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Der „Hurricane“ tobt nicht mehr

Der frühere Boxer Rubin Carter ist tot. Als Rassismus-Opfer erlangt er traurige Berühmtheit.

© Reuters

Von Jürgen Magh

Als die Nachricht vom Tod des ehemaligen Profiboxers Rubin „Hurricane“ Carter um die Welt ging, war Oscar-Preisträger Denzel Washington tief ergriffen. „Er war die pure Liebe. Man hat ihm rund 7 300 Tage seines Lebens gestohlen, trotzdem hat er viel Liebe empfunden“, sagte der Schauspieler. 1999 hatte Washington die Hauptrolle im Film „Hurricane“ übernommen und Carters Leben in Szene gesetzt. Dieser war 1966 wegen dreifachen Mordes verurteilt worden – unschuldig, wie sich später herausstellen sollte. Erst nach 19 Jahren Haft wurde Carter entlassen, am Sonntag starb er im Alter von 76 Jahren in Toronto an Prostatakrebs.

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Der Fall Rubin Carter war einer der größten Justizskandale in den USA. Die 60er-Jahre waren in den Staaten geprägt von tief sitzendem Rassismus. In dem Prozess bestand die Jury ausschließlich aus Weißen. Carter und sein Freund John Artist wurden für schuldig befunden, drei Weiße in einer Bar in Paterson/New Jersey ermordet zu haben. Das Urteil lautete „dreimal lebenslänglich“, es basierte auf Aussagen zweier Krimineller. Beweise gab es nicht, weder Fingerabdrücke noch Tatwaffen. Carter beteuerte stets seine Unschuld.

In den USA sorgte das Urteil für gewaltiges Aufsehen. Unterstützung im Kampf für sein Recht erhielt Carter von zahlreichen Prominenten wie Box-Idol Muhammad Ali, der ihm einen WM-Kampf widmete, oder Songschreiber Bob Dylan, der für ihn den Hit „Hurricane“ schrieb. Mehrmals wurde das Verfahren neu aufgerollt. So auch 1976. Zuvor hatten die beiden Belastungszeugen einem Journalisten gestanden, gelogen zu haben. Vor Gericht jedoch zogen sie ihre Aussagen zurück, Carter blieb in Haft. Erst 1985 wurde er nach der Vorlage neuer Indizien freigesprochen.

Nach seiner Freilassung siedelte Carter nach Toronto um. Dort setzte er sich für zu Unrecht Verurteilte ein. „In den ersten 49 Jahren meines Lebens war ich in der Hölle, in den folgenden 28 Jahren im Himmel. In einer Welt zu leben, in der die Wahrheit zählt und Gerechtigkeit – wenn auch spät – herrscht, diese Welt wäre für uns alle Himmel genug“, sagte Carter über sein Leben. Zahlreiche Box-Weltmeister huldigten seinem Kampf für Gerechtigkeit. „Wir haben heute einen großen Mann verloren, er war ein Symbol für das Unrecht als Folge des Rassismus“, twitterte Mike Tyson.

Im Ring hatte es Carter nicht zum Weltmeister gebracht. Von 40 Kämpfen gewann er 27. Für den Boxer Carter war dieser Rekord Mittelmaß, dafür hatte er als Bürgerrechtler umso höhere Qualitäten. (sid)