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Der Mann, der immer noch für den Frieden läuft

Der Österreicher Stefan Horvath kommt auf seinem Weg nach Berlin in Pirna vorbei und trifft Bekannte. Wohl das letzte Mal.

© Daniel Förster

Von Daniel Förster

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Schmökern und Geschenke

Ins Haus des Buches kommt der Engel sogar am Sonntag.

Pirna. Stefan Horvath, selbst ernannter „Weltfriedenswanderer“, war erneut in Pirna zu Gast: Seine Mission ist nichts Geringeres als der Weltfrieden. Er will seine Stimme für Toleranz erheben. Horvath hat keinen festen Wohnsitz, keine Krankenversicherung und lebt ohne Einkommen. Mehrere Male war der gebürtige Österreicher bereits in Pirna, zuletzt vor einem Jahr. Bei seinem kurzen Tagesbesuch in Pirna schaute er auch wieder im Kopiergeschäft Kopielot herein. Inhaber André Kiesewalter spendierte ihm eine Kleinigkeit. Als Dankeschön gab er ihm ein Autogramm auf einen Zehn-Euro-Schein. Steffen Wutke vom Mobilcom-debitel-Shop Pirna hätte ihm gar ein Handy überlassen, erzählt der Friedenswanderer. Nur den OB konnte Hovarth diesmal nicht antreffen.

Stefan Horvath ist ein schräger Typ. Er fällt sofort auf. Nicht nur wegen seiner Zahnlücke im Unterkiefer. Eine Pudelmütze auf dem Kopf, den Rucksack auf dem Rücken, läuft er durch die Straßen, spricht fortwährend Leute an. Immer wieder zeigt er mit den Fingern den Victory-Gruß, das Friedenszeichen oder kramt alte Zeitungsartikel heraus und lächelt, dass seine Zahnlücke hervorblitzt.

Vor 28 Jahren hat er seinen Job und seine Bleibe aufgegeben, wandert dafür seitdem kreuz und quer durch Europa. Eine Familie habe er nicht. Zu Weihnachten war er beim alljährlichen Weihnachtsessen für Obdachlose mit Frank Zander in Berlin. Am 13. Februar sei er wieder in Dresden gewesen und hätte sich im Gedenken an die Opfer der Bombennacht in die Menschenkette eingereiht. Jetzt führe ihn sein Weg gen Berlin und Hamburg. Die Vision von einer vor allem friedlichen Welt hält den 59-Jährigen nach wie vor auf den Beinen, die ihn schon weit über 50 000 Kilometer getragen haben. Mit zunehmendem Alter seien seine Tagesetappen jetzt kürzer als früher. „100 Kilometer am Stück sind nicht mehr drin, allerhöchstens noch 20.“ Wenn es klirrend kalt ist, fährt er mit Bus oder Bahn oder per Anhalter. Aber unbeirrt will Stefan Horvath, so lange ihn seine Füße tragen, weiter laufen, den Kontakt zu den Menschen suchen, und bei den Leuten ein Zeichen setzen für Toleranz und Gerechtigkeit.

Allzu oft wird Stefan Horvath wohl nicht mehr nach Pirna kommen. Der Friedenswanderer hat ein Ziel: Ende kommenden Jahres will er nach Norwegen übersiedeln. Dann soll auch Schluss mit dem rastlosen Wandern sein. In dem skandinavischen Land möchte er sich nach 30 Jahren auf Tour zur Ruhe setzen und eine letzte Friedensmission erfüllen – ein Buch über seinen Weg schreiben.