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Der himmlische Patient

Wie Helfer einen auf der Autobahn verunglückten Mäusebussard gesund pflegen.

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Von Dieter Hanke

Es ging ums Ganze: „Wir waren froh, dass das Tier den ersten Tag überstand“, sagt Karsten Schlüter. „Das ist sehr wichtig bei so einem schweren Unfall.“ Schlüter weiß so etwas. Der Mann ist Kreisbrandmeister, und vor Kurzem war er eine der Hauptpersonen einer dramatischen Rettungsaktion.

Es war auf der Autobahn A14. Zwischen den Anschlussstellen Nossen Ost und Nossen Nord prallte ein stattlicher Mäusebussard gegen ein Auto – vermutlich ein Lkw. „Der Greifvogel lag am Fahrbahnrand und konnte nicht mehr fliegen“, erinnert sich Polizeioberkommissar Carsten Gürtler von der Autobahnpolizei. Der 36-Jährige war gerade mit seiner Kollegin Manuela Forstmeier auf einer Kontrollfahrt, als sie auf das übel zugerichtete Tier trafen. Ein Auge war stark geschwollen, der Kopf hing schief. An ein Aufrichten des Vogels war nicht zu denken. Da es mit dem Anruf bei einem Tierheim nicht klappte, verständigten die Polizisten Karsten Schlüter und orderten über Funk ein zweites Polizeifahrzeug mit einem Transportbehälter. Mit einer Decke wurde der Greifvogel derweil auf dem Standstreifen der A14 zugedeckt, bis Jäger Schlüter mit seinem Geländewagen kam.

„Mäusebussarde sind streng geschützt. Wir wollten sein Leben retten“, sagt er nun. Er brachte das Tier an jenem Tag zu einem Freund. Dort gab es Wundbehandlungen für das Auge und Lammfleisch für den vom Himmel gefallenen Patienten. Immer wieder. Mehr als zwei Wochen lang. Nach einiger Zeit konnte der Greifvogel Ausflüge im Garten unternehmen. Zwar hüpfend nur, aber immerhin.

Mäusebussarde sind normalerweise kräftige Vögel. Dieser hier kommt auf eine Flügelspannweite von ungefähr einem Meter. Irgendwann war er wieder stark genug. Er schwang sich in die Luft und verschwand. „Wenn die Polizisten nicht so schnell reagiert hätten, hätte das Tier keine Chance gehabt zu überleben“, sagt Schlüter jetzt. Er möchte deshalb den Beamten von der Autobahnpolizei danken.

Woher der Verunfallte kam, bleibt allerdings unklar. Es sei nicht feststellbar gewesen, ob der Greifvogel im Herbst aus Skandinavien zum Überwintern herkam oder ob es sich um ein Tier handelt, das in der Region bleibt. Tatsache sei aber, dass sich die Population von Mäusebussarden in der Gegend um Nossen, Heynitz, Miltitz, Krögis und Rothschönberg in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat. Das sei auch auf die gute Hege der Jäger zurückzuführen. Selbst deutschlandweit hat das Gebiet im Landkreis Meißen bei Ornithologen und Naturfreunden einen exzellenten Ruf. Immerhin: Neben dem Mäusebussard sind hier Greifvögel wie Milane, Habicht oder die Rohrweihe anzutreffen.