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Der Kampf gegen die Sprüher

Die illegalen Schmierereien werden immer mehr. Was wird dagegen unternommen?

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© René Meinig

Von Sarah Grundmann

Mittlerweile sind sie an etlichen Wänden in der Neustadt zu finden: Graffiti. Im vergangenen Jahr gab es in dem Ortsamt dazu 512 Anzeigen, 2014 waren es nur 436 Fälle. Damit ist die Zahl um über 17 Prozent gestiegen. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Phänomen illegale Sprüher:

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Warum ist die Zahl 2015 so stark gestiegen?

Das kann sich auch die Polizei nicht wirklich erklären. Eine These ist, dass die Geschädigten die Taten im vergangenen Jahr häufiger zur Anzeige gebracht haben als noch 2014.

Was wird alles an die Fassaden gesprüht?

Das ist ganz unterschiedlich. Der Großteil der Graffiti im Ortsamt seien sogenannte Tags – Schriftzüge. Einen bestimmten Hintergrund müssen diese nicht immer haben. Oftmals verbirgt sich dahinter auch nur der Name des Sprühers beziehungsweise der Gruppe: so zum Beispiel bei der stadtweit bekannten Lauchs Crew. Die Sprüher wollen damit ihr Revier markieren. Es finden sich aber auch viele politische Schmierereien in der Neustadt. Die entsprechenden Äußerungen seien sowohl links- als auch rechtsradikal, so die Polizei. Jüngstes Beispiel sind die Fassaden am Hofquartier, die von Linksextremen beschmiert worden sind (SZ berichtete). Anarchie-Zeichen, Beleidigungen und Forderungen nach einer dreckigen Neustadt waren dort zu lesen. In einem Blog wurde auch zum Angriff auf andere Neubau-Projekte aufgerufen.

Ist die Neustadt ein besonderer Brennpunkt in Dresden?

Ja. Zusammen mit der Altstadt ist es das Ortsamt, das den illegalen Graffiti am meisten zum Opfer fällt. Generell werde im Innenstadtbereich häufiger gesprüht, in Stadtteilen am Rand gibt es das Phänomen weniger oft.

Wie oft klicken bei den Sprühern die Handschellen?

Die Polizei erwischt nur wenige der Täter. Im vergangenen Jahr lag die Aufklärungsquote gerade einmal bei gut 17 Prozent. Damit war sie allerdings ganze sieben Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Zum Vergleich: Bei allen Straftaten zusammen wurden 2015 im Ortsamt Neustadt rund 43 Prozent der Täter ermittelt.

Wie werden die Täter bestraft, wenn sie doch erwischt werden?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Angeklagt wird der Sprüher meist wegen Sachbeschädigung. Je nach Häufigkeit, Inhalt und Vorstrafen winkt eine Geld- oder sogar eine Haftstrafe – bis zu zwei Jahre können die Täter ins Gefängnis wandern. Außerdem müssen sie den entstandenen Schaden bezahlen.

Was wird gegen die illegalen Schmierereien unternommen?

Die Stadt setzt immer mehr auf legale Sprühflächen, auf denen Graffiti-Künstler sich frei austoben können. Im vergangenen Jahr ist der rund 200 Quadratmeter große „Graffitiplatz Puschkinpark“ an der Ecke zur Leipziger Straße hinzugekommen. Damit gibt es nun insgesamt sechs legal zu gestaltende Flächen in der ganzen Stadt, in der Neustadt sind es mit der 150 Quadratmeter großen Wand zwischen dem Kulturzentrum Scheune und der Diskothek Katys Garage zwei. Außerdem dürfen ausgewählte Sprüher am Stadtteilplatz Kaditz aktiv werden. Weitere Flächen plant die Stadt derzeit aber nicht.

Neben den sogenannten legal plains gibt es aber auch zwei Initiativen, die Ortsamtsleiter André Barth ins Leben gerufen hat: die Arbeitsgemeinschaft Ordnung und Sauberkeit sowie die Initiative „Szeneviertel ja – Dreckecken nein“. In diesem Rahmen wurden beispielsweise Stromkästen und Mülleimer mit legalen Graffiti gestaltet, die 15. Grundschule in der Görlitzer Straße hat ein großes Wandbild bekommen. Diese war zuvor häufiger ins Visier von Sprühern geraten, das habe sich jetzt gelegt, sagt Barth. Die Diskussion um legale Graffiti am neu eröffneten Toilettenhaus am Alaunpark ist aber im Sande verlaufen. Für die Polizei wiederum sind Graffiti ein Massendelikt. An Ecken, die häufiger besprüht werden, laufen daher die Beamten nicht vermehrt Streife. Präventive Maßnahmen gibt es nicht.

Helfen die legalen Sprühflächen überhaupt?

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Nein. Das sagt zumindest die Polizei. Denn für Sprüher, die komplexe Kunstwerke an die Wand bringen wollen, seien sie zwar eine gute Alternative. Doch leider gebe es immer wieder Sprayer, die ihre Tags auf jedwedem Untergrund verewigen. Diesen gehe es vor allem darum, mit ihren Schriftzügen besonders viele Menschen zu erreichen. Sie wählen nicht den legalen Weg.