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Der Kannibalenjäger

Der neue Peugeot-Chef Carlos Tavares will mit weniger Modellen zurück ins Rennen.

© Reuters

Von Lars Radau

Es ist ein alter Manager-Trick: Wer beim Amtsantritt die Lage schlechter redet, als sie ist, kann später leichter mit seinen Erfolgen glänzen. Und weil der Portugiese Carlos Tavares nicht nur schon lange Jahre in der französischen Autoindustrie arbeitet, sondern auch passionierter Hobby-Rennfahrer ist, tritt er vor der Kurve erst einmal kräftig auf die Bremse. In der Konzernholding PSA Peugeot Citroën, bei der Tavares seit Februar am Steuer sitzt, werde gerade mächtig viel Geld versenkt.

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Als besonderen Kostentreiber hat der neue Chef die Modellpalette des Konzerns ausgemacht: Heute bringen es die Marken Peugeot, Citroën und DS zusammen auf 45.Modelle, die auf Basis von sieben Plattformen gebaut werden. Im Jahr 2022 sollen es nur noch 26 Modelle auf zwei Plattformen sein. Tavares sagt, er sei auf „Kannibalenjagd“: So zielten heute etwa der Peugeot 308 und der Citroën C4 auf ähnliche Kunden, kannibalisierten sich gegenseitig – und müssten sich auch noch gegen den Klassenprimus VW Golf durchsetzen

Doch damit nicht genug: Der gelernte Ingenieur sieht überall Sparpotenzial – in den Werken, bei den Zulieferern, den Lagerbeständen, der Verwaltung, der IT, dem Marketing. Einen Teil der Forschung will er auslagern. „Egal, welchen Stein man umdreht, findet man Geld.“

Geld, das der Konzern nicht weiter verschleudern könne: Die Vollbremsung bei den Modellen soll helfen, den nach VW zweitgrößten Hersteller Europas wieder rentabel zu machen. Bereits 2016, kündigt Tavares an, soll PSA kein Geld mehr verbrennen, sondern aus dem Kerngeschäft wieder Gewinn erwirtschaften „Ich kann meine Mitarbeiter schließlich nicht in Marktanteilen bezahlen“, betont er.

Um die Kurve zu kriegen, will der 55-Jährige nun gemeinsam mit seiner Mannschaft Gas geben. Vorher indes müsse sich das Unternehmen erst wieder auf ein paar Selbstverständlichkeiten besinnen: „Teamgeist zum Beispiel. Gewinnorientierung. Getroffene Entscheidungen tatsächlich umzusetzen.“ Werde dieser Kurs konsequent gehalten, sagt Tavares, könne der Konzern im globalen Rennen der Autohersteller bald wieder mitfahren. Dafür will er die Profile der Marken wieder schärfen: Peugeot solle VW angreifen, Citroën bleibe im Opel-Segment und DS solle als Premiummarke gegen Audi positioniert werden.