merken

Der Macher von Liebenau ist tot

Volkmar Kadner engagierte sich Jahrzehnte für sein Heimatdorf. Sein letztes großes Projekt konnte er noch abschließen.

© Archivfoto: Kamprath

Von Maik Brückner

Liebenau. Wenn es ein Wort gibt, mit dem man Volkmar Kadner charakterisieren müsste, dann dieses: Macher. Der Mann war immer unterwegs – und das meist für andere.

Anzeige
Kontaktlose Bezahllösung für Händler
Kontaktlose Bezahllösung für Händler

Der QR-Code von PayPal bietet Ladenbesitzern eine neue Möglichkeit Zahlungen vor Ort kontaktlos, schnell und sicher zu empfangen.

Vor einer Woche ist er nach schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren gestorben. „Das ist ein großer Verlust für Liebenau“, sagt Eberhard Petzold, Chef der Liebenauer Agrar-GmbH. Er hat oft mit Volkmar Kadner zusammengearbeitet. „Er war ein prima Kerl, ein Zugpferd; einer, der immer eine Lösung parat hatte.“ Er werde Liebenau fehlen. So sieht es auch Ortsvorsteher Mathias Wolf. Volkmar Kadner hat für Liebenau viel geleistet. Nach der Wende wurde der gelernte Landwirt Bürgermeister in Liebenau. „Wir sind hier oben eine benachteiligte Region“, sagte er in einem früheren SZ-Gespräch. Auf der einen Seite liege der Erzgebirgskamm, auf der anderen die Grenze. „Wir haben nur die Landwirtschaft als Erwerbsquelle und praktisch keine anderen Entwicklungschancen. Wir sind die Benachteiligten der Benachteiligten!“ Sprachs und machte damit überall auf Liebenau aufmerksam. Ein Jahr nach seiner Bürgermeisterwahl holte er 1992 Sachsens damaligen Landwirtschaftsminister, Rolf Jähnichen, nach Liebenau. Wenig später wurde Liebenau beim Amt für ländliche Neuordnung als Förderdorf eingestuft. Es floß Geld, mit dem das Dorf im Eiltempo seine Abwasseranlage aufbaute. Liebenau habe uns überholt ohne einzuholen, merkte ein Bürgermeister aus der Nachbarschaft damals ironisch an. Volkmar Kadner fuchste sich schnell in die neuen Möglichkeiten ein. Er wusste, wo und wie man Fördermittel akquirieren kann. Liebe-, aber auch neidvoll wurde er „Förderotto“ oder „Förderhai“ genannt. Nach der Eingemeindung nach Geising wurde aus dem Bürgermeister der Ortsvorsteher. Der Liebenauer wechselte ins Geisinger Rathaus und wurde Wirtschaftsamtsleiter. Auch hier gab es für den Umtriebigen viel zu tun. Denn die Stadt hatte fortlaufend mit finanziellen Engpässen zu kämpfen. Für Volkmar Kadner war es nicht leicht, die kommunalen Gebäude wie das Gründelstadion am Laufen zu halten. Er schaffte es trotzdem.

Auch in seinem Heimatdorf blieb er aktiv. 2007 eröffneten die Liebenauer ein Gemeinschaftszentrum mit Jugendklub, Kneipe, Bowlingbahn, Schießstand und Spielplatz. Einen großen Anteil daran hatte Volkmar Kadner. „Er war ein Mann voller Ideen und einer, der sie auch umsetzte“, sagt Mathias Wolf, der 2003 das Amt des Ortsvorstehers von Kadner übernahm.

Nach der Eingemeindung von Geising nach Altenberg ließ sich Kadner pensionieren. Zur Ruhe setzte er sich nicht. Als Chef des Fördervereins Dorfgemeinschaftszentrum und Sportstätten Liebenau und als Vizechef der Teilnehmergemeinschaft Ländliche Neuordnung mühte er sich weiter, Liebenau attraktiver zu machen. Und das war nicht immer einfach. 2015 gab der langjährige Wirt der einzigen Kneipe im Ort auf. Volkmar Kadner machte sich auf die Suche nach einem Nachfolger, er klapperte mehrere Gastwirte ab, suchte sogar in Tschechien nach einem Kneiper. Am Ende gelang es ihm, einen Bad Schandauer Gastwirt für das Gasthaus zu gewinnen.

Vollen Einsatz zeigte der Liebenauer auch bei der Neugestaltung des neuen Dorfplatzes. Dazu musste ein alter Stall abgerissen werden, um Platz für eine Freifläche zu schaffen. Die gibt es jetzt. Hier kann gefeiert werden. Daneben entstand eine neue Bushaltestelle, die zur Drehscheibe für den Schülerverkehr wurde. Volkmar Kadner hat mit Bauernschläue und Hartnäckigkeit viel erreicht. So gelang es ihm letztlich noch 2017, Liebenau vor eine Ruine zu bewahren, die das Ortsbild verschandeln würde. Der alte Landgasthof am Kreisverkehr sah äußerlich zwar noch gut aus, stand aber über viele Jahre leer. Eine neue Nutzung war nicht in Sicht. Deshalb setzte sich Volkmar Kadner erfolgreich dafür ein, das Haus abzureißen.

Volkmar Kadner war ein lebensbejahender Mensch. Er hatte immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Seine humoristische Ader lebte er bei den Dorfdeppen, einem Laienkabarett, aus. Fest im Blick hatte Kadner das letzte Juni-Wochenende, an dem er mit den Liebenauern das Heimatfest feiern wollte. Doch dazu wird es nicht kommen. Das Fest, bei dem der Förderverein Dorfgemeinschaftszentrum und Sportstätten Liebenau sein 20-jähriges Bestehen feiern will, wird Gelegenheit sein, des Machers zu gedenken. Er hat es vorbereitet und an alles gedacht, sagt Wolf. Er ahnte, dass er nicht mehr dabei sein wird.