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Fahrrad

Der Krisengewinner fährt auf zwei Rädern

Das SZ-Fahrradfest kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, denn Fahrräder sind so gefragt wie nie. Warum das mehr als ein Corona-Hype sein könnte.

Berlin hat auf den neuen Trend reagiert. Entlang der Oberbaumbrücke gibt es nun einen drei Meter breiten Radstreifen – auf beiden
Seiten.
Berlin hat auf den neuen Trend reagiert. Entlang der Oberbaumbrücke gibt es nun einen drei Meter breiten Radstreifen – auf beiden Seiten. © dpa

Den schlechten Start in die Fahrrad-Saison haben die Händler schnell vergessen: "Der Mai war der stärkste Monat, den die Branche jemals erlebt hat", bestätigt David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Ein Boom, der immer noch anhält, und so habe ein Großteil der Fahrrad-Hersteller seine coronabedingten Einbußen bereits kompensiert. Auf den zwölf verschiedenen Touren des SZ-Fahrradfestes werden in diesen Wochen gewiss auch viele nagelneue Räder unterwegs sein.

Die Nachfrage ist sogar so groß, dass vor allem bei Einstiegsrädern und E-Bikes einige Modelle vergriffen seien. Wer gerade auf der Suche nach einem neuen Fahrrad ist, sollte besser mehrere Händler ansteuern und sich außerhalb der Ballungsgebiete umschauen, rät Eisenberger - keineswegs nur in Fahrrad-Hochburgen wie Berlin oder Bremen: Dieser Trend sei regional ganz unabhängig zu spüren, teilte der ZIV auf Nachfrage mit. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ist sogar sicher, dass dieser Trend bleiben wird und die vielen verkauften Fahrräder nicht im Keller verstauben werden.

Der Corona-Lockdown sei die Initialzündung gewesen: "Der große Schub kommt vor allem davon, dass immer mehr Leute mit dem Rad zur Arbeit fahren", erklärt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. Denn die Angst im dichten Berufsverkehr als Fahrrad-Fahrer übersehen zu werden, hemme den Umstieg aufs Fahrrad als täglichen Begleiter enorm. Doch während des Lockdowns waren die Straßen so beruhigt wie schon lange nicht mehr; außerdem sollte der öffentliche Nahverkehr möglichst gemieden werden.

Gegen das Fahrradfahren sprach nicht mehr viel. Da ändert es jetzt auch nichts mehr, dass es den dichten Berufsverkehr wieder gibt: "Gerade in Dresden und Leipzig lässt sich beobachten, dass der erhöhte Radverkehr anhält", sagt Krause. Einschneidende Veränderungen im Leben brächten immer auch Mobilitätsveränderungen mit sich. Zum Beispiel stiegen nach der Geburt eines Kindes viele Eltern aufs Fahrrad um: "Bei Corona wirkt sich dieser Effekt auf einmal auf die gesamte Bevölkerung aus."

Selbstverstärkender Effekt Um die nötige Infrastruktur für die vielen neuen Radfahrer zu schaffen, wollte der ADFC mit sogenannten Pop-Up-Radwegen mehr Platz erkämpfen. "In Dresden ist uns das allerdings gar nicht geglückt", sagt Krause, der trotzdem zuversichtlich in die Zukunft schaut und glaubt, dass die Stadtverwaltung deutlich mehr machen wird, sobald noch mehr Radler auf den Straßen unterwegs sind. "Ich erwarte einen selbstverstärkenden Effekt, wie wir es in den 60er-Jahren mit den Autofahrern hatten."

Zumindest für den Elbradeweg lässt sich dieser Anstieg beziffern. Dieses Jahr waren am Ostersonntag - wohlgemerkt mitten im Corona-Lockdown - durchschnittlich 67 Prozent mehr Radfahrer auf dem Elberadweg unterwegs als noch im Jahr zuvor. Erfasst wurden sie von den beiden Dauerzählstellen der Stadt Dresden.

Auch der sächsische Fahrradhersteller ‚Diamant‘ spürt diese Entwicklung: In Hartmannsdorf wurde der Monat Mai zum stärksten Monat der Unternehmensgeschichte. Das 135-jährige Traditionsunternehmen habe sogar die Einführung einiger neuer Modelle vorgezogen und stelle inzwischen neue Mitarbeiter ein. (mit dpa)

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