merken

Der Kreml schweigt sich aus

In Syrien kämpft nicht nur Russlands Armee, Moskau setzt auch Söldner ein. Jetzt sind mehrere Freiwillige getötet worden. Präsident Putin steckt in einer Zwickmühle - aber auch den USA ist der Vorfall höchst unangenehm.

© Pavel Golovkin/AP/dpa

Von Friedemann Kohler und Maren Hennemuth

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Moskau/Washington. Es ist eine Krise, die nicht sein darf. Die Großmächte USA und Russland sind im Syrien-Krieg aneinandergeraten wie nie zuvor, US-Bomben haben vergangene Woche russische Bewaffnete getötet.

Doch während die russische Führung sonst die Amerikaner laut kritisiert, herrschte diesmal tagelang Schweigen. Moskau hat sich selbst die Hände gebunden. Denn es müsste zugeben, dass die Toten in einer Söldnertruppe dienten. Nur hat Russland den Einsatz dieser Privatarmee, die unter dem Namen Wagner firmiert, stets dementiert.

Es sei seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen, dass amerikanische und russische Soldaten einander getötet hätten, sagte der Außenpolitikexperte Wladimir Frolow. „Es ist ein großer Skandal und hat das Zeug zu einer schweren internationalen Krise.“ Aber einen Monat vor der Präsidentenwahl am 18. März, bei der Amtsinhaber Wladimir Putin eine Wiederwahl anstrebt, wolle der Kreml offenbar den schweren Zwischenfall übergehen.

Seit Tagen laufen in Moskau Recherchen der Medien und die offizielle Informationspolitik auseinander. Längst sind die Namen von mindestens elf toten Russen bekannt, doch die Führung hat bislang klare Worte vermieden. Erst am Donnerstag bestätigte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, den Tod von fünf Personen, die vermutlich Russen seien. „Ich möchte betonen, dass es sich nicht um russische Militärangehörige handelt“, sagte sie.

Das verhängnisvolle Gefecht ereignete sich am 7. Februar am Fluss Euphrat in der ostsyrischen Provinz Dair as-Saur. Eine gemischte Truppe aus regierungstreuen syrischen Milizen und Wagner-Söldnern griff angeblich eine Raffinerie an. Darin unterhielten nicht nur die von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) ein Hauptquartier, es waren auch US-Militärberater zugegen.

Die Verteidiger forderten Hilfe an, und die US-Luftwaffe wehrte den Angriff mit massivem Bombardement ab. Am Ende waren nach Schätzungen des US-Zentralkommandos etwa 100 Angreifer tot. Dabei nutzten Amerikaner und Russen nach übereinstimmenden Angaben vorher sehr wohl den kurzen Draht, der Zwischenfälle bei ihren Syrien-Einsätzen verhindern soll. Doch die russische Seite versicherte, dass sie keine Soldaten in der Gegend habe. „Das ist sehr verwirrend“, sagte US-Verteidigungsminister James Mattis. „Es sieht nicht so aus, als ob die Russen das koordiniert hätten.“

Auch das Pentagon hält sich mit Anschuldigungen gegen Moskau auffallend zurück. Für die US-Regierung ist der Vorfall heikel. Sie betont immer, sich aus dem syrischen Bürgerkrieg herauszuhalten und nur gegen den Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Gleichzeitig läuft sie derzeit an mehreren Stellen Gefahr, tiefer in den Konflikt hereingezogen zu werden - etwa wegen der Offensive der Türkei gegen die Kurdenmiliz YPG, die ein wichtiger Partner der USA im Kampf gegen den IS ist. Eine Konfrontation mit Russland kann die Regierung in Washington schon deshalb nicht wollen.

Privatarmeen wie die amerikanische Academi (früher Blackwater) sind in Russland verboten. Trotzdem enthüllte das Internetportal Fontanka.ru 2016 die Existenz einer Söldnertruppe, geführt von dem Ex-Geheimdienstoffizier Dmitri Utkin alias Wagner. Mitglieder der „Gruppe Wagner“ sind meist ehemalige Soldaten. Viele haben schon für die prorussischen Separatisten in der Ostukraine gekämpft.

In Syrien wurden sie gegen den IS eingesetzt, zum Beispiel bei der Eroberung der Städte Palmyra und Dair as-Saur. Bezahlt werden sie nach Presseberichten angeblich auch aus den Einnahmen der Öl- und Gasfelder, die sie für die syrische Regierung zurückerobern. Die Söldner sind von Vorteil für die reguläre Armee, weil diese weniger eigene Verluste erleidet, die sie der Öffentlichkeit erklären muss.

Für Putin kommen die schlechten Nachrichten denkbar ungünstig vor der März-Wahl. Er hat im vergangenen Herbst in Syrien den Sieg über den IS und einen Teilrückzug der russischen Truppen verkündet. Doch seitdem gab es mehrere Rückschläge: Die Luftwaffenbasis Hamaimim wurde von Granaten getroffen, Rebellen schossen einen russischen Jet ab, nun kommt die leidige Sache mit den Söldnern.

Russische Medien versuchten, die tiefe Verstimmung des Kremls an abgesagten Auftritten, einer angeblichen Erkältung Putins abzulesen. Das Schweigen folgt aber auch politischem Zwang. „Niemand fängt einen Weltkrieg an wegen eines Freiwilligen oder Söldners“, sagte Witali Naumkin, ein Berater Putins zu Syrien, der Agentur Bloomberg.

Doch Putin gerät wegen der Zurückhaltung unter Druck. Der Nationalist Igor Girkin, Anstifter des prorussischen Aufstands in der Ostukraine 2014, kritisierte die ausweichenden offiziellen Mitteilungen. „Wir warten auf die nächsten Siege des Nano-Genies“, höhnte er in Richtung Putin. „In den Augen der sogenannten patriotischen Gesellschaft, der Sicherheitskräfte hat Putins Ansehen erstmals kräftig verloren“, sagt der Experte Dmitri Oreschkin. (dpa)