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Pirna

Der lange Abschied von Sparzinsen

Die Genossenschafter der Volksbank Pirna stimmen über ihre Dividende ab und treffen eine Personalentscheidung.

Abstimmung bei der Vertreterversammlung der Volksbank Pirna. Dieses Jahr gibt es drei Prozent Dividende. Aber die Euro-Rettung kostet auch die hiesigen Sparer und Genossenschafter etwas.
Abstimmung bei der Vertreterversammlung der Volksbank Pirna. Dieses Jahr gibt es drei Prozent Dividende. Aber die Euro-Rettung kostet auch die hiesigen Sparer und Genossenschafter etwas. © Marko Förster

Drei Prozent Ausschüttung an die Genossenschafter? Darf das sein, während die Sparer auf ihre gewöhnlichen Einlagen kaum noch etwas bekommen? Als der Aufsichtsratschef der Volksbank Pirna, Thomas Gischke, bei der Vertreterversammlung der Regionalbank genau diese Frage stellt, kommt etwas Verunsicherung in seine Stimme. Rund 200 Vertreter der Genossenschafter, die Donnerstagabend in die Bogensporthalle in Lohmen gekommen waren, müssen eine Entscheidung fällen. Und sie halten die drei Prozent für angemessen. „Das ist doch gut und nicht mehr selbstverständlich im Bankgeschäft“, hört man an den gedeckten Tischen.

Was den Banken das Geschäft so schwer macht, hat zuvor der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Pirna, Hauke Haensel, der Vertreterversammlung erklärt. In der Regel machen Banken etwa 80 Prozent ihrer Erträge mit der Anlage von Kundengeldern oder anderen Refinanzierungsmitteln und mit der Vergabe von Krediten zu entsprechend marktgerechten Zinssätzen. Über die Notenbank werde das volkswirtschaftlich gesteuert. „Dieser Mechanismus wurde durch die Politik zur Rettung des Euro völlig zerstört. Es gibt keine angemessenen Zinsen für Sparer mehr. Sie können die reale Kaufkraft Ihrer Einlagen nicht mehr erhalten. Sie werden enteignet und die Erträge der Banken sind gefährdet“, kritisierte Haensel die Europäische Zentralbank (EZB). Grundübel sei, dass sich die EZB im Zuge der Eurokrise, die vor fast 10 Jahren begann, entschlossen hat, den Euro zu retten, „egal was es kostet“, so Haensel.

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Daran werde sich mit der zukünftigen EZB-Präsidenten Christine Lagarde auch nichts ändern, weil sie den Kurs konsequent fortsetzen wolle. „Verabschieden Sie sich für lange Zeit von der Verzinsung Ihrer Spareinlagen, es könnte noch schlimmer kommen und ob die Rettung überhaupt gelingt, ist keineswegs sicher“, sagte Haensel in der Vertreterversammlung.

Aufpoliert wurde die Bilanz für 2018 unter anderem mit dem Wachstum an Provisionen aus dem Immobilienzentrum, das zusammen mit der Geva-Unternehmensgruppe betrieben wird. Im Falle eines Immobiliengeschäfts wurde noch mal genau nachgefragt. Die Volksbank hat sich von ihrem angestammten Haus in der Sebnitzer Innenstadt getrennt und zieht stattdessen auf die andere Seite des Marktes. Das sei Ergebnis von Verhandlungen mit verschiedenen Partnern gewesen, sagte der Vorstandsvorsitzende. Der bisherige Mieter, der Zweckverband Wasserversorgung Pirna/Sebnitz, wollte in eine eigene Immobilie außerhalb der Stadt umziehen. Die Stadt Sebnitz bemühte sich, sowohl die Volksbank als auch den Wasserverband und damit Arbeitsplätze in der Stadt zu halten. Die Volksbank veräußerte das eigene Haus und kaufte das am Markt 1. So bleiben beide Unternehmen in Sebnitz.

Zu den Formalien, die auf der Versammlung zu klären waren, gehörte auch die Nachbesetzung des Aufsichtsrates. Volker Thiele wurde wiedergewählt. Werner Mates verabschiedete sich aus dem Gremium und geht in den Ruhestand. Dafür wurde Falk Heinze, der geschäftsführende Gesellschafter der Karl Köhler Bauunternehmung in den Aufsichtsrat gewählt. Außerdem verkündete Hauke Haensel, dass die Stelle von Bankenvorstand Ewald Saathoff neu ausgeschrieben wurde, weil dieser auch das Rentenalter erreicht habe und aus dem Amt, das er jahrelang innehatte, scheiden werde.