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Gesundheit

Der Kindermund muss funktionieren

Auch Kinderzahnärzte werden immer häufiger gemeinsam mit Logopäden bei Sprechproblemen aktiv. Eine erfolgreiche Idee.

Auch beim Thema „Spange“
reden Logopäden frühzeitig
mit. Zunehmend im Team mit
Kinderzahnärzten.
Auch beim Thema „Spange“ reden Logopäden frühzeitig mit. Zunehmend im Team mit Kinderzahnärzten. © Pixabay.com/JohannesR.Meister (Symbolfoto)

Der Mund wird oft unterschätzt. Dabei ist er eine der lebenswichtigsten Schnittstellen des Körpers. Und muss deshalb perfekt funktionieren. Er muss sich für die Nahrungsaufnahme öffnen, aber auch sicher wieder schließen, um Keime und Bakterien abzuwehren. 

Und natürlich ist der Mensch stark von der Sprache abhängig; auch da ist der Mund unabdingbar. Zur Lautbildung werden Zunge, Zähne, Lippen und Muskeln gebraucht. Im Team. Eine schwache Lippenmuskulatur zum Beispiel, die die Schneidezähne nicht mehr in gerader Front hält, ist beispielsweise fatal. Denn damit bleibt die Zahnreihe in der Mitte offen. Die Lippen können sich nun nur noch schwer schließen, die Zunge findet Platz in dieser „Lücke“ und verursacht undeutliches Sprechen. 

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Vererbte Fehlstellungen von Zähnen, zu kleine oder große Kiefer sind weitere Gründe für beeinträchtigte Sprech- und Kaufunktionen. Und atmen Kinder beispielsweise nur über den Mund, verlernen sie, die Nase zur Atmung einzusetzen, die mit ihren Schleimhäuten Krankheitskeime, Bakterien, Schmutzpartikel von außen abfangen und außerdem die eingeatmete Luft temperieren soll. Es ist also wichtig, sich frühzeitig um den „Kindermund“ zu kümmern. Und das tun Zahnärzte zunehmend mit Unterstützung durch Logopäden. 

Aktiv werden schon bei Babys

Eltern können dabei schon im Babyalter viel für ihre Kinder tun: So ist das Stillen ein guter Start. Der Nachwuchs muss kräftig saugen, das stärkt die Muskulatur und trainiert die Nasenatmung von Anfang an. Und auch wenn das Kind seinen Schnuller liebt, spätestens mit dem zweiten Lebensjahr sollte er abgelegt sein. Damit sich das kindliche Schlucken – dabei befindet sich die Zunge zwischen den Zähnen – auf das normale Schluckmuster umstellt, ist das zeitige Trinken aus einer Tasse zum Beispiel ein guter Weg. So hat auch die Nuckelflasche beizeiten ausgedient. 

Spätestens mit Durchbruch der Milch-Backenzähne - zwischen 6. und 12. Lebensmonat - ist das Zerkleinern fester Nahrung für das Kind möglich und zu empfehlen. Das kräftige Kauen stärkt die fürs Sprechen notwendige Lippen- und Wangenmuskulatur und fördert die Speichelbildung, was unter anderem die Mundschleimhaut feucht hält. 

Ganz wichtig ist Zahnpflege! Auch kariöse Milchzähne bereiten Zahnschmerzen, bleiben die unbeachtet, verhindern sie auf jeden Fall die Sprachentwicklung der Kinder. Generell gilt: Sprachprobleme können auch mit den Zähnen zusammenhängen. Bei Frühuntersuchungen beim Zahnarzt werden eventuelle Zahn- und Kieferfehlstellungen rechtzeitig erkannt. Und hier kann dann ergänzend die Logopädie helfen. 

Logopäden erkennen, ob ein fehlerhaftes Schluckmuster, muskuläre Probleme oder aber allgemeine Artikulationsprobleme vorliegen. Mit gezielten Sprechübungen lernen Kinder, auch, wie mit der Nase geatmet wird. Logopädie hilft außerdem, mit gestärkter Lippen- und Wangenmuskulatur und einem richtigen Bewegungsmuster der Zunge die kieferorthopädischen Erfolge bei größeren Kindern über lange Zeit zu erhalten. Werden kieferorthopädische Apparaturen mit Therapiefortschritt verändert, kann Logopädie Anpassungsschwierigkeiten, zum Beispiel beim Sprechen, verringern. (Gundula Feuker)

Dieser Beitrag erschien in der "Medizin heute" 01/2020.