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Der Meister am Schaltschrank

Sebastian Ruppert ist Deutschlands bester Elektroniker-Junggeselle. Das BSZ drückt die Daumen für die EM.

© André Braun

Von Tina Soltysiak

Döbeln. Das Lernen fiel Sebastian Ruppert nicht immer leicht. „Aber mit viel Fleiß und Beharrlichkeit hat er alle Hürden gemeistert“, meint Frank Bumke, Fachlehrer für Elektrotechnik am Berufsschulzentrum (BSZ) Döbeln. Und „meistern“ ist genau das richtige Stichwort. Denn Sebastian ist Deutscher Meister der elektrohandwerklichen Jugend. Weil er den Bundesleistungswettbewerb für sich entscheiden konnte, fährt er Ende des Jahres ins schwedische Göteborg zur Europameisterschaft der Berufe (Euro Skills). Bis es so weit ist, arbeitet er weiterhin bei der GET Gerätebau-Energieanlagen-Telekommunikation GmbH in Geringswalde. „Dort habe ich meine Ausbildung gemacht. Jetzt habe ich einen unbefristeten Arbeitsvertrag und möchte gern noch meinen Meister machen“, erzählt der 21-Jährige.

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Er ist trotz seines Erfolgs bescheiden. Lächelt zurückhaltend. Und freut sich dennoch sehr über die weitere Ehre, die ihm am Sonnabendvormittag im Rahmen des Tages der offenen Tür zuteil wurde: Er hat sich ins Goldene Buch des BSZ eingetragen. „Es ist vor allem für uns eine Ehre und wir sind stolz, dass wir ihn als Schüler hervorgebracht haben“, sagt der stellvertretende Schulleiter Michael Winkler. Spätere Sachsenmeister hätten bereits am BSZ gelernt. Aber einen Deutschen Meister in den Reihen der Ehemaligen – das gab’s noch nicht. Winkler muss es wissen. „Ich bin seit 1979 an der Schule“, sagt er.

Frank Bumke ergänzt: „Wir als BSZ sind aber nur ein kleines Zahnrad im Getriebe von Herrn Rupperts Erfolg. Die Ausbilder der Handwerkskammer und die Kollegen im Ausbildungsbetrieb haben ihren Teil dazu beigetragen. Vor allem aber seine Liebe zum Beruf.“

Mit nötigem Grips den Sieg geholt

Seine Leidenschaft für die Elektrizität habe er schon früh entdeckt, sagt Sebastian. „Im Physikunterricht habe ich mich schon sehr dafür interessiert.“ Als die Kaffeemaschine seiner Mutter kaputt ging, habe er sie aufgeschraubt und geschaut, ob er etwas tun kann. „Sie musste sich eine neue kaufen“, sagt er und grinst.

Dass er bei der Deutschen Meisterschaft in Oldenburg siegt, hätte er nicht gedacht. „Die anderen Teilnehmer waren alle größer und stämmiger. Da war ich schon ein bisschen eingeschüchtert“, sagt er. Und dennoch hat er es ihnen allen gezeigt und mit dem nötigen Grips den Sieg geholt. „Ich bin eine Stunde vor Ablauf der Zeit fertig gewesen und wollte anderen noch helfen. Da bin ich rausgeflogen“, erinnert er sich. Eine „unglaubliche Hilfsbereitschaft und eine Bescheidenheit, die seinesgleichen sucht“, seien zwei weitere Eigenschaften, die Sebastian Ruppert auszeichnen würden, meint Frank Bumke.

Insgesamt 3,5 Jahre hat der junge Mann in Döbeln gelernt und im Fachkabinett Kabel gesteckt und Lampen zum Leuchten gebracht. „Nach meinem Abschluss an der Mittelschule in Rochlitz habe ich die Wahl zwischen drei Berufsschulen gehabt: Freiberg, Chemnitz und Döbeln“, erzählt der Colditzer. Über das BSZ in der Muldestadt habe er nur Gutes gehört. „Hier gibt es sehr viel Praxis“, sagt er.

Tipp-Ex ist eine Hilfe

Von den gut ausgestatteten Praxisräumen, Werkstätten und Klassenzimmern haben sich am Sonnabendvormittag zahlreiche Jugendliche und deren Eltern ein Bild gemacht. Die Pädagogen haben sie herumgeführt und ihre Fragen beantwortet. Am BSZ sind Berufs-, Fach- und Fachoberschule auf einem Gelände. Von Wirtschaft über Handwerk bis hin zum Sozialen – nahezu alle Interessen werden abgedeckt.

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Im Foyer haben zwei Lehrerinnen Informationsmaterial ausgehändigt. Wer wollte, hat auch gleich einen Antrag auf Aufnahme ans BSZ ausfüllen können. „Übrigens, falls Ihr Euch verschreibt, gilt die Anmeldung trotzdem. Ihr könnt das ruhig mit Tipp-Ex überstreichen“, sagt eine von ihnen zu einer Gruppe Jugendlichen. Die nehmen die Info erleichtert zur Kenntnis.