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Der jüngste Fleischermeister

Max Münch aus Lommatzsch träumte von der Nationalmannschaft. Vielleicht gelingt ihm das jetzt, wenn auch nicht als Fußballer.

© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Lommatzsch. Max Münch hat etwas getan, was eigentlich gar nicht geht. Als Fußballer spielte er gleich bei drei Leipziger Vereinen: den Erzrivalen Chemie und Lok und dem Emporkömmling RB. „Zu Chemie Leipzig gehörten die Jugendmannschaften von Markranstädt. Als RB Leipzig Markranstädt übernahm, gehörte auch ich automatisch zu RB“, sagt er fast entschuldigend. Und wie jeder, der die Töppen schnürt, träumte auch er den Traum eines Fußballers: Er wollte einmal in der Nationalelf spielen. Doch eine schwere Sprunggelenksverletzung ließ den Traum frühzeitig platzen. Nach einem dreiviertel Jahr Verletzungspause kickte er noch eine Weile bei Lok. Doch es wird nicht besser. Er musste seine Fußballerlaufbahn beenden. Dafür kann er sich umso intensiver seiner beruflichen Entwicklung widmen.

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Dass der Lommatzscher überhaupt in Leipzig spielte, hat etwas mit seiner Ausbildung zu tun. Denn er lernte in der Messestadt Koch. Insgesamt fünf Jahre lebte er in Leipzig. Nachdem er am Sportgymnasium in Riesa sein Abitur gemacht hatte, arbeitete er im „Marci“, einem Bio-Restaurant. „Das war gehobene Küche, der Küchenchef kam von den Seychellen. Bei ihm habe ich viel gelernt“, sagt der 24-Jährige. Danach geht er nach Österreich, arbeitet im Zillertal ebenfalls als Koch. Kehrt dann nach Lommatzsch zurück und macht das, was er schon immer wollte, wechselt von der Spitzengastronomie zum Fleischerhandwerk, macht, was sein Vater Andreas Münch, sein Großvater und sein Urgroßvater taten. „Es war von Anfang an geplant, hier wieder herzukommen“, sagt er.

Meisterbrief fehlt noch

Nach einer Fleischerlehre im Betrieb des Vaters qualifiziert er sich zum Meister. Der Lehrgang ist hart. Elf Wochen dauert der Vorbereitungskurs an der Fleischerfachschule Landshut. Sechs Tage in der Woche jeweils von 8 bis 17 Uhr ist Unterricht. Gemeinsam mit 39 Männern und zwei Frauen aus Deutschland und Österreich legt er erfolgreich seine Meisterprüfung ab. Damit ist Max Münch der jüngste Fleischermeister in Lommatzsch und einer der jüngsten in der Region. Drei Meisterbriefe hängen im Geschäft, seiner fehlt noch. „Es muss noch der passende Rahmen besorgt werden. Alle sollen schließlich gleich aussehen“, sagt er und lacht.

Im Lommatzscher Ladengeschäft hängen noch weitere Urkunden. Sie künden von 13 Goldmedaillen und einer Silbermedaille, die Erzeugnisse aus der Fleischerei erhielten. Vor allem sächsische Knacker, Schinken und Bratwurst, von der es zehn Sorten gibt, gehören zu den Spitzenprodukten, die nicht nur bei den Kunden beliebt sind, sondern auch die Juroren überzeugten. Wenn es nach Max Münch geht, sollen künftig noch weitere Goldmedaillen hinzukommen. Ideen hat er jede Menge. Roastbeafröllchen beispielsweise gehören dazu. „Wir wollen unseren Kunden etwas Besonderes bieten, Produkte, die es nicht an der Fleischtheke im Supermarkt gibt“, sagt der frisch gebackene Fleischermeister. Für gute Ware seien die Kunden auch bereit, mehr Geld auszugeben.

Die Münchs können sich auf ihre Stammkunden verlassen. Aber nicht nur das. Zwar kaufen vor allem ältere, eingesessene Lommatzscher bei dem letzten Fleischer, der noch in der Stadt selbst produziert, doch es kommen auch zunehmend junge Leute, sagt Max Münch. „Viele leisten sich heute ein gutes Stück Fleisch, kaufen bei uns auch Grillprodukte, weil sie wissen, dass sie frisch sind und schmecken“, sagt der 24-Jährige.

Die Umstellung von der Gastronomie zum Fleischerbetrieb war für ihn schon groß. Einst ging bei ihm die Arbeitszeit erst am Vormittag los und duaert bis weit in die Nacht. Jetzt klingelt in Nossen, wo er mit seiner Freundin wohnt, exakt um 3.41 Uhr der Wecker. Ab 4.30 Uhr steht er dann in der Fleischerei. „Bei uns wird alles frisch zubereitet“, sagt er. Der Arbeitszeit gewinnt er aber auch gute Seiten ab. „Oft bin ich so um 13 Uhr fertig, habe dann den ganzen Nachmittag für mich. Das ist auch schön und vor allem für mich sehr ungewohnt“, so Max Münch.

Er ist mit der Fleischerei aufgewachsen. Schon als Steppke fuhr er mit Opas Fleischerauto mit, die Schürze um den Bauch gebunden. „Ich bin da förmlich reingewachsen“, sagt er. Und manchmal gab es für ihn auch ein bisschen Trinkgeld.

Viele neue Ideen

In der Fleischerei findet er nicht nur beste materielle Bedingungen, sondern auch ein Team vor, mit dem er sich bestens versteht. Doch wie ist das so, jeden Tag mit dem Vater zusammenzuarbeiten? „Wir kommen super miteinander klar. Er hat die Erfahrung, ich habe neue Ideen“, sagt er. Die Maschinen und Anlagen sind auf dem neuesten Stand, es wurde viel investiert. Und die Fleischerei hat sich vergrößert. Neben dem Geschäft in Lommatzsch, das übrigens seit kurzem montags geschlossen hat, gibt es auch zwei Verkaufsstellen in Radebeul. Insgesamt hat die Firma jetzt 20 Angestellte, davon zwei Fleischermeister, einen Gesellen und einen Lehrling. Ausbilden will Max Münch auch künftig. „Seine Fachkräfte selbst heranzuziehen, ist das Beste, was man machen kann“, sagt er.

Sportlich hat der 24-Jährige seine Ambitionen zurückgestellt. Mit dem Fußball ist Schluss, hin und wieder geht er ins Fitnessstudio. Zudem ist er ein begeisterter Motorradfahrer. Mit der Nationalmannschaft könnte es aber doch noch klappen. Nicht im Fußball, aber dafür mit dem Nationalteam der Fleischer. Das soll das deutsche Fleischerhandwerk nach außen repräsentieren und wird gerade zusammengestellt. Max Münch gehört zu denen, die in die engere Auswahl kommen. Und hofft, dass er nominiert wird. Dann würde sich sein Traum doch noch erfüllen.