“, vergleicht Andreas Madaus das grundsätzliche Problem. Denn anders als andere Kunststoffe, basiert PTFE nicht auf Erdöl, sondern wird aus Flussspat hergestellt. Ein Fluorit, das auch als Flussspat oder ganz korrekt Calciumfluorid bezeichnet wird. Die größten Vorkommen des Ausgangsstoffes liegen in China. Europäische Firmen kaufen die Rohware meist als Halbzeug. Ein Unterfangen, das am Markt immer schwieriger wird. Denn die Chinesen sind längst darauf gekommen, nicht nur Rohstoffe zu verkaufen, sondern die Veredlung selbst zu übernehmen.