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Der lachende St.-Georgs-Drachen

Der grüne Riese ist Teil eines besonderen Geschenks in Daubitz. Demnächst soll er die Fantasie der Kita-Kids beflügeln.

© André Schulze

Von Constanze Knappe

Daubitz. Drachen verbreiten ja bisweilen Angst und Schrecken. Was wohl daran liegt, dass sie meist als feuerspeiende Ungeheuer durch die Lande ziehen. Der in Daubitz ist da ganz anders gestrickt. Pardon gehäkelt. Etwa 20 Zentimeter groß mit gelben Zacken am Schwanz und gelben Flügeln schaut er ganz und gar niedlich drein. So wünscht man sich einen Gefährten. Der St.- Georgs-Drachen kann sogar böse Ängste nehmen. Sein richtiger Name ist das aber nicht. Er hat noch keinen. Weil aber niemand ohne Namen durch die Welt spazieren kann, hat Ivonne Walter den Drachen vorerst so genannt in Anlehnung an die Kita „St. Georg“ in Daubitz in Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde.

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Die 41-Jährige arbeitet im Gemeindekirchenrat von Daubitz mit und ist dort für die Familienarbeit zuständig. In dieser Eigenschaft gehört es zu ihren Aufgaben, ab dem 70. Lebensjahr an runden Geburtstagen und „in Fünferschritten“ die Senioren zu besuchen. Irgendwann dachte sie sich dabei, was für die Ältesten in der St.-Georgs-Kirchengemeinde gut ist, kann für die Jüngsten nicht schlecht sein. So entstand die Idee zur „Null-Runde“, sprich zum Willkommensgruß an Neugeborene.

Das liebevoll zusammengestellte Päckchen besteht aus besagtem Drachen und einem Paar Mäuseschühchen, die so heißen, weil Ohren, Augen und sogar ein Schwänzchen dran sind. „Alles ist fest verbunden mit den Schuhen, sodass die Babys nichts davon verschlucken können“, erklärt Ivonne Walter. Sie selber gestaltet für den Willkommensgruß jeweils eine Kerze mit Namen und Geburtsdatum des Babys. Ihre Kollegin Sabine Teichert häkelt Drachen und Schühchen, wobei letztere ganz in Gelb gefertigt werden wie die Zacken am Drachen, der wiederum in Grün gehalten ist. Neutrale Farben, die für Jungen und Mädchen gleichermaßen passen. Finanziert wird das kleine Präsent vom Gemeindekirchenrat.

Der möchte damit jeder Familie eines Neugeborenen eine Freude bereiten. „Es spielt für uns keine Rolle, ob die Eltern des Babys katholisch, evangelisch oder konfessionslos sind“, so Ivonne Walter. Es würden in der evangelischen Kita ja auch konfessionslose Kinder betreut, sagt sie. Mädels und Jungs, die zum Kids-Treff der Kirchengemeinde kommen, sind gleichfalls nicht alle getauft. Und trotzdem hätten sie alle miteinander Spaß an gemeinsamen Erlebnissen. Selbst Mutter von vier Kindern weiß Ivonne Walter, wie einsam sich eine junge Mutti fühlen kann, wenn sie mit dem Baby zu Hause und der Mann auf Arbeit ist. Später, wenn das Kind in Kita oder Grundschule geht, sei es leichter, mit anderen Eltern in Kontakt zu kommen. Die Daubitzerin erzählt, dass ihr Mann aus Rietschen stammt und sie bis auf die Familie ihres Mannes niemanden kannte, als sie selbst 1998 in den Ort kam. Das kleine Geschenk zur Geburt eines Babys soll Zugezogenen zeigen, dass sie in Daubitz willkommen sind und an einheimische „frisch gebackene Eltern“ ist es ein herzlicher Gruß. „Es stärkt den Zusammenhalt im Dorf“, davon ist Ivonne Walter überzeugt. Drei- bis sechsmal pro Jahr besucht sie damit junge Familien. Als Stationsleiterin im Krankenhaus Niesky tätig, engagiert sich Ivonne Walter seit vier Jahren im kirchlichen Ehrenamt.

Die Kinder der Kita überlegen derweil, wie der St.-Georgs-Drachen heißen könnte. Zum St.-Georgs-Fest, im April 2018, soll der Name dann öffentlich verkündet werden.