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Der müde Rückkehrer

Trevar Deed schiebt für die Dresden Monarchs das Ende seiner Football-Karriere hinaus. Der beste Runningback der Bundesliga kündigt Großtaten an.

© Dehli-News

Von Alexander Hiller

Der Mann hängt durch, wirkt müde, phasenweise unkonzentriert und vielleicht noch nicht ganz so austrainiert, wie er sein sollte. Und eigentlich, so sagt er, wollte er nie mehr Football spielen.

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So sieht sie also aus, die größte Hoffnung der Dresden Monarchs. Trevar Deed. Herausragende Spielerpersönlichkeit der letztjährigen Saison in der German Football League (GFL). Mit sagenhaften 57 Touchdowns und knapp 5.000 erlaufenen Yards führte Deed 2013 die wichtigsten Statistiken an – und seine Mannschaft erstmals in der Vereinsgeschichte ins Endspiel um den German Bowl, wie das Endspiel um die deutsche Meisterschaft heißt. Ausgerechnet beim Finale gegen die New Yorker Lions aus Braunschweig in Berlin avancierte der US-Amerikaner zum Pechvogel. Wenige Sekunden vor Schluss flutschte ihm beim Stand von 34:35 das regennasse Leder-Ei aus den Händen – Ballbesitz für Braunschweig und die Spielentscheidung.

„Ich habe danach zwei Monate keinen Football mehr angerührt“, sagte der 28-Jährige. Die Szene nagte an ihm. Mit so einer Geschichte, die einer wie Deed nur als Schmach empfinden kann, wollte er sich dann doch nicht aus der Football-Szene verabschieden. Denn eigentlich wollte sich der bullige Runningback nach dem Finale ins Berufsleben werfen. Trevar Deed wollte sich zum Feuerwehrmann ausbilden lassen, doch der Abschluss muss noch eine Weile warten. Woran Deeds Landsmann und kongenialer Partner Jeff Welsh nicht unschuldig ist. „Als klar war, dass Jeff wieder als Quarterback für die Monarchs spielt, reifte auch mein Entschluss. Jeff ist wichtig für mein Spiel. Er ist der Chef und trifft immer die richtigen Entscheidungen“, sagt Deed.

Also sitzt er nun ein bisschen ausgelaugt bei seiner eigenen Präsentation als Rückkehrer des Jahres. Der 28-Jährige hat gerade eine 26-Stunden-Reise hinter sich gebracht. Das zehrt auch einen Athleten aus. „Ein langer, langer Tag. Härter als jedes Footballmatch“, lässt er augenzwinkernd wissen und erklärt seine Reise-Route: „Arizona, Miami, Düsseldorf – und nun bin ich zu Hause“, sagt er. In Dresden also. Das mag pathetisch klingen, kommt aber ehrlich rüber.

Denn die Monarchs scheinen sich mächtig ins Zeug gelegt zu haben, um die beiden Leistungsträger aus den Staaten wieder zu verpflichten. Möglich, dass der eine oder andere Euro mehr in die Profis investiert wurde. Möglich werden solche Deals wohl auch durch langfristige Engagements von wichtigen Partnern. Am Dienstag gab der deutsche Vizemeister die Fortführung der Zusammenarbeit mit Brustsponsor Elbepark Dresden bekannt. Um drei Jahre wurde der Kontrakt verlängert.

„Ich bin stolz wie Bolle, dass die beiden wieder da sind“, sagt Monarchs-Geschäftsführer Jörg Dreßler und klopft dem besten Runningback der letzten GFL-Saison beinahe zärtlich auf die breiten Schultern. „Wir sind unheimlich glücklich, dass es wieder funktioniert hat. Dass beide mit uns den Weg zu Ende gehen wollen“, betont er. Zu Ende? Der Gewinn des German Bowl wäre ein solch perfekter Abschluss. „Den will ich holen“, versichert Deed und legt nach: „Und auch den Big-6-Wettbewerb gewinnen.“ In der europäischen Königsklasse, eine Art abgespeckte Champions League, treten die Sachsen in dieser Saison erstmals an. Am 3. Mai gleich daheim im Glücksgas-Stadion gegen den German-Bowl-Sieger Braunschweig. Den Auftakt machen die Monarchs jedoch am Sonnabend mit einem Testspiel gegen das Bundesliga-Team der Rhein-Neckar Bandits.

Dresden Monarchs – Rhein-Neckar Bandits, Sonnabend, 15.00 Uhr, Stadion an der Bärnsdorfer Straße