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Der kurze Weg zur Innenstadt

Seit Jahren wurde Glashüttes größte Treppenanlage nur geflickt. Nun wird geklotzt.

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© Frank Baldauf

Von Maik Brückner

Glashütte. Der Beton bröckelt, das Geländer hat Rostflecken. Ansehnlich ist die Treppe schon lange nicht mehr. Doch noch erfüllt sie ihren Zweck. Sie verkürzt nicht nur den Weg zwischen den Glashütter Wohngebieten der Bergstraße, Mittelstraße, Feldstraße, des Folgenhanges und dem Bahnhof und Busbahnhof, sondern auch den Weg der Glashütter zu den Arbeitsplätzen in den Uhrenfirmen an der Dresdner und Altenberger Straße. Einige der Beschäftigten wiederum stellen ihre Autos in eben jenem Wohngebiet ab und laufen über diese Treppe zu den Arbeitsplätzen in den Manufakturen, hat Glashüttes Stadtplanerin Christine Girlich beobachtet. In der Vergangenheit mussten sowohl die Anwohner als auch Pendler Umwege laufen, weil die Stadt die Treppe wegen ihres desolaten Zustandes sperren musste.

Der Bauhof schaffte Abhilfe, besserte die gröbsten Schäden aus. Die Stadt konnte die Anlage wieder freigeben. Dennoch blieb die Treppe ein Sanierungsfall. Denn über kurz oder lang droht eine weitere Sperrung, weil es an den Stufen starke Schäden gibt. Das Bauamt hat sich die Anlage genauer angeschaut und Mängel am Unterbau der Treppe, speziell im steilen Hangabschnitt festgestellt.

Aus diesen Gründen beschäftigte sich der Glashütter Stadtrat schon mehrmals mit der Anlage. Denn bereits nach den ersten Untersuchungen wurde klar: Eine Sanierung ist unwirtschaftlich, und ein Neubau wird richtig teuer. Deshalb wurde lange um das Vorhaben gerungen. Anfang des Jahres erklärte der Glashütter Ortschaftsrat, dass das Vorhaben warten könne. Es gebe Wichtigeres zu tun. Ein Stadtrat ging noch weiter. Er bezweifelte, ob es Sinn mache, in eine Treppe zu investieren, die kaum genutzt werde. Die Reaktion folgte prompt. Anwohner Günter Weidenmüller hielt wenig später in der Bürgerfragestunde der Stadtratssitzung eine flammende Rede für den Erhalt der Treppe. Offenbar muss es noch andere gegeben haben, die sich für die Treppe ausgesprochen haben.

Denn in der Verwaltung wurde weiter geplant, wie es mit dem Betonbauwerk weitergehen soll. In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses stellten Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) und Ralf Henning vom Dresdner Büro 2i² Ingenieurgesellschaft nun die neusten Pläne vor. Diese basieren auf einer Entscheidung, die der Ausschuss vor längerer Zeit schon getroffen hatte. Demnach soll die alte Treppe abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Dieser soll aber nicht aus Beton, sondern aus Stahl errichtet werden.

Die schlichte und filigrane Treppe wird etwa 32 Meter lang sein. Damit werde sie sich ins Stadtbild einfügen, das an dieser Stelle von modernen Gebäuden dominiert wird, erklärte Dreßler. An der Linienführung der Treppe wird sich nichts ändern. Günstiger werde aber die Unterhaltung, schließlich gelten Stahltreppen – es soll kein Edelstahl verwendet werden – als robust. Auch der Winterdienst werde hier einfach sein. Denn der Schnee wird durch die Roste fallen. Einziges Manko: Frauen, die gern auf Stöckelschuhen unterwegs sind, werden auf den Gitterrosten ihre Probleme bekommen, sagte Dreßler.

Die Treppe wird auch eine Beleuchtung und auf beiden Seiten ein Geländer bekommen. Welches, darauf konnte sich der Ausschuss noch nicht verständigen, da der Planer die Kostenschätzungen für die Varianten nicht dabei hatte. Zur Wahl stehen drei Möglichkeiten: Die Flächen unter den Handläufen könnten entweder aus Drahtgitter oder mit größeren Glasplatten verkleidet werden. Denkbar sind auch Stahlelemente, die parallel zum Handlauf verlaufen, sogenannte Knieläufe. Über die Ausführung wird sich der Ausschuss in der nächsten Sitzung verständigen. Danach soll der Auftrag ausgeschrieben werden. Bürgermeister Dreßler hofft, dass die Angebote so ausfallen, dass sie auch finanzierbar sind. Denn der Verwaltung liegt eine Kostenschätzung vor. Diese bewegt sich im niedrigen sechsstelligen Bereich. Konkretere Zahlen wollte der Rathauschef öffentlich nicht nennen, um die geplante Ausschreibung nicht zu beeinflussen. Auf Anfragen im Ausschuss versicherte er aber, dass die Arbeiten nicht extravagant seien und deshalb auch von hiesigen Schlossereien ausgeführt werden können.

Der Ausschuss billigte das Vorgehen der Stadt und sprach sich einstimmig dafür aus, die Treppe durch einen Neubau zu ersetzen. Dass das Votum einstimmig ausfiel, mag auch daran gelegen haben, dass die Stadt mit einer staatlichen Förderung rechnen kann. Im Rathaus geht man davon aus, dass 80 Prozent der Bau- und Planungskosten aus dem europäischen Förderprogramm Leader refinanziert werden.