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Der Letzte aus der Tankstellen-Connection

Vor 30 Jahren schmiedeten junge CDU-Politiker an der Autobahn Karrierepläne. Einer von ihnen ist jetzt am Ziel: Volker Bouffier.

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Von Jan Brinkhus, Wiesbaden

Wer Volker Bouffier boshaft kommen wollte, nannte ihn „Prinz Charles von Hessen“. Es sah so aus, als ob der heute 58-Jährige vergeblich darauf warten müsste, jemals Roland Koch (CDU) auf den Thron als hessischer Regierungschef zu folgen. Seit gestern ist das anders. Bouffier ist das Etikett als ewige Nummer zwei los – und das mit einem eindrucksvollen Vertrauensbeweis. Bei der Wahl zum neuen Ministerpräsidenten erhielt er 66 Stimmen – so viele haben die Fraktionen von CDU und FDP in Hessen.

Profiliert hat sich Bouffier vor allem als Innen- und Sicherheitspolitiker. Im Kabinett Koch wurde er in elf Jahren zum dienstältesten Innenminister Deutschlands, der Ruf eines innenpolitischen Hardliners hängt ihm an. Mehrere Projekte seines Ministeriums, darunter die Raster-Fahndung und Novellen des hessischen Polizeigesetzes, wurden erst durch Gerichte gestoppt.

Mit Bouffier zieht nicht nur ein neues Gesicht in die Staatskanzlei ein, sondern auch ein neuer Stil. Wo Koch als Kopfmensch angesehen wurde, galt Bouffier eher als der Mann fürs Herz. Er tritt jovial auf, klopft Schultern, schüttelt viele Hände.

Wie Koch ist der verheiratete Familienvater Bouffier Jurist. Er zählt zum konservativen Flügel der hessischen CDU und wurde vor allem durch den Langzeit-Vorsitzenden Alfred Dregger geprägt. Beide gehörten auch zur sogenannten Tankstellen-Connection, einer Gruppe aus dem CDU-Nachwuchs, die in den 80er-Jahren bei Treffen an der Autobahnraststätte Wetterau ihre Pläne schmiedete. Ziel der Runde war es, sich beim gegenseitigen politischen Aufstieg zu helfen. Von ihnen ist nun nur noch Bouffier übrig geblieben.

Erprobt ist Bouffier, genannt „Buffi“, in ungezählten politischen Schlachten. Dem Landtag gehört er fast seit 25 Jahren an, mit einer Unterbrechung Ende der 1980er-Jahre. Für SPD-Chef Thorsten Schäfer- Gümbel ist der Mittelhesse indes „Skandalminister Nummer eins“. Derzeit untersucht ein Untersuchungsausschuss des Landtags, ob Bouffier bei der Besetzung eines hohen Polizeipostens gegen Recht und Gesetz verstoßen hat. (dpa)