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Der Kampf gegen Bahnlärm geht weiter

Seit Jahren setzt sich die BI Bahnemission Elbtal gegen laute Züge und für mehr Schallschutz ein. Mit ersten Erfolgen.

Links und rechts der Berliner Bahnlinie sind allein in Coswig rund 6.000 Einwohner vom Bahnlärm betroffen. Und das seit acht Jahren. © Arvid Müller

Coswig/Weinböhla. Die Uhr tickt. Seit fast 3.000 Tagen nun schon. Nach der Sanierung der Berliner Strecke hat der Lärm der durchfahrenden Güterzüge ein für viele unerträgliches Maß erreicht. Mit der Eröffnung der Bahnlinie hat die Bürgerinitiative Bahnemission Elbtal (BI) den Startknopf gedrückt und zählt seitdem die Tage, Stunden und Minuten. Aktuell gehören zur BI 167 Mitglieder, hinzu kommen rund 25 ehrenamtliche Unterstützer. 

Auch wenn noch immer Tausende lärmgeplagt sind, ist die BI mit dem bisher Erreichten durchaus zufrieden. „Die Landes- und Bundespolitik hat sich dem Thema geöffnet und einige Maßnahmen angestoßen“, sagt der Vorsitzende Michael Krebs. Dazu gehört das Verbot der lauten Züge ab Fahrplanwechsel 2020. Da besonders die Güterzüge für Krach sorgen, setzen viele ihre Hoffnung auf das Verbot der alten Graugussbremsen. Bis 2020 sollten alle Waggons umgerüstet sein. Das hat der Bundestag beschlossen.

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Dank der BI hat die Deutsche Bahn (DB) die Machbarkeitsuntersuchung (MU) auf Coswig und Weinböhla erweitert. Das Fachkrankenhaus verdankt seinen Lärmschutz der Petition, die die BI angeschoben hat und die Gelder für das freiwillige Lärmsanierungsprogramm wurden aufgestockt.

Eine spür- und vor allem hörbare Verringerung des Lärms gibt es aber noch immer nicht. Die bisherigen Maßnahmen wie Schienenstegdämpfer reichen nicht aus. Das sind Resonanzkörper an beiden Seiten der Schiene, die die Schwingungen der Gleise verringern.

Die BI ist nach eigenen Angaben dafür, dass der Gütertransport von der Straße auf die Schiene verlagert wird. Das ist aus ökologischer Sicht die umweltfreundlichste Variante. Aber auch die dadurch entstehende Lärmbelästigung sei ein ökologischer Faktor. Dass dies anerkannt wird, dafür brauchte es viel Geduld, Kreativität und Zeit. 

„Durch die Unterstützung der Bevölkerung, zum Beispiel durch Unterschriftensammlungen, ist es gelungen, Politiker aller Ebenen für dieses Anliegen zu sensibilisieren“, so Krebs. Die BI wird auch das Wahljahr wieder nutzen und zum Beispiel den Bahn-O-Mat zur Landtagswahl aktivieren, geplant ist auch ein Netzwerktreffen mit anderen Bürgerinitiativen und das Thema Bahnlärm soll wieder mehr in die Öffentlichkeit rücken.

Auch der Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn (Bündnis 90/Die Grünen) hat sich bei der Bahn erkundigt. Demnach sind die Anregungen, die auf den Bürgerveranstaltungen gemacht wurden, in den Schlussbericht der MU eingeflossen. Etwa niedrigere Schallschutzmaßnahmen. 

Die Gemeinden konnten selbst entscheiden, was sie haben wollen. Die Lücke im Lärmschutz nördlich vom Fachkrankenhaus soll geschlossen werden, wie die DB ankündigt. Und das sogar zeitnah. Dafür wurde ein Schallgutachten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen im zweiten Quartal vorliegen.

Nach Jahren der Ideensammlung, Prüfung, Begutachtung und Diskussion stellt sich die Frage: Wann wird es endlich leiser? „Derzeit laufen die Endabstimmungen zur Finanzierung der Maßnahmen der MU Elbtal zwischen Bund, Land und DB Netz AG“, teilt die Deutsche Bahn dem Grünen-Abgeordneten mit. Man gehe davon aus, dass die Verträge zeitnah unterschrieben werden können. Vorher wird nichts geplant und realisiert. 

Und dann sollen zunächst solche Maßnahmen angegangen werden, für die kein Genehmigungsverfahren notwendig ist. Dazu zählt der Einbau von Schienenstegdämpfern. Die könnten im Laufe des nächsten Jahres in den ersten Abschnitten verbaut werden. Wann es die ersten Lärmschutzwände gibt, hängt laut DB von der Dauer des Planrechtsverfahrens ab.